Referendum in Schottland IWF befürchtet Turbulenzen nach Abspaltung

Was passiert mit dem schottischen Finanzsystem, sollten sich die Bürger für eine Abspaltung entscheiden? Der Internationale Währungsfonds sieht in dem Fall viele Fragen ungeklärt - und warnt vor negativen Auswirkungen auf den Markt.

Flaggen vor einer Behörde in London: Marktturbulenzen nach der Abspaltung?
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Flaggen vor einer Behörde in London: Marktturbulenzen nach der Abspaltung?


London/Edinburgh - In wenigen Tagen soll sich Schottland für oder gegen eine Abspaltung von Großbritannien entscheiden. Viele Fragen bleiben in der kurzen Zeit wohl ungeklärt: Was passiert mit Währung, Haushalt und Finanzsystem, sollten sich die Bürger tatsächlich für eine Unabhängigkeit aussprechen? Angesichts dieser Unsicherheiten zeigt sich nun auch der Internationale Währungsfonds (IWF) besorgt. So könnten an den Finanzmärkten Turbulenzen ausgelöst werden.

Der größte unmittelbare Effekt einer Abspaltung dürfte die Unsicherheit beim Übergang zu möglicherweise neuen und unterschiedlichen Rahmenbedingungen im Währungs-, Finanz- und Steuersystem in Schottland sein, sagte IWF-Sprecher Bill Murray. Dies könne zu "negativen Marktreaktionen" führen. Die langfristigen Auswirkungen hingen indes von den Entscheidungen ab, die während dieser Phase getroffen würden.

Inzwischen haben auch einige wichtige schottische Banken gedroht, ihre Unternehmenssitze nach London zu verlegen, sollten die Befürworter der Unabhängigkeit das Referendum gewinnen. Sowohl die Royal Bank of Scotland (RBS) als auch die Großbank Lloyds und das Geldhaus Clydesdale machten konkrete Abwanderungspläne öffentlich. Als Grund nannten sie vor allem große Unsicherheiten hinsichtlich künftiger Finanzmarktregeln.

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Referendum: Schottland ringt mit sich
Die Schotten stimmen am 18. September per Referendum über die Loslösung von Großbritannien ab. Das vom schottischen Regierungschef Alex Salmond angeführte Unabhängigkeitslager holte zuletzt in den Umfragen deutlich auf. Viele Details einer möglichen Unabhängigkeit sind noch unklar - unter anderem die künftige schottische Währung. Salmond will mittels einer Währungsunion das Pfund behalten, doch dies lehnen alle drei großen Parteien in London ab.

Zuletzt war auch der britische Premier David Cameron nach Schottland gereist, um dort für den Erhalt Großbritanniens zu werben.

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insgesamt 68 Beiträge
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Aase 11.09.2014
1. Beginn des Zerfalls der EU?
Schotten kann ich verstehen. Vielleicht wäre Großbrittanien das nächste Angriffsziel der Troika gewesen (trotz des Finanzcentrums in London). Wäre ich Schotte, wählte ich ebenfalls ein NO.
Frank Zi. 11.09.2014
2.
Die Schotten werden auch weiterhin ihr iPhone 6 und Nutella usw. kaufen und bekommen können, keine Sorge. "Der Markt" wird sich in 2 Wochen dann auch wieder gefangen haben. "Der Markt" hat mit der Realwirtschaft ja nicht mehr viel zu tun.
rolforolfo 11.09.2014
3. soso, die Banken drohen.....
....die Banken drohen, und der IWF warnt. Da haben wir ja dann die Richtigen und die Wichtigen, die etwas zu sagen haben. Beide Großbanken in Schottland waren quasi pleite und worden vom Staat gerettet. Das heisst, sie haben ihre Unfähigkeit bereits nachgewiesen.
ihawk 11.09.2014
4. David Cameron und seine Bankster
Die "Tränen"-Rede von David Cameron hat wohl nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Jetzt wird im Endspurt gedroht und Erpresst was das Zeug hält, denn ohne das schottische Geld ist England genauso wie die USA pleite. Das Finanzsystem in England beruht u.a. auf Ausbeutung und faktischer Versklavung der Schotten. Schottland kann sehr wohl unabhängig von England wirtschaften und das voraussichtlich sehr gut - nur England kann nicht ohne die Ausbeutung Schottlands leben. Dieser Effekt (Aufstand gegen Ausbeutung) tritt weltweit ein - wir sollten uns an diesen Gedanken gewöhnen und schleunigst Frieden mit den ausgebeuteten Staaten und Völkern machen - sonst sind bestürzende Entwicklungen wie der IS nur der laue Anfang.
rübennase 11.09.2014
5. Natürlich...
...ändert sich was. Warum sollte man sich sonst abspalten. Es könnte aber auch besser werden! Diese Schwarzmalerei der Besitzstandswahrer nervt etwas. Es weiss halt keiner was konkret passieren wird. Wenn die Schotten sich für die Abspaltung entscheiden, werden sie Ihre Gründe haben und mit dem Ergebnis leben müssen. Irgendetwas hat diesen Prozess ja in Gang gesetzt. Aber wie gesagt: Es kann auch besser werden!
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