Zeitverträge Regierung stellt Großteil der Berufsanfänger befristet ein

Trotz wohlklingender Appelle an andere Arbeitgeber: Auch bei der Bundesregierung werden Festanstellungen für Berufsanfänger zur Ausnahme. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, haben 13 Bundesministerien im vergangenen Jahr 525 neue Stellen vergeben - davon 74 Prozent nur mit einem Zeitvertrag.

Reichstagsgebäude in Berlin: Zeitverträge in Bundesbehörden nehmen zu
Getty Images

Reichstagsgebäude in Berlin: Zeitverträge in Bundesbehörden nehmen zu


Berlin - Die Bundesregierung zeigt viel Verständnis für die Sorgen von Arbeitnehmern, dass Festanstellungen immer seltener und Beschäftigungsverhältnisse immer unsicherer werden. Tatsächlich aber gehen ausgerechnet die Bundesministerien mit schlechtem Beispiel voran, wie laut "Süddeutscher Zeitung" ("SZ") aus der Antwort auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht.

Demnach hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viele Berufsanfänger nur mit Zeitverträgen eingestellt. So erhielten in 13 Bundesministerien - das Verteidigungsministerium wurde bei der Erhebung nicht berücksichtigt - insgesamt 525 Frauen und Männer einen neuen Job, 74 Prozent (390) von ihnen lediglich mit einem Zeitvertrag. Von den 3328 neuen Beschäftigungsverhältnissen, die bei den nachgeordneten Behörden abgeschlossen wurden, waren der Zeitung zufolge sogar 78 Prozent befristet.

Damit liege der Bund noch über dem Durchschnitt des öffentlichen Dienstes insgesamt, wo der Anteil der Zeitverträge rund 70 Prozent betrage. In der Industrie sei deutlich weniger als die Hälfte der Verträge für Berufsanfänger ein Zeitvertrag, bei Akademikern liegt der Anteil sogar bei lediglich elf Prozent.

Die Grünen-Abgeordnete Beate Müller-Gemmeke nannte es "einen Skandal", dass nur eine Minderheit der neu Eingestellten "ein sicheres Arbeitsverhältnis und damit eine solide Basis für ihre Familien- und Lebensplanung" habe. Statt Vorbild zu sein, werde die Regierung "der Schutzfunktion für die eigenen Beschäftigten nicht gerecht".

Im laufenden Jahr allerdings liegt die Zahl der befristet Eingestellten laut "SZ" bei 62 Prozent in den Ministerien beziehungsweise bei 49 Prozent in den nachgeordneten Behörden.

Schon Anfang des Jahres sorgte ein ähnlicher Bericht für Aufsehen, damals wehrte sich vor allem das Bundesarbeitsministerium gegen die Vorwürfe. Die hohe Zahl der Zeitverträge erkläre sich vor allem durch zahlreiche Doktoranden und andere Wissenschaftler unter den Mitarbeitern, für die befristete Arbeitsverträge üblich seien.

nck/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
si tacuisses 31.07.2013
1. Hat jemand was anderes erwartet ?
Zitat von sysopGetty ImagesTrotz wohlklingender Appelle an andere Arbeitgeber: Auch bei der Bundesregierung werden Festanstellungen für Berufsanfänger zur Ausnahme. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, haben 13 Bundesministerien im vergangenen Jahr 525 neue Stellen vergeben - davon 74 Prozent nur mit einem Zeitvertrag. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/regierung-stellt-drei-viertel-der-berufsanfaenger-befristet-ein-a-914021.html
Warum sollte der Herr anders handeln als das G´scherr ? Die schöne neue Welt der Billigjobber muss doch auch vom Staat vorgelebt werden. Woher bezöge sonst alles die moralische Rechtfertigung für ein derart menschenverachtendes Gehabe ? Motto: "Seid froh dass Ihr überhaupt einen Job bekommt, Wir könnten auch anders und dann gibt es Hartz." Danke liebe Politik. Ihr werdet irgendwann die Quittung bekommen.
morrison76 31.07.2013
2.
---Zitat--- Die hohe Zahl der Zeitverträge erkläre sich vor allem durch zahlreiche Doktoranden und andere Wissenschaftler unter den Mitarbeitern, für die befristete Arbeitsverträge üblich seien. ---Zitatende--- Ist doch logisch. Als Wissenschaftler benötigt man ja auch keine solide Basis für die Lebens- und Familienplanung. Schliesslich forschen wir alle völlig selbstlos nur zum Wohle der Menschheit. So kommt es, dass ich nun nach 10 Jahren als befristet angestellter Wissenschaftler der Uni den Rücken kehre. Was will man machen, wenn die Entfristungsanträge des eigenen Profs immer wieder abgelehnt werden? Ist zwar leicht am Thema vorbei, aber durchaus charakteristisch für den ÖD. Auf der einen Seite prekär befristete Arbeitsverhältnisse mit Laufzeiten von teilweise wenigen Monaten und auf der anderen Seite das unkündbare Beamtentum. Es lebe die klassenlose Gesellschaft *sigh*.
spejismo 31.07.2013
3. Probezeit
Zitat von sysopGetty ImagesTrotz wohlklingender Appelle an andere Arbeitgeber: Auch bei der Bundesregierung werden Festanstellungen für Berufsanfänger zur Ausnahme. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, haben 13 Bundesministerien im vergangenen Jahr 525 neue Stellen vergeben - davon 74 Prozent nur mit einem Zeitvertrag. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/regierung-stellt-drei-viertel-der-berufsanfaenger-befristet-ein-a-914021.html
Warum sollte es hier ANDERS sein ?! Aber „Privilegien“ werden sie trotzdem irgendwann bekommen, vor allem diejenige, die sich brav und biegsam genug zu verhalten wissen.
Ausfriedenau 31.07.2013
4. Es ist ein Skandal!
Zitat von sysopGetty ImagesTrotz wohlklingender Appelle an andere Arbeitgeber: Auch bei der Bundesregierung werden Festanstellungen für Berufsanfänger zur Ausnahme. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, haben 13 Bundesministerien im vergangenen Jahr 525 neue Stellen vergeben - davon 74 Prozent nur mit einem Zeitvertrag. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/regierung-stellt-drei-viertel-der-berufsanfaenger-befristet-ein-a-914021.html
Wie verlogen ist die CDU-Familienpolitik, wenn sie in ihren Ministerien, den Behörden und eigenen Institutionen mit derart schlechtem Beispiel vorangeht. Wie sollen junge Arbeitnehmer Familien planen und Nachwuchs bekommen, wenn ihre berufliche Zukunft nur für die nächsten 3 Jahre gesichert ist. Alle familienpolitischen Konzepte sind Luftblasen, wenn die berufliche Zukunft derart unsicher ist. Diese Politik ist unglaubwürdig. Wann reragieren die Gewerkschaften und mobilisierehn die Strasse gegen diese verlogene Politik?
pimpflegionaer 31.07.2013
5. Hauptsache Job
Es ist ja auch in Ordnung wenn sich der Bewerber in der Praxis beweisen muss. Noten sind nicht alles, die sagen meist sehr wenig über die Leistungsfähigkeit im entsprechenden Tätigkeitsfeld aus. So hat der Arbeitgeber die Sicherheit unfähige Kandidaten noch im Job identifizieren zu können. Schlimm wird es erst, wenn diese Praxis, sowie das Praktikum, missbraucht wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.