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Stromengpässe: Konzerne müssen Abschalten von Kraftwerken ankündigen

Mit Paragrafen gegen den Blackout: Laut einem Gesetzentwurf müssen Energiekonzerne das Abschalten von Kraftwerken künftig ein Jahr im Voraus genehmigen lassen. Notfalls will die Bundesregierung die Stilllegung verbieten - und so Engpässe im Winter vermeiden.

Braunkohlekraftwerk in Brandenburg: Es geht um knapp 4000 Megawatt Zur Großansicht
DPA

Braunkohlekraftwerk in Brandenburg: Es geht um knapp 4000 Megawatt

Hamburg - Systemrelevant: Dieses Attribut ist bislang vor allem für Banken gebräuchlich. Doch mit der Energiewende könnten künftig auch einzelne Kraftwerke als unverzichtbar gelten - weil ohne sie Engpässe bei der Stromversorgung drohen. Deshalb will die Bundesregierung die Stilllegung notfalls per Gesetz unterbinden, wie der SPIEGEL bereits am Montag berichtet.

Laut Informationen der "Frankfurter Rundschau" ("FR") liegt nun ein Gesetzentwurf vor. Demnach müssen Betreiber das Abschalten von Kraftwerken in Zukunft zwölf Monate vorher ankündigen, die Stilllegung kann nötigenfalls verboten werden.

Zudem sollen die Betreiber der Übertragungsnetze für Strom bis März 2013 mit der Bundesnetzagentur eine Liste systemrelevanter Kraftwerke erstellen. Dabei handele es sich vor allem um Gaskraftwerke in Süddeutschland. Laut dem Gesetzentwurf könnte es um Kapazitäten von 3900 Megawatt gehen - das entspreche etwa zehn Gaskraftwerken.

Werde die Stilllegung verboten, würden die Kraftwerke als Netzreserve betriebsbereit gehalten und nur in knappen Situationen eingesetzt. Dafür sollen die Besitzer der Anlagen eine Entschädigung erhalten. Die Kosten könnten sich dem Entwurf zufolge auf maximal 287 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Die Kosten würden die Verbraucher über die Entgelte für die Strom- und Gasnetze bezahlen.

Verbraucherschützer begrüßten das Vorhaben. Der Eingriff sei notwendig, sagte Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Die Strommarktliberalisierung habe sich als Irrweg erwiesen. "Nun muss die Regierung vor den physikalischen Realitäten kapitulieren und bereitet die Rückkehr in die staatliche Energieplanwirtschaft vor", sagte er der "FR".

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) forderte angemessene Konditionen für die neuen Regelungen. VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck sagte der "FR", die Energiewirtschaft brauche Planungs- und Investitionssicherheit und kein gesetzliches Provisorium.

Durch die Förderung von Ökostrom wird der Betrieb von Gas- und Kohlekraftwerken zunehmend unrentabel. Gerade im Winter wird die Leistung dieser Kraftwerke aber vorerst noch benötigt, da in dieser Zeit mehr Energie verbraucht und weniger Ökostrom produziert wird.

dab/dpa/dapd

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insgesamt 545 Beiträge
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1. "Planungs- und Investitionssicherheit"
abominog 21.09.2012
Der Mann hat ja recht damit, keine Frage. Aber was ist mit den Millionen Konsumenten, die ebenfalls "Planungs- und Investitionssicherheit" brauchen? Die Energiekonzerne brauchen vor allem Moral und Ethik im Management, weil die gesamte Branche regelrecht zu Erpressern und Wegelagerern verkommen ist! Milliardengewinne jährlich, trotzdem explodieren die Strompreise? Na wartet!
2. eineinhalb Jahre
aldamann 21.09.2012
... nach Fukushima: die Grünen sind wieder auf Ausgangsniveau, die Piraten totgesagt, die alternativen Energieversorger betreuen wieder nur ihre Stammkunden. Beste Zeit dafür, dass Schwarz-gelb wieder ihre Lobby bedient. War ja auch nicht anders zu erwarten. Hatte irgendjemand WIRKLICH geglaubt, diese Regierung meinte es ernst mit dem Atomausstieg?
3. Denken ist Gluecksache....
notty 21.09.2012
Zitat von sysopDPAMit Paragraphen gegen den Blackout: Die Bundesregierung will laut einem Zeitungsbericht gesetzlich verbieten, dass wichtige Kraftwerke im Winter abgeschaltet werden. Verbraucherschützer begrüßen die "Rückkehr in die staatliche Energieplanwirtschaft". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,857087,00.html
Nun Frau Merkel, sich von Rot/Gruenen Chaoten zu hysterischen, unueberlegten. populistischen Entscheidungen druecken zu lassen, zahlt sich nie aus. Es gab keinen Plan, es gibt immer noch keine vernuenftigen Konzepte, nur eines steht fest...die Buerger muessen blechen, dass ihnen das Portemonnaie raucht.... Sollte es in D zu Stromversorgungsschwierigkeiten kommen, dann sind SIE, ganz persoenlich, verantwortlich. Physiker sollten eigentlich logisch denken koennen, aber auch das scheint Gluecksache zu sein....
4. Unglaublich...
paul sartre 21.09.2012
Zitat von sysopDPAMit Paragraphen gegen den Blackout: Die Bundesregierung will laut einem Zeitungsbericht gesetzlich verbieten, dass wichtige Kraftwerke im Winter abgeschaltet werden. Verbraucherschützer begrüßen die "Rückkehr in die staatliche Energieplanwirtschaft". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,857087,00.html
Unglaublich diese Eingriffe des Staates in das Marktgeschehen. Was unterscheidet uns dann noch von einem sozialistischen Staat. Und diese sind gerade deswegen klanglos untergegangen.
5. Verbraucherschützer?
frank.w 21.09.2012
Ich fühle mich von Verbrauchschützern als Verbraucher eher bedroht wenn ich dann sowas lese "Die Kosten würden die Verbraucher über die Entgelte für die Strom- und Gasnetze bezahlen." Wann beteiligt sich endlich die Großindustrie GERECHT an den Kosten? (aber das wird ja eh wieder zensiert)
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