Griechenland: Regierung will streikende U-Bahn-Fahrer verhaften
Die griechische Regierung will hart gegen streikende U-Bahn-Fahrer vorgehen, die seit Tagen den Verkehr in Athen lahm legen. Sie droht, Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe festzunehmen - mithilfe eines Notstandsgesetzes.
Athen - Seit acht Tagen streiken sie schon gegen die Sparmaßnahmen des Landes. Mit ihrer Arbeitsniederlegung verursachen die U-Bahn-Fahrer in der griechischen Hauptstadt ein Verkehrschaos. Nun will die Regierung hart durchgreifen und droht den Beschäftigten mit Haft.
"Die Gewerkschaft der U-Bahnfahrer wollte eine blinde Konfrontation", begründete der griechische Transportminister Kostis Hatzidakis die Anordnung im griechischen Fernsehen. Dutzende Mitglieder der Gewerkschaft hatten sich am Donnerstag in der Zentralbahnhofsgarage der U-Bahn versammelt und verbarrikadiert. "Es ist eine Junta. Die werden uns hier tot rausholen", sagte ein Vertreter der U-Bahn-Fahrer.
Die Gewerkschaften kündigten weiteren Widerstand gegen die Anordnung an. Wir werden nicht nachgeben, wir werden standhalten", erklärte ein Sprecher der Arbeitnehmervertreter. Auch zu Beginn des Jahres hatten die U-Bahn-Fahrer ihre Arbeit niedergelegt. Mit dieser Maßnahme protestieren sie gegen Einkommensverluste von bis zu 25 Prozent.
Durch ein Sparprogramm wurden die Gehälter aller Beschäftigten in staatlichen und öffentlich-rechtlichen Unternehmen zum 1. Januar dieses Jahres mit den Einkommen der Staatsbediensteten gleichgestellt. Auch Renten und Pensionen wurden erneut gekürzt. Die Sparmaßnahmen sind Voraussetzung für weitere Hilfen für das pleitebedrohte Land.
Griechenlands Regierungschef, Antonis Samaras, sagte, die U-Bahn gehöre nicht den Gewerkschaften. "Das griechische Volk hat enorme Opfer gebracht und ich werde keine Ausnahmen zulassen", sagte Samaras. Aus Solidarität wollen in den nächsten Tagen auch die Angestellten bei den Stadtbussen, der Eisenbahnen sowie die Seefahrer mitstreiken.
Griechenlands Gewerkschaftsführer sehen sich als letzte Instanz gegen immer neue Einschnitte, mit denen die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF das Land in die Knie zwinge wolle. Sie rufen massiv zu Streiks auf. Auf Internetseiten wird darüber diskutiert, wo und wann demnächst gestreikt werden solle.
kha/Reuters/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Wirtschaft
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Staat & Soziales
- RSS
- alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Donnerstag, 24.01.2013 – 21:56 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 22 Kommentare
Fläche: 131.957 km²
Bevölkerung: 11,305 Mio.
Hauptstadt: Athen
Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias
Regierungschef: Antonis Samaras
Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Griechenland-Reiseseite
- Manipulationsvorwürfe: Griechischer Chef-Statistiker muss mit Anklage rechnen (22.01.2013)
- Griechenland: Bombe explodiert in Athener Einkaufszentrum (20.01.2013)
- IWF-Prognose: Athen braucht bis zu 9,5 Milliarden Euro (18.01.2013)
- Steuersünder-Affäre: Athener Parlament ermittelt gegen Ex-Minister (18.01.2013)
- Protest gegen Einschnitte: U-Bahnen in Athen an Neujahr lahmgelegt (01.01.2013)
- Griechenland: Ex-Minister droht Anklage wegen Cousinen-Connection (31.12.2012)
- Umfrage zum Jahreswechsel: Griechen sehen schwarz (30.12.2012)
MEHR AUS DEM RESSORT WIRTSCHAFT
-
Börsen
Dax, Dow, Nikkei und Ihr persönliches Portfolio: Die Weltbörsen im Überblick -
Gehalt-Check
Brutto-Netto-Rechner: Berechnen Sie Ihr Gehalt -
Konjunktur
Alle wichtigen Wirtschaftsdaten: Arbeitslosigkeit, Brutto-
inlandsprodukt und Inflation -
Finanztest
Im Test: Finanztipps und mehr - was Sie als Verbraucher unbedingt wissen sollten -
Mehr Wirtschaft
Die Angebote von manager-magazin.de und harvardbusiness
manager.de

Möchten Sie ein anderes Land erkunden?