Regierung zuversichtlich Rente könnte um zwei Prozent jährlich steigen

Fast ein Drittel Plus bis 2024: Sollte die Wirtschaft weiter wachsen, rechnet die Bundesregierung für die kommenden Jahre mit einer jährlichen Erhöhung der Rente von jeweils rund zwei Prozent. Alles nur Schönrechnerei, warnen Kritiker.

Senioren in Leichlingen: Rentenbericht prognostiziert erfreuliche Erhöhungen
DPA

Senioren in Leichlingen: Rentenbericht prognostiziert erfreuliche Erhöhungen


Berlin - Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat gute Nachrichten für alle Arbeitnehmer und Rentner: Sollte sich die Wirtschaft weiter positiv entwickeln, könnten die Renten bis zum Jahr 2024 um gut 29 Prozent steigen - pro Jahr im Durchschnitt um etwa 1,9 Prozent. Das geht aus dem neuen Rentenversicherungsbericht hervor, den das Kabinett am Mittwoch beschließen will. Die sogenannte Eckrente nach 45 Jahren Durchschnittsverdienst erhöht sich nach diesen Berechnungen von derzeit 1224 Euro auf 1584 Euro im Jahr 2024.

Grundlage der Szenario-Berechnungen ist die Annahme, dass sich die Durchschnittsentgelte bis 2024 um 43,6 Prozent erhöhen: Von derzeit im Durchschnitt 31.153 Euro im Jahr auf dann 44.748 Euro, von 2020 bis 2024 mit einer Steigerungsrate von jeweils drei Prozent. Damit hätten die Ruheständler aber weniger Zuwachs als die Erwerbstätigen. Unterstellt ist auch, dass die Zahl der Arbeitslosen deutlich - auf unter 2,8 Millionen - sinkt.

Erfreuliche Aussichten zeigt der Bericht auf bei den Ost-Renten, die zumindest in den nächsten vier Jahren mit 4,3 Prozent stärker steigen könnten als die im Westen (3,2 Prozent). Während der Rentenwert Ost derzeit bei 88,7 Prozent des Westniveaus liegt, erhöht er sich den Rechnungen zufolge bis 2014 auf 89,6 Prozent.

Der Renten-Beitragssatz soll zunächst bei 19,9 Prozent stabil bleiben, um dann 2014 auf 19,3 Prozent zu sinken. Zwischen 2020 und 2024 ergibt sich dann eine schrittweise Anhebung bis auf 20,7 Prozent. Damit wird die im Gesetz für 2030 festgeschriebene Beitragssatz-Höchstmarke von 22 Prozent deutlich unterschritten.

Der Bericht kombiniert die Entwicklung mit drei Entgeltvarianten und drei Beschäftigungsvarianten zu insgesamt neun Modellvarianten. Er berücksichtigt auch schon die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre. Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums sagte, es handele sich um Modellrechnungen auf der Basis unterschiedlicher Annahmen. Prognosen oder gar Zusagen seien damit nicht verbunden.

Kritiker bezeichnen das Modell dennoch als Schönrechnerei: Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, warnte die Regierung davor, die Entwicklung der Renten zu positiv darzustellen. Nur eine Minderheit der Beschäftigten erreiche 45 Beitragsjahre und damit die in dem Bericht dargestellten Rentenzahlbeträge. Bei den Frauen im Westen erfüllten nur 4,6 Prozent diese Voraussetzungen, bei Frauen im Osten 13,7 Prozent. Auch bei den Männern seien es nur 42 Prozent (West) beziehungsweise 58 Prozent (Ost).

So viel Rente gibt es im Schnitt (in Euro)

Bundesland Männer Frauen
Baden-Württemberg 1055,39 516,05
Bayern 983,41 496,12
Berlin 1039,27 684,06
Brandenburg 1035,67 677,38
Bremen 1044,16 507,53
Hamburg 1069,70 596,02
Hessen 1051,61 493,95
Mecklenburg-Vorpommern 1000,65 652,84
Niedersachsen 1024,05 459,31
Nordrhein-Westfalen 1118,28 457,83
Rheinland-Pfalz 1013,52 429,57
Saarland 1119,18 390,32
Sachsen 1059,04 682,58
Sachsen-Anhalt 1031,79 649,76
Schleswig-Holstein 1017,89 482,99
Thüringen 1030,28 669,74
Bundesdurchschnitt 1049,27 528,23

Quelle: Deutsche Rentenversicherung. Angaben für gesetzl. Altersrenten, Stand: 31.12.2008

ore/dpa/dapd

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
T. Wagner 16.11.2010
1. Unken gibt es immer
Die Rente ist ...o Wunder... tatsächlich immer noch sicher. Und sie steigt. Ja sapperlott! Ist denn diese Republik immer noch nicht dem Untergang geweiht? Ich lächele. Erst kürzlich gab's ja den alljährlichen Zettel mit der Prognose für die Rente im Alter. Das wird ein Fest!
Kontrastprogramm 16.11.2010
2. Toll
Zitat von sysopFast ein Drittel Plus*bis 2024: Sollte die Wirtschaft weiter wachsen, rechnet die Bundesregierung für die kommenden Jahre mit einer jährlichen Erhöhung der Rente von jeweils rund zwei Prozent. Alles nur Schönrechnerei,*warnen Kritiker. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729495,00.html
Sollte das so kommen, dürfte es sich bestenfalls um den Inflationsausgleich handeln. Also wirklich nur das Nötigste.
Medienkritiker 16.11.2010
3. unsere
Bundesregierung sollte sich mit solch dümmlich-populistischen Versprechen tunlichst zurückhalten. Ein Angleich an die Inflation ist maximal das wirklich machbare, wenn überhaupt. In Anbetracht massiv geringer Einzahlungen in die Sozial-Kassen, ermöglicht durch Lohndumping und Aufweichung des Kündigungsschutzes, können künftige Rentner schon froh sein, rechtssicheren Anspruch auf Zahlungen zu erhalten...
GeorgAlexander 16.11.2010
4. Alles klar
Zitat von sysopFast ein Drittel Plus*bis 2024: Sollte die Wirtschaft weiter wachsen, rechnet die Bundesregierung für die kommenden Jahre mit einer jährlichen Erhöhung der Rente von jeweils rund zwei Prozent. Alles nur Schönrechnerei,*warnen Kritiker. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729495,00.html
"könnte" !
sic tacuisses 16.11.2010
5. Das ist eiskalt geplant.
Zitat von GeorgAlexander"könnte" !
Da hat sich niemand vertan oder Unsinn geplappert. Noch nicht bemerkt, dass längst der Wahlkampf 2011 begonnen hat ? Denen gehen die Felle schwimmen und dann zaubert man solche Bonbons für Hein Blöd Senior aus dem Hut. Dort herrscht nackte Panik BW zu verlieren und in Rhld-Pf. König Kurt nicht ablösen zu können. Die Grünen lachen sich kaputt über den Aktionismus. Und nach der Wahl ist nicht vor der Wahl. Was schert mich mein Geschwätz von gestern..........
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