Regionen-Vergleich Wo Deutschland am ärmsten ist

Die deutsche Wirtschaft wächst - doch die Armut, die das Land zerreißt, bleibt. So die Kernaussage einer neuen Studie, die auch belegt, dass in manchen Städten im Ruhrgebiet die Not größer ist als in ostdeutschen Ländern. Ein bundesweiter Vergleich zeigt die sozialen Brennpunkte der Republik.

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Hamburg - Die Armut in Deutschland hat sich von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt. Das ist die Kernaussage eines Berichts des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Seit sechs Jahren ist die Armutsgefährdung demnach auf Rekordniveau, selbst im Boomjahr 2010 ging die Quote nur geringfügig zurück. Als armutsgefährdet gilt nach EU-Definition, wer über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen bedarfsgewichteten Einkommens verfügt.

Der Sozialverband spricht von "verhärteter Armut". Dieses Phänomen zeige sich auch bei den Hartz-IV-Empfängern. Kurz nach der Einführung 2005 lag die Quote bei 10,3 Prozent. Im Sommer 2011 notierte der Wert fast unverändert bei 9,8 Prozent. Mit Verweis auf diese Zahlen kritisiert der Wohlfahrtsverband die "arbeitsmarktpolitischen Erfolgsmeldungen der Bundesregierung".

Die wesentliche Aussage des Armutsberichts: "Deutschland ist nicht nur sozial, sondern auch regional ein tief zerrissenes Land." Die Quoten beruhen auf dem Mikrozensus, einer jährlichen Befragung von einem Prozent der deutschen Haushalte. Das entspricht mehreren hunderttausend Menschen.

Während sich in neun Bundesländern seit 2005 kaum etwas bewegt habe, gebe es in den restlichen sieben dem Bericht zufolge durchaus Veränderungen. In Hamburg, Brandenburg und Thüringen gingen die Armutsquoten kontinuierlich zurück. Dabei ist vor allem der positive Trend in den beiden ostdeutschen Ländern auffällig: In Thüringen fiel die Quote von 19,9 auf 17,6 Prozent, in Brandenburg von 19,2 auf 16,3 Prozent - ein Rückgang von 10 beziehungsweise 15 Prozent.

Negativ ist der Trend dagegen in Berlin und Nordrhein-Westfalen. In der Hauptstadt stieg die Armutsquote von 17 auf 19,2 Prozent - ein Zuwachs von 13 Prozent. In NRW stellten die Autoren ein Plus von knapp 14 Prozent fest. Das bevölkerungsreichste Bundesland rutschte damit im innerdeutschen Ranking von Platz sechs auf Platz neun ab (siehe Fotostrecke).

Aber auch innerhalb der Länder gibt es große Unterschiede: Die Studie zeigt, dass Deutschland mehr und mehr als "armutspolitischer Flickenteppich" erscheint. So gebe es im Westen Regionen, in denen die Armutsgefährdung deutlich über dem ostdeutschen Durchschnitt liege - Dortmund zum Beispiel, aber auch Bremen und Hannover.

Als Problemregion bezeichnen die Autoren das Ruhrgebiet: So habe die Armutsgefährdung in Dortmund seit 2005 um 24 Prozent zugenommen. In Duisburg betrug der Anstieg sogar 26 Prozent. Die Hartz-IV-Zahlen unterstreichen diese Entwicklung. So waren im Juli 2011 in den beiden Ruhrgebietsstädten 17,8 Prozent der Einwohner unter 65 Jahren auf Hartz IV angewiesen. In Gelsenkirchen waren es sogar 21,6 Prozent - also rund jeder Fünfte.

Besonders auffällig: Nicht ein einziger Kreis schneidet besser ab als der Bundesdurchschnitt. Im Schnitt bekommt mehr als jeder siebte Bürger im Ruhrgebiet Hartz IV.

cte



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insgesamt 189 Beiträge
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Tomaire 21.12.2011
1. Die böse Wirtschaft
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft*wächst - und mit ihr die Armut, die das Land zerreisst.*So die Kernaussage einer neuen Studie, die auch belegt, dass*in manchen*Städten im Ruhrgebiet*die Not größer*ist als in*ostdeutschen Bundesländern. Ein bundesweiter Vergleich zeigt die sozialen Brennpunkte der Republik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805043,00.html
So also die Kernaussage derer, die davon leben, dass man über Arme immer viel reden kann. Schuld: die Wirtschaft! Wirklich eine Meisterleistung. Lösung: Die Regierung sollte einen über mehrere Jahre angelegten Plan aufstellen, um die Wirtschaftsleistung in Deutschland gerechter zu verteilen. Nebenbei-Lerneffekt aus der Karte: Wer gern wenig Geld hat, sollte beständig möglichst weit links wählen.
cicatriz 21.12.2011
2. Korrelation zwischen Wirtschaftswachstum und steigender Armut ist deutlich!
Es gibt eine klare Korrelation zwischen deutschem Wirtschaftswachstum und steigender Armut. Das gesamte Wirtschaftswachstum beruht keinesfalls auf einer Besserung der Lebensverhältnisse im Land ( die uns auch subjektive Marketinginstrumente wie IFO und GFK jüngst wieder weis machen wollen), sondern auf einer drastischen Umverteilung von unten nach oben, wie ich sie nicht mal in Kanada so erlebe. Es beruht auf einer schweren sozialen Schwächung der Mehrzahl der Arbeitgeber, deren Verarmungsrisiko so sukzessive steigt. Das einzigste, was man dagegen tuen kann, ist - trotz des vergleichsweise lächerlichen Preises einer Erhöhung der OFFIZIELLEN Arbeitslosenzahlen - einen Mindestlohn von mehr als 10€ einzuführen und einem H4 Basissatz von 430€ plus Miete, um die Verhältnisse wenigstens teilweise zu verbessern. Reichen wird das sicher nicht, aber der "Aufschwung" ist so teuer erkauft, dass durch ihn breite Bevölkerungsschichten vor die Hunde gehen. Diese Studie ist ein grelles Alarmzeichen.
thana 21.12.2011
3. ...
Zitat von TomaireSo also die Kernaussage derer, die davon leben, dass man über Arme immer viel reden kann. Schuld: die Wirtschaft! Wirklich eine Meisterleistung. Lösung: Die Regierung sollte einen über mehrere Jahre angelegten Plan aufstellen, um die Wirtschaftsleistung in Deutschland gerechter zu verteilen. Nebenbei-Lerneffekt aus der Karte: Wer gern wenig Geld hat, sollte beständig möglichst weit links wählen.
Komisch... hier ist alles CDU regiert... Armutsquote nach dem Atlas 18.6 % in 2010.
matz-bam 21.12.2011
4. das mit links und rechts müssen wir noch üben
Zitat von TomaireSo also die Kernaussage derer, die davon leben, dass man über Arme immer viel reden kann. Schuld: die Wirtschaft! Wirklich eine Meisterleistung. Lösung: Die Regierung sollte einen über mehrere Jahre angelegten Plan aufstellen, um die Wirtschaftsleistung in Deutschland gerechter zu verteilen. Nebenbei-Lerneffekt aus der Karte: Wer gern wenig Geld hat, sollte beständig möglichst weit links wählen.
Weil "links" zuständig ist für die Umverteilung von unten nach oben? Oder weil links dem Privatisierungswahn frönt? Oder weil links das Geld, das woanders dringend gebraucht wird in Afghanistan verballert oder für Boni der Versagereliten verschwendet?
celsius234 21.12.2011
5. Ist die Bildungsferne schon in den Redaktionen angekommen
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft*wächst - und mit ihr die Armut, die das Land zerreisst.*So die Kernaussage einer neuen Studie, die auch belegt, dass*in manchen*Städten im Ruhrgebiet*die Not größer*ist als in*ostdeutschen Bundesländern. Ein bundesweiter Vergleich zeigt die sozialen Brennpunkte der Republik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805043,00.html
wenn man anhand dieser Karte die Armut im Ruhrgebiet verorten statt verosten will. Ist schon schwierig, so was zu interpretieren. Wenn man das in gleichem Stil weiter runterbricht ist das Armutszentrum in meiner Straße, denn DORT wohnen zwei Menschen, die noch schlimmer als Bochum sind. Wow.
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