Berlin - Nische für gering Qualifizierte, schlecht bezahlt und keine Aussichten auf einen regulären Job: Die Leiharbeit kämpft mit vielen Vorurteilen - manche davon bewahrheiten sich, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer umfassenden Studie herausgefunden hat. Kernaussage der Untersuchung: Nur sieben Prozent der Leiharbeiter in Deutschland schaffen den langfristigen Übergang in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis.
Diese Art der Beschäftigung sei somit "keine breite Brücke, aber zumindest ein schmaler Steg in Beschäftigung", sagte der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller, am Dienstag in Berlin. Das zur Bundesagentur für Arbeit gehörende IAB hatte Erwerbsbiografien von Arbeitnehmern untersucht, die 2006 als Leiharbeiter gelistet waren.
Dennoch stellt Leiharbeit vor allem für Langzeitarbeitslose eine gute Möglichkeit dar, die eigenen Beschäftigungschancen auf dem regulären Arbeitsmarkt "ganz eindeutig zu erhöhen", betonte IAB-Experte Florian Lehmer. Allerdings habe man auch festgestellt, dass viele Leiharbeiter weiterhin in Leiharbeit beschäftigt blieben.
Jung, männlich, Migrationshintergrund
Für die Zeitarbeitsbranche, die aktuell rund 750.000 Beschäftigte zählt, dürften die aktuellen Zahlen nicht besonders erfreulich sein. Denn diese beruft sich regelmäßig auf eigene Erhebungen und diese besagen, dass etwa jeder dritte Leiharbeiter im Entleihbetrieb "kleben" bleibt. Zwar kämpft die Branche seit Jahren für ein besseres Image, erleidet dabei aber immer wieder Rückschläge. Zuletzt sorgte etwa der Fall Schlecker für Negativschlagzeilen.
Der typische Leiharbeiter sei jung, männlich und habe oftmals einen Migrationshintergrund sowie eine sogenannte "unstete Erwerbsbiografie". Er werde als Mitarbeiter im produzierenden Gewerbe eingesetzt. Zunehmend gebe es mehr Frauen in der Zeitarbeit, sie seien oftmals in der Gesundheits- oder Dienstleistungsbranche tätig.
Laut der IAB-Studie verdienen Leiharbeiter durchschnittlich bis zu einem Viertel weniger als vergleichbare andere Mitarbeiter. Vor diesem Hintergrund sei eine "staatliche Regulierung der Löhne der Branche dringend nötig", sagte IAB-Direktor Möller. Mehr als die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse würden zudem bereits nach drei Monaten enden, nur etwas mehr als jedes zehnte (zwölf Prozent) dauere länger als ein Jahr.
Jeder Zehnte fühlt sich unterbeschäftigt
Der Wunsch nach einer langfristigen und ausfüllenden Beschäftigung ist nicht nur unter Leiharbeitern verbreitet, auch große Teile der Gesamtbevölkerung fühlen sich nicht ausgelastet. 8,6 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 74 Jahren hätten gerne Arbeit beziehungsweise mehr Arbeitsstunden. Dies geht aus der jährlichen Haushaltsbefragung, dem Mikrozensus, des Statistischen Bundesamt hervor, wie die Behörde am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.
Als "unterbeschäftigt" bezeichnete sich jeder Zehnte (10,9 Prozent). Das sind 4,2 Millionen Erwerbstätige, die den Wunsch nach zusätzlichen Arbeitsstunden haben und erklärten, für diese auch zur Verfügung zu stehen. Teilzeitbeschäftigte äußern relativ häufiger (22,2 Prozent) den Wunsch nach zusätzlichen Arbeitsstunden als Vollzeitbeschäftigte (6,8 Prozent). Die übrigen der 8,6 Millionen sind Erwerbslose (3,2 Millionen) oder gehören zur stillen Reserve (1,2 Millionen).
Zu den Erwerbslosen werden Personen gezählt, die nicht erwerbstätig sind, aber in den letzten vier Wochen aktiv nach einer Tätigkeit gesucht haben und für eine Arbeit auch innerhalb von zwei Wochen zur Verfügung stünden. Zur stillen Reserve gehören Personen, die zwar Arbeit suchen, jedoch im Moment kurzfristig für eine Arbeitsaufnahme nicht zur Verfügung stehen - außerdem auch Menschen, die aus verschiedenen Gründen keine Arbeit suchen, aber grundsätzlich gerne arbeiten würden und für diese Arbeit auch verfügbar sind.
yes/ddp/AFP
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