Luxemburg - Millionen Menschen in Europa sind infolge der Schulden- und Wirtschaftskrise ohne Job. Die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone stieg im Februar mit 10,8 Prozent auf den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999. Insgesamt seien in den 17 Euro-Ländern mehr als 17 Millionen Menschen ohne Beschäftigung gewesen, teilte das Statistikamt Eurostat mit.
Das sind rund 1,48 Millionen Arbeitslose mehr als vor einem Jahr. Damals lag die Quote noch bei zehn Prozent. Im Januar 2012 waren es 10,7 Prozent. Damit stieg die Zahl der Arbeitslosen innerhalb eines Monats um 162.000.
Mit einer Quote von 23,6 Prozent war die Arbeitslosigkeit im Februar in Spanien am höchsten. Dort gibt es auch die bei weitem höchste Jugendarbeitslosigkeit. Die Hälfte der Spanier unter 25 Jahren hat keinen Job. Auch das pleitebedrohte Griechenland kämpft mit einer Job-Misere. Dort liegt die Arbeitslosenquote bei 23,6 Prozent.
Den stabilsten Jobmarkt kann derzeit Österreich vorweisen. Dort sind 4,2 Prozent der Menschen ohne Arbeit. Auch die Niederlande und Luxemburg stehen mit 4,9 und 5,2 Prozent gut da. An vierter Stelle folgt laut Eurostat Deutschland mit einer Quote von 5,7 Prozent. Die Bundesagentur für Arbeit kam bei ihrer Berechnung im März auf 7,2 Prozent, sie wendet in ihrer Statistik strengere Kriterien an.
Für die gesamte EU lag die Arbeitslosenquote im Februar bei 10,2 Prozent. Das ist nach Angaben von Eurostat der höchste Wert seit die Europäische Union zum Jahresbeginn 2007 auf 27 Mitgliedstaaten erweitert wurde. Laut den Statistikern waren im Februar in der EU insgesamt 24,6 Millionen Männer und Frauen arbeitslos.
Industriefirmen bauen in hohem Tempo Arbeitsplätze ab
Aktuelle Konjunkturindikatoren deuten auf eine weitere wirtschaftliche Talfahrt in der Euro-Zone hin. Nach Angaben des Markit-Instituts bauten die Industriefirmen im März den zweiten Monat in Folge Arbeitsplätze ab - und das so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Markit führt das auf stark gestiegene Kosten durch die hohen Ölpreise zurück.
Die Industrie habe im März an Schwung verloren, erklärten die Markit-Forscher. Der von ihnen erhobene Einkaufsmanagerindex fiel um 1,3 auf 47,7 Punkte. Er liegt damit deutlich unter der Marke von 50 Zählern, die Wachstum anzeigt. Das Institut befragte 3000 Unternehmen.
"Zur anhaltenden Misere in den Peripherie-Ländern kommt nun auch die neuerliche Schwäche in Kernländern wie Deutschland und Frankreich hinzu", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die Industrie habe sich im ersten Quartal als Wachstumsbremse erwiesen und dürfte ein Abgleiten der Währungsunion in eine Rezession nicht verhindert haben. Die Produktion wurde erstmals seit Dezember wieder zurückgefahren. Auch die Aufträge gingen zurück - und zwar sowohl in der Konsum- als auch in der Vorleistungs- und Investitionsgüterbranche.
Jobaufbau in deutscher Industrie stockt
Selbst die erfolgsverwöhnten deutschen Exporteure leiden unter der Konjunkturflaute in anderen Staaten: Die Industrie in Deutschland erhielt im März bereits den neunten Monat in Folge weniger Aufträge aus dem Ausland. Das sei die längste Durststrecke in den vergangenen zehn Jahren, teilte das Markit-Institut mit. "Schwer zu schaffen macht den Betrieben neben den ausbleibenden Wachstumsimpulsen aus der Euro-Zone nun auch das schwächelnde China-Geschäft", sagte Markit-Ökonom Tim Moore.
Die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen gehe zurück, darum halte sich die deutsche Industrie mit Neueinstellungen mittlerweile stark zurück. "Der zweijährige Jobaufbau ist damit erst einmal zum Stillstand gekommen", erklärten die Markit-Experten.
mmq/AP/Reuters/AFP
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