Wirtschaft


Rekordarbeitslosigkeit in Frankreich: "Die Situation ist katastrophal"

Demonstration gegen Arbeitsmarktreformen in Marseille: "Die Situation ist katastrophal"Zur Großansicht
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Demonstration gegen Arbeitsmarktreformen in Marseille: "Die Situation ist katastrophal"

Frankreich hadert mit der höchsten jemals registrierten Arbeitslosigkeit. Der Unternehmerverband Medef spricht von einer katastrophalen Situation und fordert die Regierung zu Reformen auf. Optimistischer scheinen die französischen Verbraucher zu sein: Die Konsumlaune bleibt stabil.

Paris - Nach der Veröffentlichung von Arbeitslosenzahlen in Rekordhöhe hat der französische Unternehmerverband Medef die Regierung zu stärkeren Reformanstrengungen aufgefordert. "Die Situation ist katastrophal", sagte Arbeitgeberpräsidentin Laurence Parisot dem Radiosender RTL.

Die derzeit im Parlament debattierte Reform für mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und Löhnen sei nur ein Element zur Lösung der Probleme und nicht ausreichend, sagte die Verbandschefin. Vor allem die Kosten für Arbeit und Energie müssten weiter gesenkt werden.

Allerdings warnte Parisot auch vor Schwarzmalerei: "Wir können die Dinge ändern. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein wieder aufblühendes Frankreich in Reichweite ist." Den am Vorabend von der Regierung veröffentlichten Zahlen zufolge waren in Frankreich Ende März mehr als 3,2 Millionen Menschen ohne Arbeit. Das ist die höchste Zahl, die in der nach Deutschland zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft jemals registriert wurde. Seit Mai 2011 steigen die Arbeitslosenzahlen immer weiter, ein Ende des Anstiegs wird frühestens im Winter dieses Jahres erwartet.

Trotz hoher Arbeitslosigkeit und Konjunkturflaute bleibt die Stimmung der französischen Verbraucher aber stabil. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen verharrte im April bei 84 Punkten, wie das nationale Statistikamt Insee mitteilte, Volkswirte hatten einen Rückgang erwartet. Allerdings liegt der Indikator immer noch deutlich unter dem langjährigen Mittelwert von 100 Zählern.

Spanien senkt Wachstumsprognose

Auch in Spanien hat die Arbeitslosigkeit einen Rekordstand erreicht. Die spanische Regierung wird ihre Wachstumsprognose jetzt offenbar drastisch reduzieren. Wie die Zeitung "Diario ABC" berichtet, sagt die Regierung für 2013 einen Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent voraus. Die letzte Prognose hatte bei lediglich minus 0,5 Prozent gelegen.

Am Freitag soll in Madrid ein Reformprogramm vorgestellt werden, mit dem Ministerpräsident Mariano Rajoy die rezessionsgeplagte Wirtschaft ankurbeln will. Dem Zeitungsbericht zufolge soll die Maastricht-Grenze von drei Prozent Neuverschuldung nun voraussichtlich erst 2016 erreicht werden - geplant war 2014.

nck/dpa/Reuters

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insgesamt 42 Beiträge
Progressor 26.04.2013
Die Mindestlöhne sind so festzulegen, dass die Leistungsbilanzen mittelfristig zum Ausgleich kommen. Bis dies greift, hat es Konjunkturprogramme zu geben die das Wachstum auf knapp über 2 % hieven. Je länger man mit diesen [...]
Die Mindestlöhne sind so festzulegen, dass die Leistungsbilanzen mittelfristig zum Ausgleich kommen. Bis dies greift, hat es Konjunkturprogramme zu geben die das Wachstum auf knapp über 2 % hieven. Je länger man mit diesen Maßnahmen wartet, desto überproportional teurer wird die Sache.
albrechtstorz 26.04.2013
Was die Fachleute anscheinend nicht durchschauen: die "Konsumlaune" bleibt, wie in Deutschland, stabil, weil die Leute dem Euro nicht trauen und deshalb ihr Geld lieber ausgeben. Ganz davon abgesehen vom realen [...]
Zitat von sysopFrankreich hadert mit der höchsten jemals registrierten Arbeitslosigkeit. Der Unternehmerverband Medef spricht von einer katastrophalen Situation und fordert die Regierung zu Reformen auf. Optimistischer scheinen die französischen Verbraucher zu sein: Die Konsumlaune bleibt stabil. Rekordarbeitslosigkeit in Frankreich: "Die Situation ist katastrophal" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rekordarbeitslosigkeit-in-frankreich-die-situation-ist-katastrophal-a-896714.html)
Was die Fachleute anscheinend nicht durchschauen: die "Konsumlaune" bleibt, wie in Deutschland, stabil, weil die Leute dem Euro nicht trauen und deshalb ihr Geld lieber ausgeben. Ganz davon abgesehen vom realen Wertverlust, wenn das Geld auf der Bank liegt und nur Zinsen deutlich unter der Inflationsrate liefert - wenn überhaupt. Man fragt sich solangsam, ob diese Situation bewußt hereigeführt wurde um das Vermögen der Kleinsparer abzuschmelzen oder eben in die Wirtschaft zu pumpen. Für diese eiskalten Strategen gibt es zwei Möglichkeiten: - entweder kommt die Wirtschaft aus der Rezession, bevor das Geld der kleinen Leute verbraten ist, dann ginge deren Rechnung auf - oder das Geld der kleinen Leute ist vorher weg, die "Konsumlaune" bricht als letzte Stütze der Wirtschaft weg und der Weg in den bodenlosen Abgrund ist frei So oder so: diese Politik (Deutschland und EU-weit) ist eine Politik gegen den kleinen Mann, gegen die Interessen der Mehrheit der Menschen.
guentherprien 26.04.2013
alles die Schuld von Sarkozy und den Franzosen, die ordentlich arbeiten wollen. CGT und Co. werden sicher die Vollbeschäftigung bringen. Steinbrück hat sicher auch ein paar gute Ratschläge dort gelassen, wie man es besser macht in [...]
alles die Schuld von Sarkozy und den Franzosen, die ordentlich arbeiten wollen. CGT und Co. werden sicher die Vollbeschäftigung bringen. Steinbrück hat sicher auch ein paar gute Ratschläge dort gelassen, wie man es besser macht in Zukunft. Hoffentlich wird er bald Kanzler, damit es uns dann genauso geht, wie seinen französischen Freunden.
Waldbahner2 26.04.2013
Natürlich ist es die Schuld von Sarkozy, von wem denn sonst. Wie immer müssen die Nachfolge-Politiker mit dem Müll der Vorgänger leben. Steinbrück wird Gott sei dank nicht mit dem Müll von Merkel leben müssen weil die [...]
Zitat von guentherprienalles die Schuld von Sarkozy und den Franzosen, die ordentlich arbeiten wollen. CGT und Co. werden sicher die Vollbeschäftigung bringen. Steinbrück hat sicher auch ein paar gute Ratschläge dort gelassen, wie man es besser macht in Zukunft. Hoffentlich wird er bald Kanzler, damit es uns dann genauso geht, wie seinen französischen Freunden.
Natürlich ist es die Schuld von Sarkozy, von wem denn sonst. Wie immer müssen die Nachfolge-Politiker mit dem Müll der Vorgänger leben. Steinbrück wird Gott sei dank nicht mit dem Müll von Merkel leben müssen weil die wohl wiedergewählt wird. Die SPD und die Grünen sollten sich hüten in der nächsten Legislaturperiode die Macht zu übernehmen. Dann wird den Wählern vielleicht endlich mal klar an wem es lag.
cemi 26.04.2013
Sehr merkwürdig: In Frankreich steigen die Arbeitslosenzahlen, und gleich darauf wird von Spon die Meinung eines Lobbyisten kolportiert, dass die Hauptursache für die hohe Arbeitslosigkeit die französischen Lohnsteigerungen seien. [...]
Sehr merkwürdig: In Frankreich steigen die Arbeitslosenzahlen, und gleich darauf wird von Spon die Meinung eines Lobbyisten kolportiert, dass die Hauptursache für die hohe Arbeitslosigkeit die französischen Lohnsteigerungen seien. In Spanien hingegen steigen die Arbeitslosenzahlen trotz drastischer Lohnsenkungen und Stellenstreichungen im Öffentlichen Dienst. Merkel und Schäuble nennen das ja „strukturelle Verbesserungen“. Irgendwann müsste eigentlich doch auch dem strammsten neoliberalen Ideologen auffallen, dass die steigende Arbeitslosigkeit vielleicht doch eine andere Ursache haben muss als zu hohe Löhne. Vielleicht ist ja sogar so, dass die sozialisierten Kosten der ständigen Bankenrettungen einfach nur die Realwirtschaft komplett abwürgen. Könnte doch durchaus sein, oder?
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  • Freitag, 26.04.2013 – 12:32 Uhr
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