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Rekordaufschwung: "Über drei Prozent Wachstum sind unvermeidbar"

Die Dynamik des Aufschwungs überwältigt selbst die Fachwelt: Das Wirtschaftsinstitut DIW korrigiert seine Prognose drastisch nach oben. Die DekaBank ist nahezu euphorisch - und sieht bereits die Chance auf "ein deutsches Jahrzehnt".

Verladeterminal im Hamburger Hafen: "Ein typisch deutscher Aufschwung" Zur Großansicht
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Verladeterminal im Hamburger Hafen: "Ein typisch deutscher Aufschwung"

Düsseldorf - Deutschland ist zurück. Das ist die Botschaft, die nun von überall her erklingt. Den Ton gibt dabei Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) an, der bereits einen "Aufschwung XL" herausposaunt.

Diesem Jubel kann sich nun auch das DIW nicht mehr entziehen. Das Berliner Wirtschaftsforschungsinstitut erwartet jetzt ein Wachstum von mehr als drei Prozent in diesem Jahr. Bislang waren die Forscher lediglich von einem Plus von 1,9 Prozent ausgegangen.

"Es ist ein typisch deutscher Aufschwung, der durch die internationalen Märkte - diesmal insbesondere aus China - initiiert wurde, der aber inzwischen auch deutlich die Investitionen und den Konsum sowie insbesondere die Dienstleistungsbranchen erreicht hat", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann dem "Handelsblatt". Dies werde gestützt durch einen stabilen Arbeitsmarkt, der auch das Konsumklima stabil hält. "Es ist also ein Aufschwung auf breiter Front, der für dieses Jahr wohl unvermeidbar zu über drei Prozent Wirtschaftswachstum führen wird", sagte Zimmermann.

Für die Experten der DekaBank ist das noch untertrieben. In diesem Jahr könnte die deutsche Wirtschaft um 3,5 Prozent wachsen - und damit deutlich stärker als die meisten anderen Länder der Euro-Zone, schreiben die Volkswirte der Bank in einer Studie, über die die "Welt" berichtet.

Auch Brüderle legte am Dienstag nochmals nach: "Die wirtschaftliche Dynamik im Sommer dieses Jahres verleiht uns den Schwung, um nach dem Auslaufen der konjunkturpolitischen Maßnahmen zu einer sich selbst tragenden Entwicklung zu gelangen", sagte der Minister. Zuvor hatte das Statistische Bundesamt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,2 Prozent im zweiten Quartal bestätigt.

Die Experten sprechen sich für deutlich höhere Löhne aus

Noch in den Neunzigern galt Deutschland als kranker Mann Europas. Dies hat sich nun radikal geändert: Deutschland könnte in diesem Jahrzehnt für die europäische Wirtschaft zum Wachstumsmotor werden, schreiben die Volkswirte der DekaBank. "Auf die verlorene Dekade zu Beginn des Jahrhunderts könnte ein deutsches Jahrzehnt folgen." Dem pflichtet der DIW-Chef im "Handelsblatt" bei: Deutschland stimuliere inzwischen durch ein kräftiges Wachstum der Importe auch die Weltwirtschaft, sagte Zimmermann.

Dank der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt ergäben sich Spielräume, die Löhne zu erhöhen, schreiben die Volkswirte der DekaBank. Um die schwache Binnennachfrage zu stärken, sollen die Gehälter um knapp drei Prozent steigen.

Auch Zimmermann verlangt, dass die Gehälter wieder steigen. "Die Lohnzuwächse müssen sich an der Gewinnsituation der Unternehmen und der Branchen, zu denen sie gehören, orientieren und nicht an den guten Wachstumsraten", sagte Zimmermann dem "Handelsblatt". Wo die Gewinne hoch seien, könnten auch die Löhne stärker steigen. "Allerdings sollte man angesichts der unsicheren konjunkturellen Lage im Ausland die Priorität bei temporären Lohnsteigerungen sehen."

Wirtschaftsweiser Franz warnt: Hohes Wachstum nur Momentaufnahme

Für Wolfgang Franz ist der Optimismus seiner Kollegen ohnehin verfrüht. Das starke Wachstum sei nur eine kurze Momentaufnahme, sagte der Chef der Wirtschaftsweisen dem "Handelsblatt". "Diese Dynamik wird in ein moderates Wachstumstempo einmünden."

Wie auch Zimmermann sieht Franz die größte Gefahr in der Außenwirtschaft. Ein wesentlicher Dämpfer werde aus den USA kommen. Eine Arbeitslosenquote auf hohem Niveau werde dort einen Aufschwung des privaten Konsums verhindern und auch der Immobilienmarkt sei dort noch labil. "Das trifft uns, denn von einer Abkopplung vom US-Markt kann keine Rede sein." Auch ein stärkerer Konsum in Deutschland könne dies nicht auffangen.

Zimmermann sieht außerdem in der chinesischen Wirtschaft eine Gefahr für das deutsche Wachstum. Zudem markierten schwache Konjunkturerwartungen in vielen europäischen Partnerländern die Gesamtlage.

yes/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. x
R Panning, 24.08.2010
Zitat von sysopDie Dynamik des Aufschwungs überwältigt selbst die Fachwelt: Das Wirtschaftsinstitut DIW korrigiert seine Prognose drastisch nach oben. Die Dekabank ist nahezu euphorisch - und sieht bereits die Chance auf "ein deutsches Jahrzehnt". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,713406,00.html
Warum nur habe ich das Gefühl, daß in 2-3 Monaten spätestens Deutschland wieder am Abgrund stehen wird - zumindest der veröffentlichten Meinung der "Experten" nach....
2. lol
Hipster 24.08.2010
Zitat von sysopDie Dynamik des Aufschwungs überwältigt selbst die Fachwelt: Das Wirtschaftsinstitut DIW korrigiert seine Prognose drastisch nach oben. Die Dekabank ist nahezu euphorisch - und sieht bereits die Chance auf "ein deutsches Jahrzehnt". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,713406,00.html
[QUOTE=sysop;6092594]Das Wirtschaftsinstitut DIW korrigiert seine Prognose drastisch nach oben.[QUOTE] Wie peinlich für das DIW. Hätten sie doch bloss geschwiegen ...
3. Ja ja, Wachstum Wachstum über alles in der Welt.
Pinarello, 24.08.2010
Zitat von sysopDie Dynamik des Aufschwungs überwältigt selbst die Fachwelt: Das Wirtschaftsinstitut DIW korrigiert seine Prognose drastisch nach oben. Die Dekabank ist nahezu euphorisch - und sieht bereits die Chance auf "ein deutsches Jahrzehnt". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,713406,00.html
Jetzt geht unseren unseligen Wachstumsfetischisten wieder was in die Hose, die Realitäten sind jedoch genau eine Schlagzeile später abgedruckt: "Das Staatsdefizit steigt um das doppelte", mehr ist dazu nicht mehr zu sagen. Früher hieß der Spruch: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen, heute wird dazu einfach das Wachstum hergenommen, allerdings habe ich gelernt, daß unser Planet und seine Ressourcen nicht wachsen, eigentlich noch nie gewachsen sind, jedenfalls die letzten paar Milliarden Jahre nicht mehr.
4. Drei blinde Affen
Sapere aude 24.08.2010
Also Rekordwachstum weil das Ausland ganz doll unsere Waren kauft. Dasselbe Ausland was aber auch ganz doll sparen soll. Ja, das ist Logik. Aber unsere Wirtschaftswaisen waren ja in der Vergangenheit immer über alles überrascht. Jahrelang haben sie zu hohe Wachstumsprognosen gegeben, dann die Krise irgendwie übersehen... da werden sie jetzt kaum richtig liegen.
5. Es ist
elwu, 24.08.2010
schon ermüdend. Für Arbeitgeberpräsident und diverse andere 'Fachleute' gilt: in Wachstumszeiten sollen die Einkommen nicht steigen, um den Aufschwung zu gefährden, in Zeiten ohne Wachstum nicht, um ein Wachstum zu ermöglichen, in Rezessionszeiten eh nicht, um die Rezessiona ufzuhalten. Bezoogen nur auf die Einkommen der Beschäftigten natürlich, denn für Manager, Unternehmensinhaber etc. gilt das alles kurioserweise nicht.
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Deutscher Export-Boom
Kaum eine andere Volkswirtschaft lebt so stark vom Exportgeschäft wie die deutsche - Zahlen zum deutschen Außenhandel im Überblick:
Ausfuhren
Deutschland exportierte 2009 Waren im Wert von rund 808 Milliarden Euro ins Ausland - das waren 17,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Wegen dieses Rekordeinbruchs verlor Deutschland den prestigeträchtigen Titel des Exportweltmeisters an China.
Handelsüberschuss
Trotz des Einbruchs weist Deutschland noch immer einen riesigen Handelsüberschuss aus. Die Exporte übertrafen die Importe um etwa 134 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Alle 16 Euro-Länder zusammen erzielten nur einen Überschuss von 22,3 Milliarden Euro, weil Staaten wie Spanien und Griechenland mehr importieren als exportieren.
Exportschlager Maschinen
Deutscher Exportschlager Nummer eins sind Maschinen. Ihr Anteil an den Gesamtexporten beläuft sich auf 15,1 Prozent. An zweiter Stelle folgen Fahrzeuge und Fahrzeugteile mit 14,9 Prozent. Auf dem dritten Rang folgen chemische Erzeugnisse mit 9,1 Prozent.
Milliardenmarkt Europa
Der mit Abstand wichtigste deutsche Absatzmarkt sind die EU-Länder. Dorthin gingen rund 63 Prozent aller Exportwaren. Zweitwichtigste Region ist Asien, gefolgt von Amerika.
Wichtiger Jobmotor
Etwa jeder dritte Arbeitsplatz hängt in Deutschland direkt oder indirekt vom Außenhandel ab. Das sind gut 13 Millionen Stellen. ssu/dpa

Welches Wachstum Experten vorhersagen
Fünf Wirtschaftsweise
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ("Fünf Wirtschaftsweise") rechnet für 2010 mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1,5 Prozent. Für 2011 liegt die Prognose bei 1,4 Prozent.
Bundesregierung
Die schwarz-gelbe Regierungskoalition geht für 2010 von einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent in der Bundesrepublik aus. Im nächsten Jahr erwartet die Regierung einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,6 Prozent.
Führende Wirtschaftsinstitute
In ihrer Gemeinschaftsdiagnose sagen die führenden Wirtschaftsinstitute (u.a. Kieler Institut für Weltwirtschaft, Münchner ifo-Institut und RWI Essen) für 2010 ein Plus der deutschen Wirtschaft in Höhe von 1,5 Prozent voraus. Für 2011 rechnen sie mit einem Anstieg von 1,4 Prozent.
EU-Kommission
Brüssel prognostiziert für Deutschland ein Plus von 1,2 Prozent im Jahr 2010.
Internationaler Währungsfonds
Auch die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnen für 2010 nur mit einem Wachstum von 1,2 Prozent in Deutschland. Für 2011 erwarten sie einen Anstieg in Höhe von 1,8 Prozent.

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