Renault Sarkozy stoppt Produktionsverlagerung ins Ausland

Wenn es um die Interessen der heimischen Industrie geht, kämpft der französische Präsident Nicolas Sarkozy ohne Rücksicht auf Verluste. Dass der Einsatz auch seinen Preis hat, hat jetzt Renault-Chef Carlos Ghosn erfahren. Er musste Pläne für die Verlagerung der Clio-Produktion wieder einstampfen.

Renault-Stand auf dem Genfer Autosalon: Intervention der französischen Regierung
ddp

Renault-Stand auf dem Genfer Autosalon: Intervention der französischen Regierung


Paris - Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy macht den Streit um den Erhalt von heimischen Arbeitsplätzen bei Renault Chart zeigen zur Chefsache. Sarkozy habe Renault-Chef Carlos Ghosn sowie den operativen Vorstandschef Patrick Pelata zu einem Treffen vorgeladen, um über die künftige Strategie zu sprechen, kündigte Industrieminister Christian Estrosi am Mittwoch an.

Anlass für die Aufregung im Élyséepalast waren Spekulationen über eine Verlagerung der Produktion des neuen Clio ins Ausland. Berichten zufolge war eine Verlegung in die Türkei geplant. Allerdings scheint bereits ein erstes Vorgespräch von Estrosi mit Pelata Wirkung gezeigt zu haben. Denn etwaige Schließungspläne - zumindest von französischen Standorten - sind plötzlich wieder vom Tisch. Der Clio werde "immer" in Flins bei Paris gebaut, versicherte Pelata im Anschluss an die Zusammenkunft dem Sender RTL zufolge. Auch Teile der vierten Generation des Autos würden im Werk Flins nordwestlich von Paris gebaut.

Ein Teil der Clio-Produktion findet heute bereits im türkischen Bursa statt. In Flins wurde mit 140.000 Clios im vergangenen Jahr aber der überwiegende Teil der Wagen hergestellt. Den Preis für die Einigung zahlen die Werke in Spanien und Slowenien. Die Clio-Fertigung dort werde beendet, sagte Pelata.

Staat will mehr Kontrolle

Doch wie es aussieht, genügt dieser Sieg Sarkozy noch nicht. Er will dem Autobauer offenbar ein für alle Mal klarmachen, was er von Produktionsverlagerungen hält: Nichts. Renault-Chef Ghosn sei trotz des Einlenkens in den kommenden Tagen in den Élyséepalast einbestellt, sagte Estrosi. Der Staatspräsident werde bei dieser Gelegenheit den Protest "noch stärker" ausdrücken.

RTL zufolge könnte der Staat als größter Aktionär - der Anteil beträgt gut 15 Prozent - sechs Stellen im Verwaltungsrat von Renault fordern, um stärker auf die strategischen Entscheidungen einzuwirken. 2009 hatte Paris Renault und Peugeot/Citroën mit jeweils drei Milliarden Euro unterstützt. Auf Druck der EU-Kommission verzichtete Paris dabei auf die Gegenleistung, kein französisches Werk zu schließen.

Bisher wird der Renault-Verkaufschlager Clio in Flins, Valladolid (Spanien), Novo Mesto (Slowenien), Cordoba (Argentinien) und Bursa (Türkei) gebaut. Am Freitag hatte die Finanzzeitung "La Tribune" gemeldet, Renault wolle bei der vierten Clio-Generation die Fertigung von Flins nach Bursa verlagern. Das löste einen Proteststurm der Regierung, Parteien und Gewerkschaften aus. Estrosi erklärte im Parlament: "Wir werden nicht zulassen, dass der Clio 4 in der Türkei gebaut wird. Der Renault wird in Frankreich gebaut werden, um in Frankreich verkauft zu werden."

mik/AFP/Reuters/dpa



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Michael Giertz, 08.10.2009
1.
Zitat von sysopNoch zehren die Autohersteller von den Segnungen der Abwrackprämie. Die Zulassungszahlen stiegen nach Verbandsangaben im September noch einmal um 20 Prozent - nicht zuletzt, weil die Händler den Verkauf weiter durch hohe Rabatte ankurbelten.
Der Listenpreis ist bei vielen, vielen "Gebrauchswagen" (Mittelklasse, 4-Türer, Familienwagen) schlichtweg zu hoch. Vor noch ein paar Jahren hätte man sich geweigert, 30.000 Mark für einen normalen Familienwagen auszugeben, heute beginnt oftmals da erst das Segment eben dieser Wagen - 30.000 Euro wohlgemerkt. In den letzten Jahren sind die Preise für KFZ massiv in die Höhe geschossen. Die Absätze wurden allein durch Nullprozentfinanzierungsangebote und Leasing oben gehalten, direkte Käufe von Neuwagen sind für viele Leute einfach unerschwinglich geworden. Dass grad jetzt der Run losgeht, hat nicht nur was mit der Abwrackprämie zu tun, das ist oftmals nur ein "Leckerli" gewesen. Nein, die Kosten für einen Neuwagen sind zu hoch. Wenn jetzt die Rabattschlacht losgeht, hat der Bürger nicht das Gefühl zu sparen, sondern nur endlich wieder reale Preise zu bezahlen.
drückerkönig, 08.10.2009
2.
Kommt auf den Hersteller, die Vertragskonditionen (Leasing, Barzahlung etc.), die Menge und z.B. bei Mercedes, auf das Modell an.
3-plus-1 08.10.2009
3. Coupé Empfehlung?
Hm, das ist ja schön. Ich habe zwar dieses Jahr die Abwrackprämie mit einem Kia ceed_sw mitgenommen, da mein 1994er Renault 19 mit fast 300.000 km schon einige Motorprobleme zeigte und ohne Schwellerschweißen nicht mehr durch den TÜV gekommen wäre, aber wir haben ja auch noch einen Polo. Der ist zu neu zum Verschrotten, aber dieser 1.2er Benzinmotor von VW ist absolut der letzte Dreck: Verbrauchsstark und Leistungsarm und regelmäßig ist eine von diesen Zündspulenzündkerzen kaputt und muss für 70 EUR getauscht werden (Hallo? Mein Vater ist 20 Jahre mit der selben Zündspule in seinem Opel gefahren!). Da viele Nutzer absolut auf VW stehen, bekommen wir den bestimmt gut los und würden dann auf ein schickes Coupé setzen. Der Kia Forte Koup kommt ja erst mal (oder nie) nicht nach Deutschland, so dass mir nur der (eigentlich zu teure) Audi A5, der Peugeot 407 als Coupé und das schicke neue Renault Laguna Coupé einfallen. Fällt Ihnen/Euch noch mehr ein? Insbesondere wo es in verlinktem Artikel hohe Rabatte gibt? Opel, die Schnarchnasen, haben leider wieder nix in dem Segment ...
Vernou, 08.10.2009
4. Wen wundert's?
Das war doch zu erwarten! Die sog. Umweltprämie war ein reines Strohfeuer. Solange es brannte, wurden zum Teil wertvolle Wirtschaftsgüter vernichtet. Mit derartigen Rabatten fährt der Verbraucher womöglich günstiger un er kann sein altes Auto behalten. Fazit: Milliarden Steuergelder wurden sinnlos zum Fenster hinausgeworfen.
jcomo 08.10.2009
5. Audi-Stadler: "Rabatte sind Gift"
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,649378,00.html War klar dass auch er der Realität ins Auge sehen muss. Die ach so tollen Verkaufszahlen von Audi sind vor allem nur kosmetischer Natur. Jetzt nähern sich die Preise endlich wieder der Normalität an. Warum früher das nahezu selbe Modell (gilt für alle Hersteller) im Ausland bis zu 1/3 billiger war, basierte auf reiner Kundenverarsche und Abzocke. Die Deutschen lassen sich besonders gern und effektiv abzockt, gehören ja auch immer zwei dazu: Einer der die Leute Abzockt und einer der sich willig abzocken lässt und sich dabei auch noch doll vorkommt (Ich sichere Arbeitsplätze, "Premium", 'bessere' Ausstatung des 'deutschen' Modells,....) Da haben die Werbe- und Imageabteilungen in Zukunft wieder viel zu tun.
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