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Statistikreform: Rentenerhöhung fällt 2015 niedriger aus

Rentner können zwar mit mehr Geld rechnen, allerdings fällt das Plus 2015 wohl geringer aus als ursprünglich erwartet. Grund dafür ist laut "Süddeutscher Zeitung" die höhere Zahl von Geringverdienern in der Beschäftigtenstatistik.

Senioren in Rheinland-Pfalz: Auf und Ab bei der Rente Zur Großansicht
DPA

Senioren in Rheinland-Pfalz: Auf und Ab bei der Rente

München - Neue Berechnungen bei der Bundesagentur für Arbeit dürften sich im kommenden Jahr bei der Rentenerhöhung bemerkbar machen. Die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland müssen sich 2015 auf ein geringeres Plus ihrer Bezüge einstellen, als bisher erwartet, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Rentenexperten. Grund dafür seien Korrekturen bei der Beschäftigtenstatistik. Weil darin viele Menschen aus dem Niedriglohnbereich neu aufgenommen wurden, drückt das auf die Berechnung der Rente.

Laut dem Bericht wurden in die Statistik etwa 300.000 Menschen mit einer Behinderung aufgenommen, die zum Beispiel in Werkstätten arbeiten. Auch mehr als 30.000 Beschäftigte in Einrichtungen der Jugendhilfe oder Berufsbildungswerken fallen nun in die Statistik. Zudem wurden 80.000 Menschen einbezogen, die etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst leisten.

Mit Hilfe der Beschäftigtenstatistik misst die Bundesagentur die Entwicklung der Löhne und Gehälter. Dies wiederum wirkt sich dann auf die Rentenerhöhung aus. Laut "SZ" dürfte der Aufschlag bei den Renten im kommenden Jahr im Schnitt um etwa einen Prozentpunkt niedriger ausfallen. Die Einbußen im Westen dürften demnach etwas höher ausfallen, weil dort mehr Menschen in Behindertenwerkstätten tätig sind.

Zuletzt gab es am 1. Juli eine Erhöhung für die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland. Im Osten stiegen die Bezüge um 2,53 Prozent, im Westen um 1,67 Prozent.

Mittelfristig würden die Rentner durch die neue Statistik nicht schlechter gestellt, schreibt die "SZ". Denn 2016 werde das Plus wieder höher ausfallen, so dass sich die Änderungen nach zwei Jahren unterm Strich weder positiv noch negativ auswirken würden.

Beitragssatz kann 2015 sinken

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte die Regierung auf, durch Korrekturen an der Rentenformel das Auf und Ab bei der Rentenanpassung zu verhindern und den Beitragssatz stabil zu halten.

Nach SPIEGEL-Informationen kann der Beitragssatz zur Rentenversicherung im kommenden Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf 18,7 Prozent sinken. Das geht aus Berechnungen von Experten der Bundesregierung und Rentenversicherung hervor. Diese aktualisierte Prognose des sogenannten Schätzerkreises gilt als wichtige Basis für das Arbeitsministerium, das im November den neuen Beitragssatz festlegen will.

Laut Gesetz ist eine Beitragssenkung notwendig, wenn die Rücklagen in der Rentenkasse 1,5 Monatsausgaben überschreiten. Deswegen hätte der Beitragssatz bereits zu Jahresbeginn gesenkt werden müssen. Die Große Koalition hatte den Mechanismus für 2014 jedoch per Gesetz aufgehoben, um die Rente mit 63 und die Mütterrente zu finanzieren.

Gewerkschaften und Opposition kritisieren die angepeilte Senkung des Beitragssatzes von heute 18,9 Prozent als kurzsichtig. Sie gehen davon aus, dass das finanzielle Polster der Rentenversicherung, das im Juli mit 34,26 Milliarden Euro einen Höchststand erreicht hatte, rasch sinkt und dann wieder eine Beitragserhöhung nötig ist.

mmq/dpa

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1. menschen aus...
imlattig 27.10.2014
dem niedriglohnsektor wie 450 euro jober, bekommen wenn sie tarifvertraege haben, den gleichen stundenlohn wie alle anderen. wenn diese leute in der berechnung der rentenerhoehung rausfallen wuerde das bedeuten, dass sie bei tariferhoehungen betrogen werden und die rentner dadurch auch. da scheint handlungsbedarf zu bestehen.
2. Eine Farce
hanshorst79 27.10.2014
Es ist kaum zu glauben das der Staat es nicht hinbekamt das da mal etwas Ruhe einkehrt. Was soll den der ganze blödsinn mit Rente mit 63 wenn dann Hunger-Kapital ausgezahlt weiter?
3. Das klappt doch wunderbar mit der Volksverarmung..
grommeck 27.10.2014
niedrigere Beiträge, vor allem natürlich für unsere Arbeitgeber, Löhne unter aller Würde und schon explodieren die Gewinne. Tolles Land - ich hoffe nur die Verantwortlichen für diese Ungerechtigkeiten bekommen früher oder später IHREN gerechten Lohn....bis dahin passe ich mein Leistungsniveau dem der zu erwartenden staatlichen Leistungen an...die Motivation steigt ins Unermessliche, Ihr Superlobbyisten....aber es gibt ja genug Fachkräfte im Ausland.....lol
4. war da mal nicht ein Jahr drinn....
horstschmitzberger 27.10.2014
ich glaube mich zu erinnern das bevor das Neoliberale Schlachtfest unseres Sozialsystems unter Kohl begann, die Reserve deutlich höher lag. Sie wurde für die Einheit verpulvert und dann beim idiologischen Sturmreifschreiben und quatschen der Umlagerente nie mehr aufgefüllt. Jetzt wärs Zeit denkt sich ein 64 geborener, der alles bisher mittrug und finanzierte und irgendwann auch was von seinen Leistungen haben will, ne gute Rente zum guten Leben zum Beispiel ohne seine Kinder überzubelasten.
5. Manipulation der Statistiken, wie man es braucht
bonner85 27.10.2014
Werden die Arbeitslosenzahlen veröffentlicht, wird möglichst viel Kosmetik betrieben um den DAX zu pushen. Geht es jedoch um eine Rentenerhöhung, ist die vorher gelobte Arbeitslosenstatistik plötzlich doch nicht mehr das gelbe vom Ei, weil sonst die Rentenbezüge deutlich stärker wachen müssten. Nur mal ein Beispiel: Ein Bekannter von mir ist Anfang 50. Er sollte mit 48 eine Umschulung zum Bürokaufmann machen. Weil er jedoch nicht sonderlich gut Deutsch spricht, hat er keinen Job gefunden. Erwähnenswert ist, dass die Sprachprobleme ja nicht über Nacht kamen sondern schon vor der Umschulung bestanden haben und dies genau seine Bedenken waren. Auf dem Arbeitsamt sagt seine Sachbearbeiterin jedoch "Ich kann Sie dahin schicken, wo ich das möchte. ". Nachdem er nun Bürokaufmann ist und keinen Job hat, schickt man ihn mit Anfang 50 nun in ein Schwimmbad um eine Umschulung zum Bademeister zu machen. Mal sehen was er danach machen soll. Er ist ein Opfer der statistischen Kosmetik. Hauptsache es tauchen möglichst wenig Personen da auf. Ob die Maßnahmen sinnvoll sind, ist jedoch zweitrangig. Und von solchen Fällen gibt es hunderttausende, die unter den Teppich gekehrt werden.
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Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.


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