Vorzeitiger Ruhestand Schon 12.000 Anträge auf Rente mit 63

Die abschlagsfreie Rente mit 63 stößt offenbar auf großes Interesse. Rund 12.000 Anträge sind laut einer Schätzung bei der Rentenversicherung eingegangen. Die Wirtschaft sorgt sich schon um ihre Fachkräfte.

Rentner: Herber Schlag für die betroffenen Unternehmen
DPA

Rentner: Herber Schlag für die betroffenen Unternehmen


Berlin - In gut einer Woche tritt die Neuregelung der Rente mit 63 in Kraft, und das Interesse der Beschäftigten ist offenbar groß. Der Rentenversicherung Bund lägen bislang etwas über 6000 Anträge vor, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf einen Sprecher. Bei den regionalen Rentenversicherungsträgern seien laut Expertenschätzungen vermutlich etwa ebenso viele Anträge eingegangen.

Viele Beschäftigte prüften derzeit, ob sie mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen könnten, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, der Zeitung. Er habe "die große Sorge", dass viele Erwerbstätige früher ausscheiden könnten. Dies sei ein herber Schlag für die betroffenen Unternehmen, denen dann Fachkräfte fehlten.

Die abschlagsfreie Rente kann beantragen, wer mit 63 Jahren 45 Beitragsjahre zur gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen kann. Dabei werden auch Bezugszeiten des heutigen Arbeitslosengeldes I einbezogen. Phasen, in denen Arbeitslosenhilfe (heute Arbeitslosengeld II) bezogen wurde, gelten hingegen nicht. Die Neuregelung tritt am 1. Juli in Kraft.

Insgesamt geht die Bundesregierung davon aus, dass bei Anrechnung von freiwillig gezahlten Rentenbeiträgen auf die 45 Jahre bis zu 40.000 freiwillig Versicherte unmittelbar und in den Folgejahren jeweils bis zu etwa 20.000 freiwillig Versicherte jährlich zusätzlich die Rente ab 63 nutzen.

Nach Schätzungen der Grünen könnten sich die Zusatzkosten auf eine Milliarde Euro bis Ende 2017 belaufen. In Koalitionskreisen war bislang von 50 bis 250 Millionen Euro pro Jahr die Rede. Die Gesamtkosten für die von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) initiierte Neuregelung bezifferte die Bundesregierung bis Ende 2017 bislang auf insgesamt sieben Milliarden Euro.

nck/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 180 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
harwin 23.06.2014
1. Nicht Sorge um Fachkräfte sondern
Es ist nicht die Sorge keine Fachkräfte zu haben, sondern es ist die Sorge um den Profit. Die Fachkräfte Haben da nichts davon.Die Wirtschaft sorgt sich nicht darum warum die Leute schon mit 63 aufhören wollen. Sie zählen den Leuten auch nicht mehr Geld, oder geben andere Anreize, sie sollen aber Leistung bringen, möglichst noch Hochleistung bis ins Grab! Die bemitleiden nur ihren eigenen Geldbeutel!
lechpirat 23.06.2014
2.
Als ob eine 63jährige Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt auch nur den Hauch einer Chance hätte. Zusatzkosten eine Milliarde? Also ein winziger Bruchteil dessen, was in Form von Rettungsschirmen und Hilfspaketen bei Banken und EU im Regelbetrieb versickert.
Newspeak 23.06.2014
3. Rente mit 63
Die Wirtschaft sorgt sich schon um ihre Fachkräfte. Wann lernt die Wirtschaft in diesem Land mal Marktwirtschaft? Wenn euch die Leute davonlaufen, dann stimmen die Arbeitsbedingungen wohl nicht. Vor allem wohl auch die Bezahlung. Man kann eben den Gewinn nicht dauerhaft an Aktionäre, Vorstände, Manager und Unternehmensführer verschenken, und alle anderen außen vor lassen, und dann auch noch glauben, das sei ein dauerhaft funktionierendes System. Jemand, der gut bezahlt wird und gute Arbeitsbedingungen vorfindet, hätte gar keinen Anlaß, mit 63 in Rente zu gehen (ausgenommen gesundheitliche Gründe, die aber vielleicht auch Folge der schlechten Behandlung durch Arbeitgeber vorher im Leben sind).
DJ Doena 23.06.2014
4.
Zitat von sysopDPADie abschlagsfreie Rente mit 63 stößt offenbar auf großes Interesse. Rund 12.000 Anträge sind laut einer Schätzung bei der Rentenversicherung eingegangen. Die Wirtschaft sorgt sich schon um ihre Fachkräfte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rente-mit-63-sozialversicherungen-liegen-schon-12-000-antraege-vor-a-976785.html
Dann sollen sie verdammt noch mal den Nachwuchs ausbilden und die Alten ihr Wissen übergeben lassen. Aber in deutschen Großkonzernen heißt "Restrukturierung" ja, die Alten auszuphasen und ja niemand neues (in Deutschland) einzustellen. Denn das Industrie-Wissen, was hier ein Software-Ingenieur in den letzt 15 Jahren angesammelt hat, dass lernt ein Computer-Inder doch mal eben in 5 Wochen, oder? Und wenn ihnen die Alterspyramide dann irgendwann mal übelst auf die Seite fällt, sind diese glorreichen Manager schon lange wieder weg...
cobdet 23.06.2014
5. Wie war das noch
mit der freien Marktwirtschaft ? Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis ? Wenn das Angebot an Fachkräften denn so knapp ist, dann sollten sich die Arbeitgeber mal Gedanken darüber machen welchen höheren Preis sie denn bezahlen sollten um ihre Arbeitnehmer zu halten .
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.