Rente mit 67 Forscher erwarten Jobboom für Ältere

Passendes Argument für die Rente mit 67: Ökonomen halten eine Beschäftigungsquote Älterer von bis zu 50 Prozent langfristig für möglich. Die Bundesregierung sieht sich in ihrem Vorhaben bestärkt, den Eintritt in den Ruhestand hinauszuzögern.

Mitarbeiter beim Rüstungsunternehmen Rheinmetall: "Kraftschonende Arbeitsplätze"
dapd

Mitarbeiter beim Rüstungsunternehmen Rheinmetall: "Kraftschonende Arbeitsplätze"


Berlin - Der Boom für Ältere auf dem Arbeitmarkt kommt: Das zumindest behaupten Forscher. Er halte bei den über 60-Jährigen langfristig eine Beschäftigungsquote von bis zu 50 Prozent für möglich, sagte Martin Dietz, Arbeitsmarktexperte des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der "Financial Times Deutschland". Auch Oliver Stettes vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet einen "massiven Beschäftigungsaufbau". Bei den älteren Arbeitnehmern würden sich die Beschäftigungsquoten künftig dem Durchschnitt aller Altersgruppen annähern, sagte er.

Ausreichende Arbeitsmöglichkeiten für Ältere sind eine Voraussetzung für die beschlossene schrittweise Einführung der Rente mit 67 im Jahr 2012. Die schwarz-gelbe Bundesregierung sieht die Voraussetzung dafür erfüllt. Sie verweist auf die Verdoppelung der Beschäftigungsquote der 60- bis unter 65-Jährigen innerhalb von zehn Jahren auf zuletzt 38 Prozent. Das Kabinett wird dazu an diesem Mittwoch den ersten Bericht über die Beschäftigungssituation Älterer verabschieden.

Als Gründe für die besseren Jobchancen für Ältere nennen die Ökonomen den demografisch bedingten Mangel an jungen Fachkräften und einen Kurswechsel der Politik bei Anreizen zur Frühverrentung. Der Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Institut zur Zukunft der Arbeit, Hilmar Schneider, sagte: "Der deutliche Anstieg der Beschäftigung seit 2005 zeigt, dass die Schwierigkeiten Älterer auf dem Arbeitsmarkt weniger biologische Ursachen als vielmehr etwas mit institutionellen Fehlanreizen zu tun haben." Bis 2005 habe der Sozialstaat den Betrieben dabei geholfen, "älteren Arbeitnehmern den Kündigungsschutz abzukaufen".

Arbeitsministerin fordert Umdenken der Wirtschaft

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sieht jedoch auch die Unternehmen in der Pflicht. Sie forderte sie auf, sich stärker auf eine ältere Belegschaft einzustellen. In der Wirtschaft sei ein Umdenken nötig, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch im ZDF. Dazu gehöre auch eine bessere Gesundheitsvorsorge in den Betrieben. Es gehe um die Kernfrage, wie "interessante, motivierende und kräfteschonende Arbeitsplätze" für Ältere geschaffen werden könnten. Dabei könnte der Einsatz technischer Hilfsmittel etwa bei Arbeiten mit schwerer körperlicher Belastung einen großen Beitrag leisten.

Kritiker der Rente mit 67 argumentieren, dass eine Erhöhung des Renteneintrittsalters nicht zu verantworten sei, solange ältere Arbeitnehmer schlecht in den Arbeitsmarkt integriert sind. Die SPD hält das erst für vertretbar, wenn die Hälfte der Arbeitnehmer zwischen 60 und 64 Jahren einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht.

Von der Leyen verteidigte erneut die Rente mit 67. Sie wies auch den Vorwurf von Sozialverbänden und Gewerkschaften zurück, die spätere Rente sei ein Rentenkürzungsprogramm. Wenn man in Betracht ziehe, dass angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung die Bezugsdauer der Renten immer länger werde, laufe dieser Vorwurf selbst unter Berücksichtigung etwaiger Abschläge bei einem früheren Renteneintritt ins Leere.

yes/dpa/Reuters

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insgesamt 77 Beiträge
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Frank Wagner, 17.11.2010
1. Ja
Geaun, und das wo in der realen Welt die Beschäftingungsquote der Älteren immer weiter sinkt. Propaganda , mehr ist das nicht.
Juergen Wolfgang, 17.11.2010
2. wsd
Zitat von sysopPassendes Argument für die Rente mit 67: Ökonomen halten eine Beschäftigungsquote Älterer von bis zu 50 Prozent langfristig für möglich. Die Bundesregierung sieht sich in ihrem Vorhaben bestärkt, den Eintritt in den Ruhestand hinauszuzögern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729558,00.html
kann man herausfinden welche Summe die Regierung an diese Ökonomen bezahlt hat damit Diese solch einen Stuss veröffentlichen? Ich bin kein Ökonom und behaupte das Gegenteil.... denn mehr als nur ins dunkle stochern ist solch ein dummes Geschreibe nicht. Die Regierung braucht aber solche von Steuergeldern finanzierten Aussagen dubioser Ökonomen um dem Volk aufzuzeigen: Sehet her, wir haben Recht.
helmers 17.11.2010
3. Keine Ahnung vom Arbeitsleben von 60 bis 67
Die Familie Albrecht kostet uns Deutschen Milliarden an Steuergeldern und schafft neue Armut bei Rentnern. Vater EX-MP Niedersachsens Albrecht steht für die politische Auswahl von Gorleben und die Atomlobby. Seine Tochter Ursula von der Leyen steht für Rentenkürzung, null Ahnung vom Arbeitsleben. von 60 bis 67 Jahren. Es wird Zeit für die Abwahl, das politische Mandat wurde hier missbraucht.
Rainer Stahl, 17.11.2010
4. Wieder eine Märchenstunde von Trulla Ulla
Zitat von sysopPassendes Argument für die Rente mit 67: Ökonomen halten eine Beschäftigungsquote Älterer von bis zu 50 Prozent langfristig für möglich. Die Bundesregierung sieht sich in ihrem Vorhaben bestärkt, den Eintritt in den Ruhestand hinauszuzögern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729558,00.html
Zur Zeit ist nur soviel sicher, dass 76 % der über 60-jährigen keinen Job haben. Es müsste einmal geklärt werden, ob die Gute selber glaubt was sie sagt, oder das Volk für dumm hält.
camou 17.11.2010
5. forscher erwarten . . . . .
der richtige titel hätte doch wohl geheissen " die gefälligskeitsschreiber der ..... Oliver Stettes vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vermutlich hatte noch einer an dieser PR- aktion mit gestrickt, der unsinnige herr Sinn.
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