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Rentenreform: Briten sollen bis 70 arbeiten

Von , London

Britische Rentnerin: Die Jungen müssen länger arbeiten Zur Großansicht
REUTERS

Britische Rentnerin: Die Jungen müssen länger arbeiten

Die Große Koalition in Deutschland weicht die Rente mit 67 auf, die britische Regierung dagegen kündigt den Ruhestand mit 70 an. Vorbild ist Schweden: Dort wird der Rentenbeginn längst an die Lebenserwartung gekoppelt.

Dass die Europäer länger arbeiten müssen, ist im Grunde eine Binsenweisheit: Mit steigender Lebenserwartung verlängert sich nun einmal entweder die Zeit der Erwerbstätigkeit - oder die Rentenbeiträge steigen beziehungsweise die Renten sinken. Doch scheuen sich Politiker aus Angst vor den Wählern oft, diese Wahrheit auszusprechen.

Die britische Regierung ist nun vorgeprescht und hat erstmals die Rente mit 70 angekündigt. Die Briten sollen künftig nicht mehr als ein Drittel ihres Erwachsenenlebens im Ruhestand verbringen, sagte der Schatzkanzler George Osborne am Donnerstag in seiner halbjährlichen Haushaltsrede im Unterhaus. Nach diesem Prinzip werde man das künftige Renteneintrittsalter bestimmen.

Das Vorbild ist Schweden, wo das Renteneintrittsalter schon länger an das durchschnittliche Lebensalter gekoppelt ist. Laut Osborne folgt daraus, dass die Briten ab 2060 erst mit 70 in Rente gehen könnten. Die Prognose basiert auf der Annahme, dass der bisherige demografische Trend anhält. Auch die bislang für 2046 geplante Rente mit 68 will die Regierung vorziehen - auf 2035. Am restlichen Zeitplan rüttelte Osborne jedoch nicht: Bis 2020 soll das Renteneintrittsalter auf 66 steigen, bis 2028 dann auf 67.

Die Ankündigung der liberalkonservativen Regierung von Premier David Cameron steht in starkem Kontrast zu den jüngsten Koalitionsvereinbarungen in Deutschland. 2007 hatte Merkels erste Große Koalition beschlossen, ab 2029 die Rente mit 67 einzuführen. Dies wird nun auf Wunsch der SPD wieder teilweise zurückgenommen. Für alle, die 45 Jahre lang gearbeitet haben, soll die Rente mit 63 gelten. Der Plan von Schwarz-Rot sorgt für Kopfschütteln in Unternehmerkreisen. "Die Botschaft lautet: Kommando zurück", kommentierte Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, diese Woche in der "Zeit".

In Großbritannien erntete Osborne gemischte Reaktionen. Die Anhebung des Rentenalters sei richtig und überfällig, twitterte Gerald Lyons, Wirtschaftsberater des Londoner Bürgermeisters. Im Gegensatz zum Kontinent stelle sich das Königreich der Herausforderung.

Von den Gewerkschaften hingegen kam scharfe Kritik. Die Hälfte der britischen Männer sei schon jetzt nicht in der Lage, über das derzeitige Rentenalter hinaus zu arbeiten, sagte die Generalsekretärin des Gewerkschaftsbundes TUC, Frances O'Grady. Die Anhebung sei "Teil eines langfristigen Angriffs auf den Wohlfahrtsstaat".

Die Labour-nahe Boulevardzeitung "Daily Mirror" prognostizierte, Osbornes Plan werde "Wut in ganz Großbritannien" auslösen, besonders bei Arbeitern, die nicht so lange lebten wie Menschen an "komfortablen Arbeitsplätzen".

Doch klingt Osbornes Vorstoß radikaler als er tatsächlich ist. Bis 2060 werden noch viele Regierungen kommen und gehen - und viele Rentenreformen beschließen.

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1.
tommit 05.12.2013
Zitat von sysopREUTERSDie Große Koalition in Deutschland weicht die Rente mit 67 auf, die britische Regierung dagegen kündigt den Ruhestand mit 70 an. Vorbild ist Schweden: Dort wird der Rentenbeginn längst an die Lebenserwartung gekoppelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rente-mit-70-britischer-finanzminister-osborne-kuendigt-reform-an-a-937386.html
Na ist ja wunderbar, was habe ich denn für eine Lebenserwrtung wenn ich chronisch krank bin? Kann die Koalition mir das bitte mal vorrechnen! Die des Durchschnitts ist wohl ein Hohn oder? Damit ginge ich dann vor den europäischen Gerichtshof.. also nur zu!
2.
suedseefrachter 05.12.2013
Bis 50/60 habe ich wohl meine 2. Eigentumswohnung und beziehe durch die Mieten meine karge Rente. Warum ich nun bis 65-70 arbeiten sollte sehe ich nicht ein, mein Großvater wurde gerade mal 75. Für 5-10 lächerliche Jahre kann ich meine Vorsorge auch selber zusammensparen, dafür brauche ich keinen Staat.
3. Rente mit 70? Richtig so.
sabine_26 05.12.2013
Die Rente gehört gekoppelt an die Lebenserwartung. Jeder der früher in Rente tut dies zu Lasten der nachfolgenden, arbeitenden und jungen Generation. Einen Scheck auszustellen der zu Lasten der Jugend geht ist einfach in Deutschland, schließlich sind die Wähler der CDU und SPD zum großen Teil Rentner.
4. warum...
imlattig 05.12.2013
muss man bis 70 als arbeiter in die rentenversicherung einbezahlen, wenn msn als solche berufsgruppe nur eine lebenserwartung von 72 hat. das alles bedingt durch schichtarbeit, akkord, gefaehrliche arbeitsbedingungen usw? doch nur aus einem grund, dass die witwe vom betriebsleiter mit ihrer rente noch mit 90 in saus und braus leben kann.
5. naja, wenn man so
Luna-lucia 05.12.2013
drei ~ vier ~ fünf Stunden täglich, langsam vor sich hin werkelt, dann hält man sowas auch noch mit 70 aus. Wenn man aber, wie bei uns üblich KRÄFTIG hinlangen muss, auch mal 10 ~ 12 Stunden am Tag, dann sieht das schon ein wenig anders aus. Lol, dass man dann bei uns mit 63 fertig sein darf! Un wir möchten mal den Dachdecker, Mauerer, Kanalarbeiter, Berufskraftfahrer, Landschaftsgärtner ... sehen, der mit ~ 70 noch früh morgens mit "links" aus dem Bett springt.
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