Erwerbstätige Senioren 1,4 Millionen Rentner arbeiten im Alter

Immer mehr Senioren arbeiten nach SPIEGEL-Informationen weiter - obwohl sie die Regelaltersgrenze erreicht haben. Manche wollen, viele müssen.

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Rund 1,42 Millionen Rentner gingen im Jahr 2016 in Deutschland einer Beschäftigung nach. Im Jahr 2000 hatte ihre Zahl noch bei 539.000 gelegen. Diese Daten gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Das Papier liegt dem SPIEGEL vor.

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Heft 13/2018
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Demnach ergaben Stichproben des Statistischen Bundesamtes, dass 47,5 Prozent der erwerbstätigen Rentner in einem Minijob arbeiten. Als Selbstständige waren 24,8 Prozent der arbeitenden Rentner tätig.

Gründe für die Erwerbstätigkeit nennt die Auswertung nicht. Andere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass ein großer Teil der Senioren mit seiner Beschäftigung die gesetzliche Rente aufbessern will - vor allem Frauen, die weitaus häufiger als männliche Rentner in einem Minijob arbeiten. Andere Betroffene arbeiten freiwillig weiter - aus Freude an ihrer Tätigkeit. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Erstaunlich ist, dass die sogenannte Teilrente nur wenig genutzt wird, wie eine Sonderauswertung der Rentenstatistik zeigt. Im Jahr 2016 wählten lediglich 2677 Personen diese Möglichkeit, schon vor Erreichen der Regelaltersgrenze einen Teil der Rente zu beziehen und gleichzeitig in Teilzeit zu arbeiten. Die Regelung soll einen gleitenden Übergang in den Ruhestand ermöglichen.

"Der Wechsel vom Erwerbsleben in den Ruhestand ist keineswegs so geregelt, dass alle Beschäftigten zurechtkommen", sagt Grünen-Rentenexperte Markus Kurth. "Hier muss der Gesetzgeber unbedingt noch einmal tätig werden."

Im Jahr 2017 hatte die Bundesregierung erste Maßnahmen eingeführt, um den Renteneintritt flexibler zu machen und mehr Möglichkeiten zu schaffen, auch über die Regelaltersgrenze hinaus zu arbeiten.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
haarer.15 23.03.2018
1. Rente aufbessern
Wie gesagt: Manche wollen - aber viele m ü s s e n. Im Alter sollte man eigentlich von den Früchten seiner langjährigen Arbeit anständig leben können. Dem ist in den allermeisten Fällen nicht so. Unter Schwarz-Rot wird sich auch nichts ändern. Da fehlt der politische Wille. In Österreich ist die gesetzliche Rente viel besser und gerechter geregelt. Wir sind hier leider zu rückständig und auch zu behäbig und reformunwillig, um hier Abhilfe zu schaffen.
muskat51 23.03.2018
2. einer von denen bin ich....
Rentner, männlich, Minijob in einem Hospizverein im Umfeld der Caritas. Ich brauche das Geld nicht und arbeite VIEL mehr, als dem Vertrag entspricht. Dem Verein habe ich versprochen, sofort und ohne Umstände aufzuhören, wenn er jemanden findet, der/die diese Arbeit macht und das Geld ernstlich braucht. Aber der Verein findet niemanden. Und ich - deshalb schreibe ich diesen Kommentar - genieße es, nach einigen Jahren Dauerfreizeit wenigstens einige Stunden pro Woche einen Beruf auszuüben. Und wenn es noch so abgedroschen klingt, es hält jung.
fredotorpedo 23.03.2018
3. Es muss nicht alles bis ins Kleinste
vom Staat geregelt werden. Es ist Zeit, dass jeder schon in der Schule begreift, dass Rente ein Teil des Alterseinkommens ist. Wem das reicht, der sitzt zuhause oder im Park und genießt sein Leben. Wem das nucht reicht, der über immt ein Ehrenamt und arbeitet unentgeltlich oder macht einen richtigen Job und bekommt Gehalt zusätzlich zur Rente. Und manche haben im Laufe ihres Lebens schon was zurück gelegt verwenden einen Teil ihrer Rentnerzeit mit dem Betreuen ihrer Anlage, seien es Aktien oder Immobilien. Der Staat soll dafür sorgen, dass jeder, der sein Leben lang gearbeitet hat, eine Rente erhält, von der er leben kann, ohne in die Armutsgrenze zu fallen. Den Rest sollte man jedem selbst überlassen
Meckerameise 23.03.2018
4.
Bei der damaligen Einführung des Rentensystems war es zumindest noch nicht das Ziel, dass die Person auschließlich von dem Geld leben kann. Das war damals schon eine Unterstützung der jeweliligen Familie. Auch wenn 65,67 ein stattliches Alter ist, wenn man bedenkt, dass immer mehr menschen auf die 80, 90 oder sogar 100 zugehen, sind das bis zu 30 Jahre, die der Staat bzw. die Bevölkerung tragen muss. Ich frage mich: kann es nicht irgendwie seniorengerechte Arbeit geben? Gerade Einsamkeit und das Gefühl, abgehängt zu sein kommt bei Rentnern häufiger vor. Wenn man diese irgendwie adäquat in der Gesellschaft hält, würde man ihnen doch irgendwie mehr Respekt zollen, als wenn man ihnen einen mittlerweile lächerlich kleinen Betrag in die Hand drückt und quasi sagt: so, das bleibt so, bis wir dich verbuddeln und halt dich bitte so weit wie möglich aus der Welt raus.
max-mustermann 23.03.2018
5.
Zitat von fredotorpedovom Staat geregelt werden. Es ist Zeit, dass jeder schon in der Schule begreift, dass Rente ein Teil des Alterseinkommens ist. Wem das reicht, der sitzt zuhause oder im Park und genießt sein Leben. Wem das nucht reicht, der über immt ein Ehrenamt und arbeitet unentgeltlich oder macht einen richtigen Job und bekommt Gehalt zusätzlich zur Rente. Und manche haben im Laufe ihres Lebens schon was zurück gelegt verwenden einen Teil ihrer Rentnerzeit mit dem Betreuen ihrer Anlage, seien es Aktien oder Immobilien. Der Staat soll dafür sorgen, dass jeder, der sein Leben lang gearbeitet hat, eine Rente erhält, von der er leben kann, ohne in die Armutsgrenze zu fallen. Den Rest sollte man jedem selbst überlassen
Da bin ich ganz bei ihnen nur sind wir dank Agenda2010 Niedriglohnsektor, Minijobs und Absenkung der gesetzlichen Rente zugunsten der Versicherungswirtschaft davon weiter entfernt denn je.
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