Minus im Osten und Westen: Deutsche Rentner verlieren drastisch an Kaufkraft

Trotz teils gestiegener Bezüge können deutsche Rentner sich weniger leisten. Sie haben innerhalb von zwölf Jahren rund ein Fünftel ihrer Kaufkraft eingebüßt. Laut Bundesregierung verlief die Entwicklung im Osten dramatischer als in Westdeutschland.

Senioren in Dresden: Höhere Bezüge, aber weniger Kaufkraft Zur Großansicht
DPA

Senioren in Dresden: Höhere Bezüge, aber weniger Kaufkraft

Berlin - Das Rentenniveau in Deutschland soll bis 2030 auf 43 Prozent der durchschnittlichen Nettobezüge sinken. Wohlfahrtsverbände beklagen die steigende Gefahr von Altersarmut. Zahlen der Bundesregierung zeigen, dass Rentner in Deutschland sich in den vergangenen Jahren immer weniger leisten konnten. Denn sie haben seit dem Jahr 2000 rund ein Fünftel ihrer Kaufkraft verloren.

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervorgeht, sank die Kaufkraft der Rentner im Osten um knapp 22 Prozent, im Westen um rund 17 Prozent. Die "Thüringer Allgemeine" zitierte am Samstag aus dem Papier.

Demnach lagen die durchschnittlichen Rentenzahlbeträge nach Abzug aller Sozialbeiträge in den alten Bundesländern zuletzt bei 1062 Euro und in den neuen Ländern bei 1047 Euro. Damit stiegen die Auszahlbeträge in den alten Ländern seit dem Jahr 2000 absolut um 17 Euro, während sie im Osten um 23 Euro sanken. Gleichzeitig stieg im selben Zeitraum der Verbraucherpreisindex aber um etwa 20 Prozent an. Dies erklärt den großen Kaufkraftverlust von 17 beziehungsweise 22 Prozent.

Linken-Parteichef Bernd Riexinger kritisierte angesichts dieser Entwicklung die Bundesregierung. Die "Abwärtsspirale bei den Renten" müsse gestoppt werden, sagte er. "Vor allem im Osten droht eine Lawine der Altersarmut." Die Renteneinheit müsse schrittweise bis 2017 kommen, forderte Riexinger.

Union und FDP streiten darüber, ob und wie der Staat arme Ruheständler unterstützen sollte. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) plant eine Zuschussrente aus Steuer- und Beitragsgeldern. Junge Abgeordnete aus Union und FDP wollen dagegen die private Vorsorge von Geringverdienern fördern.

Die Regierung will den Beitrag für die Rentenversicherung zum Jahreswechsel absenken. Geplant ist eine Reduzierung von 19,6 auf etwa 19,0 Prozent. Damit sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber um jeweils rund 2,7 Milliarden Euro entlastet werden.

mmq/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 341 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Inflation
leerzeichen 13.10.2012
Zitat von sysopTrotz teils gestiegener Bezüge können deutsche Rentner sich weniger leisten. Sie haben innerhalb von zwölf Jahren rund ein Fünftel ihrer Kaufkraft eingebüßt.
Wie beschrieben, liegt ddas vor allem an den etwa 20% gestiegenen Preisen. An diesem Beispiel kann man gut sehen, dass "ein bisschen Inflation" via EZB-Politik sehr wohl drastische Auswirkungen hat, anders, als es Gesundbeter des Gelddruckens glauben machen wollen.
2.
TheBlind 13.10.2012
Das Problem ist dann auch folgendes: Offiziell mit 67 und mit 43 % in Rente. Nur es gibt verdammt wenige Job wo man noch mit 67 arbeiten kann. Im Büro und ähnliche Tätigkeiten, kein Problem grundsätzlich, aber was ist mit den Leuten die z.B. auf den Dächern rumkraxeln oder die Gerüstbauer, die Leute auf dem Bau, die Fernfahrer, die Schichtler in der Industrie etc.pp. Die müssen wohl noch Geld mitbringen wenn sie dann in Frührente gehen müssen (wegen körperliche Probleme). Und Schichtler bis 67 arbeiten zu lassen heißt, die bis zu ihrem durchschnittlichen Lebenserwartung durcharbeiten zu lassen. (Schichtler haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von ca. minus 15 Jahre gegenüber Büroangestellte - gab mal dazu einen Bericht des Spiegels dazu) Ganz knusper sind unsere ReGIERung ja nicht. Was solls, wir haben ja dieses ..... ja gewählt. Cu.
3.
h.j.unsoeld 13.10.2012
Zitat von sysopTrotz teils gestiegener Bezüge können deutsche Rentner sich weniger leisten. Sie haben innerhalb von zwölf Jahren rund ein Fünftel ihrer Kaufkraft eingebüßt. Laut Bundesregierung verlief die Entwicklung im Osten dramatischer als in Westdeutschland. Renten: Kaufkraft der Rentner stark gesunken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/renten-kaufkraft-der-rentner-stark-gesunken-a-861088.html)
Es wird immer deutlicher, dass von einer wirklichen Versicherung keine Rede ist. Aber dir Rentner sind insofern auch selber Schuld, weil sie sich alles gefallen lassen. Sie könnten sich eine bessere eigene Interessenvertretung schaffen. Übrigens driften bei ihnen auch Reich und Arm immer weiter auseinander. In diesem Punkt wird hier genauso wenig unternommen wie in der Gesamtgesellschaft.
4. Nicht nur Rentner
farang 13.10.2012
Zitat von sysopTrotz teils gestiegener Bezüge können deutsche Rentner sich weniger leisten. Sie haben innerhalb von zwölf Jahren rund ein Fünftel ihrer Kaufkraft eingebüßt. Laut Bundesregierung verlief die Entwicklung im Osten dramatischer als in Westdeutschland. Renten: Kaufkraft der Rentner stark gesunken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/renten-kaufkraft-der-rentner-stark-gesunken-a-861088.html)
Generell verlieren die Deutschen jedes Jahr mehr an Kaufkraft. Vor allem im Osten, wo viele Menschen ohne Tarifverträge und ohne Mindestlohn zu Hungerlöhnen arbeiten. Und Gehaltserhöhungen finden doch kaum statt.
5. Kaufkraftverlust
feder2424 13.10.2012
Die Politiker vernachlässigen die selbstbezogene Kaufkraftverluste nicht durch regelmäßige Diätenerhöhungen. Die sich selbst schützende ( z. B. durch Spareinzahlungen) Rentner werden belohnt durch Steuerbelastungen wie die Senkung von Freibeträgen. Die Zinserträge werden /wurden direkt bis zu 30% versteuert. Es lebe die private Rentenabsicherung.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Deutsches Rentensystem
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 341 Kommentare
  • Zur Startseite
Die Berechnung der Rentensteigerung
Lohn der Arbeitnehmer
Das Prinzip der dynamischen Rente besagt, dass die Rentner vom steigenden Wohlstand der Arbeitnehmer proftieren sollen. Deshalb steigen die Bezüge der älteren Generation grundsätzlich um den gleichen Prozentsatz, mit dem sich auch der Durchschnittslohn je Arbeitnehmer im Vorjahr erhöht. Vereinfacht gesagt: Verdient ein durchschnittlicher Arbeitnehmer dank Lohnererhöhungen zwei Prozent mehr, erhöht sich auch die Rente entsprechend. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren zwei Faktoren eingeführt, die den Rentenanstieg bremsen.
Riester-Faktor
Der Riester-Faktor wurde 2001 eingeführt. Der Abzug von der sich rechnerisch ergebenden Rentenerhöhung soll den erhöhten Aufwendungen der Arbeitnehmer für die private Altersvorsorge (Riester-Rente) Rechnung tragen. Der Sonderfaktor hat den Rentenanstieg in den vergangenen Jahren um 0,5 bis 0,6 Prozent jährlich gedämpft. Allerdings wurde er für die Jahre 2008 und 2009 ausgesetzt. Das damals fällige Minus soll allerdings 2012 und 2013 nachgeholt werden.
Nachhaltigkeitsfaktor
Der Nachhaltigkeitsfaktor wurde im Rahmen der Rentenreform des Jahres 2004 eingeführt. Er soll sicherstellen, dass die Renten dann weniger stark steigen, wenn die Zahl der Beitragszahler sinkt. Weil es künftig immer mehr Rentner und immer weniger Arbeitnehmer geben wird, führt er mit großer Wahrscheinlichkeit in den kommenden Jahren regelmäßig zu geringeren Rentensteigerungen. Auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit dämpft der Sonderfaktor das Plus bei den Renten.
Rentengarantie
Die Rentengarantie wurde 2009 beschlossen. Sie soll sicherstellen, dass die Altersbezüge auch dann nicht niedriger ausfallen, wenn die Lohnsumme sinkt. Allerdings soll die ausgefallene Rentenkürzung in besseren Zeiten nachgeholt werden. Dann steigen die Altersbezüge nur halb so viel wie rechnerisch möglich.

Alles zur Rente ab 67
So steigt das Rentenalter
Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.
Das sind die Ausnahmen
Wer schon 45 Jahre Rentenbeiträge bezahlt hat, kann auch künftig mit 65 in Rente gehen, ohne Abzüge akzeptieren zu müssen. Dabei zählt auch die Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses bei den Beitragszeiten mit. Allerdings schaffen es nur wenige Arbeitnehmer tatsächlich auf 45 Beitragsjahre - bei den Männern waren es zuletzt 28 Prozent, bei Frauen sogar nur vier Prozent.
So viele Abschläge zahlen Sie
Wer 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig mit 63 in Rente gehen können, muss aber Abschläge dafür in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor der Regelzeit aufhört.
Das ändert sich bei der Witwenrente
Hinterbliebene Ehepartner bekommen künftig statt ab 45 erst ab 47 die große Witwenrente (55 Prozent der normalen Versichertenrente). Bis dahin muss man sich mit der kleinen Witwenrente von 25 Prozent zufriedengeben.
So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag
Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll durch die Reform bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Das ist eine schwierige Aufgabe: Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird der Altersdurchschnitt der Bevölkerung im Jahr 2050 von 42 auf 50 Jahre steigen.
Das ändert sich für Schwerbehinderte
Für Schwerbehinderte wird das Renteneintrittsalter stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Mit finanziellen Abschlägen ist aber auch der Renteneintritt mit 62 möglich.
Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten
Wer aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten kann, muss sich auf maximal 10,8 Prozent Abschlag einstellen. Er kann als Erwerbsgeminderter zudem mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen. Diese Regelung gilt bis 2023, danach sind 40 Beitragsjahre erforderlich.