Länger arbeiten Union will Rentenalter an Lebenserwartung koppeln

Wer länger lebt, soll länger arbeiten: In den Spitzengesprächen mit der SPD wollen CDU und CSU nach SPIEGEL-Informationen vorschlagen, das Rentenalter künftig an die Lebenserwartung zu koppeln. Und die steigt. Von Jahr zu Jahr.

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Es ist eine Debatte, die den nächsten Bundestagswahlkampf mitbestimmen wird: Wie hoch soll das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rentenkasse künftig ausfallen - und welche Reformen kann die amtierende Bundesregierung noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg bringen? Die nächste Woche könnte Klarheit bringen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 45/2016
Drehbuch einer Tragödie

Am Dienstag beraten die Spitzen der Großen Koalition im Kanzleramt über die Rente, auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, SPD, und Wolfgang Schäuble, CDU, sind dabei. Die Runde könnte den Rahmen setzen für ein großes Reformkonzept, das Nahles Ende des Monats vorlegen will.

Kurz vor den Gesprächen zeigt sich, dass die Union einen Vorstoß für längere Lebensarbeitszeiten plant. Sie will der SPD in der Koalitionsrunde am Dienstag vorschlagen, das Renteneintrittsalter künftig an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Diesen Vorschlag trug Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei einer Vorbesprechung der Unionsspitze vor.

Auch der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer äußerte dafür grundsätzlich Sympathie. Denkbar ist etwa, dass sich die Altersgrenze mit jedem gewonnenen Jahr Lebenserwartung automatisch um ein halbes Jahr erhöht. Derzeit liegt die Altersgrenze bei 65 Jahren und fünf Monaten, bis 2029 wird sie auf 67 Jahre steigen. Nach geltender Rechtslage endet der Anstiegsmechanismus danach.

Die Union setzt nun auf einen ökonomischen Nebeneffekt: Steigt die Lebensarbeitszeit weiter, würde im Gegenzug das Sicherungsniveau weniger stark sinken als bisher erwartet.

Dieses gesetzliche Rentenniveau ist der zentrale Streitpunkt zwischen Union und SPD. Derzeit liegt es vor Steuern bei 48 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns. In Zukunft soll es weiter sinken. Bislang sieht das Gesetz lediglich vor, dass es bis 2020 nicht unter 46 Prozent und bis 2030 nicht unter 43 Prozent abrutschen darf. Für die Zeit danach gibt es bislang keine Regelung.

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insgesamt 602 Beiträge
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Seite 1
Gläbbisch 05.11.2016
1. So so...
Die Union will das Rentenalter also an die Lebenserwartung koppeln. Wer kann mir denn meine `persönliche Lebenserwartung voraussagen? Und müssen Frauen dann demnächst 8 Jahre länger arbeiten als Männer?
Jarek M 05.11.2016
2. Ich frage mich ob es Daten zu...
... der Entwicklung der Lebenserwartung aufgesplittet nach Berufsgruppen gibt. Bauarbeiter vs. Beamte im mittleren Dienst z.B. Man kann schon jetzt absehen, dass die Malocher diese Vorschläge entweder mit Arbeitsplatzverlust (zu alt), dem vorzeitigen Tot oder happigen Abschlägen bezahlen müssen. Ist den Damen und Herren herzlich egal.
christa.hans 05.11.2016
3. Personen gebunden?
Geplantes Alter 83 Jahre, wer dann älter wird erhält keine Rente mehr oder wie? Warum werden nicht einfach die Beitragsjahre zur Grundlage genommen? Das Alter ab wann man Rente bekommt sagen überhaupt nichts aus ob und wie viel man in die Rentenkasse eingezahlt hat. Nach 28 Semester sich neu orientieren und dann noch 28 Semester drauf legen oder mit 16 als Hilfsarbeiter auf dem Bau arbeiten ist für die Rentenkasse wohl ein Unterschied.
ulrich_loose 05.11.2016
4. Das hat aber lange gedauert
den Bürgern endlich reinen Wein einzuschenken. Es war und ist eben völlig egal wie lange man "einbezahlt" hat, einzig entscheidend ist, wie lange man statistisch kassieren wird. Vermutlich werden aber die SPD und sonstige Linke weiterhin auf 45 Jahre sind genug und Lebensleistung setzen und den Bürgern weiterhin die Unwahrheit sagen.
gumbofroehn 05.11.2016
5. Ach, wer hätte das gedacht?
Wenn das Renteneintrittsalter steigt, sinkt (ceteris paribus) das Leistungsniveau weniger stark. Na, das ist ja mal eine Erkenntnis ... Wobei wohl 8 Monate pro gewonnenem Jahr das System besser stabilisieren würde (weil sich dann das Zeitverhältnis zwischen Dauer der Berufstätigkeit und des Ruhestands über längere Zeit kaum verschieben würde). Aber selbst für die sechs Monate, die Seehofer vorschlägt, wird es hier im Forum wohl kräftig Haue geben.
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