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Rettungsfonds EFSF: Deutschland haftet im Extremfall mit 400 Milliarden Euro

Für Deutschland könnte der Euro-Rettungsfonds deutlich teurer werden als gedacht: Im Extremfall müsste die Bundesrepublik nach Berechnungen der Deutschen Bank mit bis zu 400 Milliarden Euro einspringen, berichtet die "FAZ". Der ursprünglich angesetzte Garantierahmen würde sich somit verdoppeln.

Deutsche Bank: Das Institut berechnete, was ein zusätzliches Zinsrisiko ausmachen kann Zur Großansicht
dapd

Deutsche Bank: Das Institut berechnete, was ein zusätzliches Zinsrisiko ausmachen kann

Frankfurt am Main/Berlin - Der europäische Rettungsfonds EFSF könnte die Bundesrepublik im Ernstfall teuer zu stehen kommen: Das deutsche Haftungsrisiko für den erweiterten Hilfsfonds liegt laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bei 400 Milliarden Euro - es wäre damit knapp doppelt so hoch wie offiziell verbreitet. Die Zeitung beruft sich auf Berechnungen der Deutschen Bank.

Grund für die hohe Zahl seien die Zinsen, die der Hilfsfonds zahlen muss, wenn er sich zur Finanzierung seiner Hilfsmaßnahmen Geld am Kapitalmarkt beschafft.

Bisher wurden zum EFSF-Garantierahmen stets andere Zahlen genannt. Insgesamt soll er auf 780 Milliarden Euro aufgestockt werden. Davon soll Deutschland Bürgschaften in Höhe von 211 Milliarden Euro schultern, einschließlich eines Risikopuffers könnten es bis zu 253 Milliarden Euro sein.

Dass die "FAZ" nun - unter Berufung auf die Deutsche Bank - wesentlich höhere Zahlen nennt, hört man im Bundesfinanzministerium nicht gerne: Der Berechnung lägen "sehr hypothetische Grundannahmen" und ein "unrealistisches Extremszenario" zugrunde, hieß es dort am Freitag.

Mit dieser Einschätzung liegt das Ministerium vermutlich nicht ganz falsch. Laut Nachrichtenagentur dpa würde der errechnete Extremfall nur dann eintreten, wenn ein Land die maximale Summe von EFSF-Hilfskrediten (das wären 440 Milliarden Euro) auf einen Schlag bekäme - und es dennoch am darauffolgenden Tag zahlungsunfähig würde.

Nicht von der Hand zu weisen ist indes die Annahme von "FAZ" und Deutscher Bank, dass der EFSF für die Gelder, die er am Kapitalmarkt aufnimmt, Zinsen zahlen muss. Insofern kann man tatsächlich davon ausgehen, dass im Falle eines Falles höhere Zahlungen auf Deutschland zukommen, als bisher öffentlich kommuniziert wurde.

Politisch ist die Ausgestaltung des EFSF nach wie vor umstritten. Bei der Abstimmung im Bundestag muss Kanzlerin Angela Merkel (CDU) um ihre Kanzlermehrheit von 19 Stimmen bangen, weil mehrere Abgeordnete von Union und FDP Bedenken gegen den Euro-Rettungsschirm haben. Daneben sorgt auch der Nachfolgemechanismus des EFSF, der permanente Rettungsschirm ESM, in der schwarz-gelben Koalition für Ärger. So wurde am Freitag bekannt, dass die Abstimmung im Bundestag dazu später stattfinden soll als geplant.

Der permanente Rettungsschirm ESM soll den bisherigen EFSF 2013 ablösen. Die Beratungen zum ESM werden im Bundestag voraussichtlich im November beginnen, eine Verabschiedung soll bis spätestens Dezember erfolgen.

kra/dpa/dapd

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insgesamt 334 Beiträge
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1. Und?
alaxa 16.09.2011
Zitat von sysopFür Deutschland könnte der Euro-Rettungsfonds deutlich teurer werden als gedacht: Im Extremfall müsste die Bundesrepublik nach Berechnungen der Deutschen Bank mit bis zu 400 Milliarden Euro einspringen, berichtet die "FAZ". Der*ursprünglich angesetzte*Garantierahmen würde sich somit verdoppeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,786759,00.html
Und? Wo ist das Problem? Solange fat jeder deutsche Jugendliche 2 Handies hat, seine Eltern zuhause 3 Fernseher haben und man sich noch wöchentlich ein Wiener Scnitzel im Restaurant leisten kann, können wir auch unseren leidenden Nachbarn unter die Arme greifen. Wer hat, der möge geben! Wer nicht hat, der möge nehmen. Wer nichts zu haben vorgibt, der möge sich schämen. Wer zu haben vorgibt und in Wirklichkeit nichts mehr hat, der schäme sich auch.
2. Nur die Anzahlung
fritzyoski, 16.09.2011
Zitat von sysopFür Deutschland könnte der Euro-Rettungsfonds deutlich teurer werden als gedacht: Im Extremfall müsste die Bundesrepublik nach Berechnungen der Deutschen Bank mit bis zu 400 Milliarden Euro einspringen, berichtet die "FAZ". Der*ursprünglich angesetzte*Garantierahmen würde sich somit verdoppeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,786759,00.html
Und das ist nur fuer die kleinen Laender GR, IRL und Portugal. Wenn dann Spanien und Italien dazu kommen wird es richtig interessant. Ausserdem gerettet sind die noch lange nicht da sie ja immer weiter neue Schulden aufbauen. Also in 1 bis 2 Jahren sind dann nochmals ein paar Hundert Milliarden faellig. Gerettet wird bis D auch pleite ist, erst dann wird dieses Trauerspiel zu Ende sein.
3. Mal ganz im Ernst
nataliadirks@gmail.com, 16.09.2011
gibts da wirklich noch eine ernstzunehmende Gruppe von Bundesbürgern die das interessiert ob 211 Mrd. 400 Mrd. oder eine, zwei... Billionen verplempert werden? Das ganze ist mittlerweile sowas von Phantastisch geworden das es, zumindest mein Vorstellungsvermögen, bei weitem überschreitet. Ich denke diese Sichtweise teilen auch viele Politiker, besonders der Herr Finanzminister. Der hat nämlich ebenfalls jedes Augenmaß und jede Übersicht verloren.
4.
c++ 16.09.2011
Das ist nicht neu. Neu ist nur, dass SpOn darüber berichtet. Im Forum wurden schon früher die wirklichen Zahlen genannt
5. Wähler wählen teuer!
Palmstroem, 16.09.2011
Zitat von sysopFür Deutschland könnte der Euro-Rettungsfonds deutlich teurer werden als gedacht: Im Extremfall müsste die Bundesrepublik nach Berechnungen der Deutschen Bank mit bis zu 400 Milliarden Euro einspringen, berichtet die "FAZ". Der*ursprünglich angesetzte*Garantierahmen würde sich somit verdoppeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,786759,00.html
... sind nicht noch heute die deutschen Medien über Herrn Rösler hergefallen, weil er das verhindern will! Geht aber nicht mit 2 Prozent - also in den sauren Apfel beißen! Und nebenbei - Steinbrück hat allein für die dt.Bankenrettung 500 Milliarden ausgegeben, für den sind das nur Peanuts!
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

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