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11. Juni 2012, 12:02 Uhr

Euro-Krise

Italiens Wirtschaft bricht massiv ein

Gerade erst haben die EU-Partner Spanien Milliardenhilfe zugesagt, nun rückt auch Italien in den Fokus. Die Wirtschaft dort ist im ersten Quartal deutlich geschrumpft, das Land steckt mitten in der Rezession. "Ein Hilfsantrag Italiens könnte nur eine Frage der Zeit sein", sagt ein Ökonom.

Rom - Spanien bekommt für seine Banken bis zu 100 Milliarden Euro, doch die Euro-Krise ist damit noch längst nicht ausgestanden. Nun kommt die nächste schlechte Nachricht aus Italien: Die dortige Wirtschaft ist Anfang 2012 so stark geschrumpft wie seit drei Jahren nicht mehr.

Vor allem die Zurückhaltung der Konsumenten sorgte dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 0,8 Prozent zum Vorquartal zurückging, teilte das Statistikamt Istat mit. Schon zuvor steckte das hoch verschuldete Italien mitten in der Rezession. Die drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum schrumpft seit drei Quartalen in Folge. Nach Einschätzung der EU-Kommission droht 2012 ein Minus von rund 1,4 Prozent. Die Regierung unter Mario Monti will mit hartem Sparkurs gegensteuern und so Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgewinnen.

Der italienische Industrieminister Corrado Passera versuchte zu beruhigen: Sein Land habe bereits alles Notwendige getan, um sich aus eigener Kraft in der Euro-Krise zu retten, sagte Passera am Montag. Italien sei nicht der nächste Kandidat für den Rettungsschirm.

Manche Experten halten Italien jedoch für den nächsten Wackelkandidaten in der Schuldenkrise. Nach dem geplanten Hilfsantrag Spaniens für seine Banken dürfte nun Italien in den Fokus der Märkte rücken, erwartet die Commerzbank. "Die Konjunktur ist eingebrochen und der Reformwille der italienischen Politik ist offensichtlich bereits wieder deutlich erlahmt", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. "So könnte auch ein Hilfsantrag Italiens nur eine Frage der Zeit sein."

Das entspreche dann der Einführung von Euro-Bonds, also gemeinschaftlichen Anleihen der Euro-Partner, durch die Hintertür. Auch bei Spanien hält der Ökonom es für möglich, dass das Land komplett - also nicht nur mit seinen Banken - unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen könnte. "Es ist aus unserer Sicht zweifelhaft, ob sich auf Dauer genug Investoren für spanische Staatsanleihen finden werden", sagte Solveen.

Am Montag reagierten Anleger zunächst erleichtert auf die Milliardenhilfe für Spaniens marode Banken. In Frankfurt legte der deutsche Leitindex Dax zeitweise um 2,4 Prozent zu, bevor er sich bei einem Plus von gut zwei Prozent einpendelte. Vor allem Banktitel zogen kräftig an. So gewannen Commerzbank-Aktien 3,6 Prozent, Papiere der Deutschen Bank stiegen um 3,4 Prozent.

CDU-Wirtschaftsrat fordert Ausstiegsszenario für Griechenland

Hauptthema für die Euro-Retter ist in dieser Woche die Wahl in Griechenland. Die Partei Syriza von der extremen Linken droht, die Sparvereinbarungen mit den Geldgebern aufzukündigen. In der Folge könnte das Land die Euro-Zone verlassen. Der Wirtschaftsrat der CDU fordert nun die Bundesregierung auf, eine Strategie für einen Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion vorzubereiten.

Angesichts der weiterhin dramatischen Finanzlage Athens wäre es verantwortungslos, kein Ausstiegsszenario vorzubereiten, sagte Verbandspräsident Kurt Lauk in Berlin. "Wir müssen wissen, dass bei einem Austritt Griechenlands erst einmal ein Chaos entsteht." Es gelte Strategien zu erarbeiten, wie das Feuer der Probleme im Süden mit einer Brandmauer abgeschirmt werden könnte.

cte/Reuters

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