Rezession Italiens Wirtschaft schrumpft und schrumpft

Es ist der vierte Rückgang in Folge, und eine Trendwende ist nicht in Sicht: Italiens Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal erneut gesunken. Immerhin kann die Regierung in Rom Fortschritte beim Sparen vorweisen.

Premier Mario Monti: Italien ist eines der größten Euro-Sorgenkinder
AP

Premier Mario Monti: Italien ist eines der größten Euro-Sorgenkinder


Rom - In Italien häufen sich in dieser Woche die Negativnachrichten: Am Montag stufte die Rating-Agentur Standard & Poor's 15 Banken des Landes herab, am Dienstag veröffentlichten die Statistiker ihre Daten zum Wirtschaftswachstum und zur Industrieproduktion - und auch die sind alles andere als gut. So schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Juni bereits das vierte Quartal in Folge, wie Istat mitteilte.

Der Rückgang fiel mit 0,7 Prozent überraschend heftig aus. In den ersten drei Monaten des Jahres hatte das Minus in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone bei 0,8 Prozent gelegen. Im Jahresvergleich fiel die italienische Wirtschaftsleistung um 2,5 Prozent zurück.

Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört Italien zu den am langsamsten wachsenden Ländern Europas. Der Internationale Währungsfonds sagt dem Land für 2012 einen Konjunktureinbruch um knapp zwei Prozent voraus. Der Industrieverband Confindustria befürchtet sogar ein Minus von 2,4 Prozent.

Anlass für den Pessimismus dürfte auch die weiter zurückgehende Produktion sein. Im Monatsvergleich sank sie nach Angaben der Statistiker bereinigt um 1,4 Prozent. Im Vormonat hatte es noch einen kleinen Hoffnungsschimmer gegeben, als die Produktion um revidiert 1,0 Prozent zulegte. Auch im Jahresvergleich verstärkte sich der Rückgang.

Unterhaus billigt Sparmaßnahmen

Italien ist eines der größten Sorgenkinder in der Euro-Zone. Der Schuldenberg des Landes entspricht 123 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nur in Griechenland ist er noch höher. Der Staat muss deshalb Zinsen von etwa sechs Prozent für zehnjährige Anleihen bezahlen. Auch italienische Firmen müssen für Kredite ähnlich hohe Zinsen zahlen. Sie halten sich deshalb bei Investitionen zurück.

Beim Sparen macht das Land nun immerhin Fortschritte. Die Regierung in Rom gewann eine Vertrauensabstimmung im Parlament über zusätzliche Einsparungen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro. 403 Abgeordnete sprachen sich im Abgeordnetenhaus für die Maßnahmen aus, die beim Abbau des Defizits helfen sollen, 86 stimmten dagegen. Abschließend soll über die Vorlage am Nachmittag befunden werden.

Die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti hatte die Vertrauensfrage gestellt, um die Sparmaßnahmen noch vor der Sommerpause durch das Parlament bringen zu können.

Tausende falsche Invalide und Arme in Italien

Neben dem Sparen hat Monti den Kampf gegen Steuerhinterziehung und Betrug zu einem Hauptanliegen auf dem Weg zu einer wirtschaftlichen Sanierung des Landes gemacht. Auch da gibt es Fortschritte: So hat die italienische Finanzpolizei in diesem Jahr bereits mehr als 3400 angeblich Erwerbsunfähige und Arme aufgespürt, die widerrechtlich Renten oder soziale Unterstützung kassierten. Wie die Finanzpolizei GDF in Rom mitteilte, wurde der Staat damit um mehr als 60 Millionen Euro geschädigt.

Die Kontrolleure zeigten auch mehr als 400 Italiener an, die im Ausland lebten und zugleich als "Arme" unberechtigt soziale Unterstützung erhielten - sie müssen neun Millionen Euro zurückzahlen.

yes/Reuters/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gluehweintrinker 07.08.2012
1. Ein Segen für Mutter Erde
Griechenland schrumpft. Spanien schrumpft. Italien schrumpft. Wir auch bald. Mutter Erde wird's freuen, denn es verringert den Druck auf die Ökosysteme. Jetzt dauert es nicht mehr lang, dann fällt der Rohölpreis wieder auf 50 USD / barrel, das "kurbelt" dann die Wirtschaft an, und los geht's zum nächsten Strohfeuer. Alternativ könnte man mal darüber nachdenken, ob vielleicht statt des Mengenwachstums ein qualitatives Wachstum sinnvoll wäre. Oder glaubt tatsächlich jemand, dass der Trend langfristig zur Dritt-Waschmaschine ginge?
heldenmut 07.08.2012
2. Jetzt heißt es
den Gürtel enger schnallen und mehr arbeiten. Jedes Land kehre vor der eigenen Tür! Von wegen 4. Reich und böse Unterstellungen Richtung Deutschland. Italien hilf Dir selbst, dann hilft Euch Gott. Ora et labora!
MütterchenMüh 07.08.2012
3. suppi
Zitat von sysopAPEs ist der vierte Rückgang in Folge, und eine Trendwende ist nicht in Sicht: Italiens Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal erneut gesunken. Immerhin kann die Regierung in Rom Fortschritte beim Sparen vorweisen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,848673,00.html
Das sind doch mal Good-News! Qualifiziertes Wachstum ist "in"!
01099 07.08.2012
4. Und?
Woher soll denn jetzt auch plötzlich eine stärkere Wirtschaftsleistung kommen? In Italien gibt es meines Wissens nach kein Erdöl und mit dem Export von Öl aus Oliven wird man kaum reich werden, um Schulden zu bezahlen. Wohin stetiges Sparen führt, sehen wir ja in Deutschland. Auf der obersten Ebene sieht natürlich alles super aus, weil die Exporte steigen und die Menschen wie blöde Geld in das Binnenangebot stecken. Das aber auf den nächsten Ebenen das Land in prekären Verhältnissen steckt, wird kaum erwähnt. Die Löhne steigen seit Jahren nicht, der Niedriglohnsektor wächst und wächst, die Renten- und Pflegefrage ist völlig ungeklärt, die Kinderarmut ist besorgniserregend, die Integration von ausländischen Mitbürgern funktioniert nicht, das Bildungssystem liegt brach und die Kommunen sind mehr als pleite. Wir haben keineswegs das Recht, uns als Vorbild aufzuspielen bzw. von anderen als dieses bezeichnet zu werden. Die deutsche Politik spielt mit der Zukunft der Menschen hier, denn sie schließt quasi ganze Generationen jetzt und in Zukunft vom angeblichen Wohlstand aus. Woher soll denn in 20 Jahren das Geld für die Rente derer kommen, die aus verschiedenen Gründen keine oder nur sehr geringe Beiträge zahlen konnten? Da wird auch nicht Frau vdL's Aufstockermodell helfen. Die Last werden die Kinder von Heute und Morgen tragen müssen und fraglich bleibt, ob das bei abnehmenden Natalitätszahlen überhaupt funktionieren kann oder ob sich diese Generation das noch gefallen lassen wird. Auch unser Status als "Exportweltmeister" und "Wirtschaftsstandort" kann ganz schnell zusammenbrechen. Die Grundlagen dafür sind mit der Einführung der BA-Studiengänge längst gefestigt. Zudem wächst die Zahl der weltweiten Konkurrenten und Deutschland sieht sich immer noch als Insel in der Welt, die von Entwicklungen ringsum nicht betroffen ist. Vorsicht! "Deutschland geht es gut", wie es Frau Merkel statuiert hat, wird nicht mehr lange gelten. Italien muss seinen eigenen Weg finden. Einen, der zur Mentalität der Menschen passt und einen, der kreativ mit den Herausforderungen umgeht, anstatt alte Fehler erneut zu begehen. "Wachstum" alleine wird das Land nicht erblühen lassen. Island könnte ein Vorbild sein, aber nicht Deutschland.
epeko 07.08.2012
5. Enteignet Berlusconi!
Er hat die Euros "mit dem Schaufelbagger aus dem Fenster geworfen!"( EP.-Präsident Schulz).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.