Minus im dritten Quartal: Euro-Zone rutscht in die Rezession

Jetzt befindet sich die Euro-Zone offiziell in der Rezession: Die Wirtschaftsleistung in den 17 Mitgliedstaaten schrumpfte im dritten Quartal um 0,1 Prozent und lag damit zum zweiten Mal in Folge im Minus. Vor allem in den südeuropäischen Krisenländern geht die Talfahrt weiter.

Wirtschaftskrise in Griechenland: Euro-Zone im Sinkflug Zur Großansicht
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Wirtschaftskrise in Griechenland: Euro-Zone im Sinkflug

Luxemburg/Brüssel - Die Wirtschaft des Euro-Raums ist im dritten Quartal in die Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt der 17 Mitgliedstaaten sank zwischen Juli und September um 0,1 Prozent im Vergleich zum Frühjahr, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Zuvor war die Wirtschaftsleistung im zweiten Vierteljahr um 0,2 Prozent zurückgegangen.

Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Fachleute von einer Rezession. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 0,6 Prozent. Auch dies war der zweite Rückgang in Folge.

Allerdings ist die Konjunktur in der Euro-Zone bereits seit vier Quartalen nicht mehr gewachsen. Schon im vierten Quartal 2011 war die Wirtschaft im Währungsraum um 0,3 Prozent geschrumpft, im ersten Quartal dieses Jahres stagnierte sie immerhin - hätte sie damals auch nur ein leichtes Minus verzeichnen müssen, befände sich die Euro-Zone schon zwei Quartale länger in der Rezession. Dieser Punkt ist offiziell erst jetzt erreicht.

Dabei wuchs die Konjunktur in den beiden größten Volkswirtschaften des Währungsraums sogar noch: Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich legte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu. Insbesondere Frankreich überraschte damit positiv, Bankvolkswirte hatten im besten Falle mit einer Stagnation gerechnet.

In den von der Schuldenkrise besonders betroffenen Ländern setzt sich die Talfahrt hingegen ungebremst fort. In Spanien betrug das Minus im dritten Vierteljahr 0,3 Prozent, in Portugal 0,8 Prozent. Italiens Wirtschaftsleistung sank um 0,2 Prozent. Auch in Griechenland schrumpfte die Wirtschaft, zu diesem Land legte Eurostat am Donnerstag jedoch nur den Vergleich zum Vorjahreszeitraum vor - ein Minus von 7,2 Prozent.

Double-Dip ist Realität geworden

Doch auch wirtschaftsstarke Euro-Länder stecken im Abwärtsstrudel: In den Niederlanden brach das Bruttoinlandsprodukt wegen einer Immobilienkrise und schrumpfender Exporte um 1,1 Prozent ein, in Österreich sank das BIP um 0,1 Prozent.

In der Euro-Zone ist damit der sogenannte Double-Dip Realität geworden: Der erneute Absturz in eine Rezession, nachdem der Währungsraum bereits nach Beginn der weltweiten Bankenkrise 2008 in einen fünf Quartale andauernden Abschwung rutschte. Die EU-Kommission rechnet für das Gesamtjahr mit einem Rückgang von 0,4 Prozent in der Euro-Zone, und auch die Aussichten für das kommende Jahr sind nicht sehr ermutigend: Zwar soll das Wachstum wieder im Plus liegen, mit 0,1 Prozent allerdings auf äußerst bescheidenem Niveau.

Einige Ökonomen halten selbst diese Aussichten für zu optimistisch. "Das vierte Quartal sieht deutlich schwächer aus, es wird wohl ein noch stärkeres Schrumpfen der Wirtschaftskraft geben", sagte der Euro-Raum-Chefvolkswirt der Citigroup, Jürgen Michels. "Für 2013 gehen wir von einer anhaltenden Rezession aus." Michels rechnet dann mit einem Minus von rund 0,7 Prozent.

Paul de Grauwe von der London School of Economics sieht die Schuld für die Misere auch in einer falschen Strategie bei der Bekämpfung der Euro-Krise. "Dieser Rückfall in die Rezession ist hausgemacht", sagte er. "Das ist das Ergebnis übertriebener Sparmaßnahmen in den südlichen Ländern und dem Unwillen der nördlichen Ländern, etwas anderes zu tun."

Der Preisauftrieb im gemeinsamen Währungsraum hat sich im Oktober leicht abgeschwächt. Die jährliche Inflationsrate fiel auf 2,5 Prozent, im Vormonat hatte sie noch 2,6 Prozent betragen. Dennoch liegt die Teuerung in der Euro-Zone immer noch spürbar über dem mittelfristigen Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent. Dieses Inflationsziel hat die Notenbank bereits seit fast zwei Jahren nicht mehr erreicht.

fdi/Reuters/dpa/dapd

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insgesamt 108 Beiträge
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1.
medusalem 15.11.2012
oh als ich heute morgen aufgestanden bin habe ich aber nichts gemerkt...
2. Die Eurozone hat die Wettbewerbsfähigkeit an Asien verloren
FreeEurope 15.11.2012
Die gemeinsame währung erzwang eine Teurung der Arbeitskosten in Griechenland, Spanien und anderswo. Ökonomen nennen diesen Effekt Faktorpreisangleichung. Die Menschen hatten mehr Kaufkraft, aber sie kauften dort ein wo es billiger war: in Asien! Dadurch sind viele Industrien nach Asien abgewandert. Europa muss eine Antwort auf dieses Problem finden. Nur Rettungsmilliarden zu schicken hilft nicht!
3. Logisch!
klaubi 15.11.2012
Wenn man den Bürgern mit geringen Einkommen, die ihr Geld gleich ausgeben müüsen, die Einnahmen kürzt, kann es doch nicht anders sein. Aber dafür lasst sie ja die, die ihr Geld irgendwo auf der Welt verstecken, in Ruhe. Was für eine Politik? Da weiß doch jeder Laie, wo das hinführt!
4. Zone
kdshp 15.11.2012
Zitat von sysopJetzt befindet sich die Euro-Zone offiziell in der Rezession: Die Wirtschaftsleistung in den 17 Mitgliedstaaten schrumpfte im dritten Quartal um 0,1 Prozent und lag damit zum zweiten Mal in Folge im Minus. Vor allem in den südeuropäischen Krisenländern geht die Talfahrt weiter. Rezession: Wirtschaft in der Euro-Zone sinkt im dritten Quartal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rezession-wirtschaft-in-der-euro-zone-sinkt-im-dritten-quartal-a-867400.html)
Na endlich wurde ja auch zeit sonst explodiert der laden noch. Jetzt werden viele die viel geld haben viel davon verlieren UND das muss auch sos ein weile es zuviel geld gibt bzw. vermehrt werden muss via zinsen.
5. Glückwunsch CDU FDP DPF Grüne
spon-facebook-10000051328 15.11.2012
Danke Angela, Danke Schäuble, Merci Sarcosi, Gracias Zappatero, Gracie Berlusconi, Dankschö Seehofer, Dange Kretschmann ;) Thank You Wieder die Vernunft mit Vollgas rückwärts an die Wand gefahren.
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