Rezessionsfurcht Europas Unternehmer schlittern ins Stimmungstief

Europa bangt um den Aufschwung: Unternehmer der Euro-Zone schätzen ihre Lage deutlich pessimistischer ein als im Vormonat, der entsprechende Index ist um fast fünf Punkte gesunken. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hält sogar eine Rezession für möglich.

Hochofen in einem Stahlwerk: Unternehmer pessimistischer
DPA

Hochofen in einem Stahlwerk: Unternehmer pessimistischer


Brüssel - Die Stimmung von Unternehmern in der Euro-Zone hat sich im August deutlich verschlechtert. Das europaweite Barometer fiel von 103 auf 98,3 Punkte, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Analysten hatten lediglich einen Rückgang auf 100,5 Punkte erwartet.

Die Stimmung in der Industrie ist damit so schlecht wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Auch Dienstleister und Verbraucher sehen ihre Lage düsterer als im Monat zuvor. Der Economic Sentiment Index (ESI) setzt sich aus insgesamt fünf Indikatoren zusammen: Außer der Industrie, die mit 40 Prozent gewichtet wird, dem Dienstleistungssektor (30 Prozent) und dem Verbrauchervertrauen (20 Prozent) gehen das Vertrauen der Bauwirtschaft und des Einzelhandels mit je fünf Prozent ein.

Die befragten Manager zeigten sich laut der Umfrage unter anderem besorgt über die Exportaussichten. Besonders stark hat sich die Stimmung in Deutschland verschlechtert. Der Gesamtindikator sank laut Kommission um 5,7 Punkte. Dennoch bleibe einzig der deutsche Wert mit 107 Punkten über dem europäischen Durchschnitt.

Der starke Rückgang des ESI spricht nach Ansicht der Analysten von der Postbank für eine spürbare Abkühlung der Konjunktur. Der Stimmungseinbruch ziehe sich durch fast alle Wirtschaftsbereiche, heißt es in einem Kommentar vom Dienstag. Allerdings geht die Postbank auch davon aus, dass "der Einbruch der letzten Wochen überzeichnet ist". Daher dürfte er sich "nicht eins-zu-eins in der realen Wirtschaft niederschlagen".

"Die Risiken sind erheblich"

Deutlich pessimistischer ist die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P). Deren Experten halten sogar eine Rezession in Europa für möglich, also zwei Quartale in Folge, in denen die Wirtschaftsleistung schrumpft. "Die Abwärtsrisiken sind erheblich", sagte S&P-Chefvolkswirt Jean-Michel Six am Dienstag. "Wir werden in den kommenden Monaten besonders die Entwicklung der Konsumnachfrage genau verfolgen."

Die hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern und die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten könne die Kauflaune der Verbraucher dämpfen. Das Bruttoinlandsprodukt in den Euro-Ländern war von April bis Juni nur noch um 0,2 Prozent gewachsen, nachdem es zu Jahresbeginn noch 0,8 Prozent waren.

S&P senkte deshalb seine Wachstumsprognose für die Währungsunion in diesem Jahr von 1,9 auf 1,7 Prozent. Doch auch die Rating-Agentur sieht bei aller Skepsis Anlass zu Hoffnung - ein Rückfall könne vermieden werden, wenn die kräftige Nachfrage aus den Schwellenländern anhält, sagte Six.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Euro-Krise


cte/Reuters/dpa



insgesamt 32 Beiträge
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micha-mille 30.08.2011
1. Hühnerhaufen
Tut mir leid, Ihr Experten. Ich kann das alles nicht mehr nachvollziehen. Mal wird gesagt es geht uns gut (war das auch wirklich so?) und dann geht es uns schlecht von heute auf morgen. Das soll ein normaler Mensch noch nachvollziehen können? Seitdem sich die Finanzwelt von der realen Wirtschaft entkoppelt hat, spielt die Psyche der Anleger wohl noch eine wichtigere Rolle als vorher. Das kommt mir vor wie ein verschreckter Hühnerhaufen, der völlig unkontrolliert durch die Gegend rennt. Völlig bekloppt. Sorry.
mitwisser, 30.08.2011
2. ja ja
Die bekloppten Unternehmer kennen eh nur Sorgen. Jammern ist seit Ewigkeiten der Gruß der Kaufleute. Die sind gierig. Und wenn es mal nicht so läuft, gibt es Subventionen. Die bekloppte Börse verhält sich ähnlich. Nächste Ziele bei 4000 Punkten - und alle wundern sich ;-)
aspi01 30.08.2011
3. Die Lage ist besser als die Stimmung
Der Economic Sentiment Index (ESI) mißt nur die Stimmung, nicht die Lage. Die Stimmung wird sehr stark durch Nachrichten beeinflusst und ist geprägt von der "Furcht", was da wohl kommt. Die Lage dagegen wird bestimmt durch Auftragslage und Auftragseingang. Auftragslage und Auftragseingang sind in den meisten Unternehmen nach wie vor gut. Hauptrisiko ist, dass Verbraucher und Unternehmen aus Furcht vor den "schlechten Nachrichten" restriktiv werden und vorsichtshalber ihren Konsum einschränken, Lagerbeständer herunterfahren oder Investitionen verschieben, wodurch dann tatsächlich die Lage beeinflußt wird. Man sollte die Journalisten mit Glückshormonen füttern, dann würden sie vielleicht aufhören, immer alles schlechter zu schreiben als es ist ("Geht die Welt Bankrott?"...), womöglich gäbe es dann keine angstinduzierte Wirtschaftskrisen mehr...
Clawog 30.08.2011
4. Stimmung
Solche "guten" Nachrichten über den Zustand der Wirtschaft und der Banken hört man bereits seit mehreren Jahren. Wir wissen auch langsam, wer daran Schuld ist. Die geizigen Banker, Manager, Bernanke und Bush.
kuddel37 30.08.2011
5. .
Zitat von sysopEuropa bangt um den Aufschwung: Unternehmer der Euro-Zone schätzen ihre Lage deutlich pessimistischer ein als im Vormonat, der entsprechende Index ist um fast fünf Punkte gesunken. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hält sogar eine Rezession für möglich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,783311,00.html
Dann wird es Zeit das die Regierung sich verstärkt um die Interessen der deutschen Unternehmen kümmert. Scheiss was auf den Rest von Europa. ;)
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