Private Altersvorsorge Jeder fünfte Riester-Vertrag ruht

Jeder fünfte der rund 16 Millionen Riester-Verträge liegt einem Bericht zufolge auf Eis - es gehen also keine Zahlungen mehr ein. "Die Riester-Rente hat allen Schwung verloren", heißt es von den Grünen.

Eine Seniorin hält Münzen in den Händen
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Eine Seniorin hält Münzen in den Händen


Für jeden fünften Riester-Vertrag zur staatlich geförderten privaten Altersvorsorge gehen keine Zahlungen mehr ein. Das berichtet die "Rheinische Post" und beruft sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung an die Grünen. Demnach sind von den rund 16 Millionen Verträgen insgesamt 3,3 Millionen ruhend gestellt. Von den noch aktiven Riester-Sparern zahlten wiederum knapp 20 Prozent so wenig ein, dass sie ihren Zulage-Anspruch nur zu weniger als 50 Prozent ausnutzen könnten.

"Die Riester-Rente hat allen Schwung verloren: Die Vertragszahlen stagnieren, und ein großer Teil der Verträge wird entweder überhaupt nicht oder völlig unzureichend bespart", sagte der rentenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Markus Kurth.

Er kritisierte auch, dass Menschen mit geringen Einkommen von den Steuerersparnissen durch Riester deutlich weniger profitierten als Menschen mit hohen Einkommen. "Menschen mit geringen Einkünften und ohne Kinder bleibt nur die viel zu klein dimensionierte Grundzulage", sagte Kurth. Bei der Riester-Rente gelte: "Wer hat, dem wird gegeben."

Mehr zum Thema von Kolumnist Hermann-Josef Tenhagen:

Im Video: Reicht die Rente zum Leben?

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aar/dpa

insgesamt 102 Beiträge
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mina2010 15.03.2018
1. Gibt es überhaupt noch eine Altersversorgung, die etwa taugt?
Wenn überhaupt, dann bei Politikern und Beamten. Der sogenannte Generationsvertrag ist leider eine Sackgasse, die Konditionen werden ständig zum Nachteil der Versicherten verändert. Irgenwann habe ich mal gehört, dass zu Vertragsänderungen immer zwei gehören. Das Wenige, was hinten überig bleibt, darf man dann auch noch versteuern. Dank des Bundesverfassungsgrerichts wäre eine Nichtbesteuerung von Renten ja unfair gegenüber den Beamten. Bedauerlicherweise wurde dabei übersehen, dass Beamte keinen Arbeitnehmeranteil zur Altersvorsorge leisten müssen, was eigentlich einem geldwerten Vorteil entspricht, der nach Versteuerung schreit. Dass allein die Möglichkeit besteht, trotz jahrzehnte langer Arbeit micht mal auf Hartz-IV-Niveau zu kommen, wofür andere ein Leben lang nichts tun mussten, ist schon fast eine Frechhait. Die ganzen netten anderen Versicherungen beruhen auf der Verzinsung der Beiträge, davon müssen die Unternehmen gerade mal eine Verzinsung von 1% garantieren (vom Gesetzgeber vorgegeben), der Rest darf mal eben für die Verwaltungskosten draufgehen. Freudlicherweise wird dann auch noch so gerechnet: Die Versicherung (selbst erlebt) berichtet jährlich von den für den Versicherten erwirtschafteten Zinserträgen von rund 4%. Leider musste ich mal eine Versicherung vorzeitig auflösen. Die Zinserträge unterlagen vollständig der Kapitalertragssteuer, obwohl ich dreiviertel dieser erwirtschafteten Zinsen nie gesehen habe. Was man uns vorne scheinheilig gibt, wird hinten einfach wieder abkassiert. Beamte und versicherungen haben eine Lobby, der normale Arbeitnehmer leider nicht. Nur noch Wahl- und Zahlvieh! Das war hier mal ein Sozialstaat.
wally76 15.03.2018
2. Superrendite mit Kindern
Mit zwei Kindern bekommt man 754 Euro Zulage auf eine Einzahlung von 2100. demnächst noch 21(?) Euro mehr Zulage. Da kann man die Fondsentwicklung einfach vernachlässigen. Wo sonst gibt es 35% risikofrei? Klar, ich nehme das einfach als nette Geste des Staates mit, weil ich die Möglichkeit habe und nicht für die Designfehler an dem Produkt verantwortlich bin. Die Kritik an Riester ist unter sozialen Gesichtspunkten absolut berechtigt.
Harald Schmitt 15.03.2018
3. Was haben die erwartet
Die einzigen die von Riester Profitieren sind die Anbieter. Selbst wenn man den online abschliesst ohne Beratung zahlt man jedes Jahr Provision wofür? Für Verwaltung und diese Provision geht fast die gesamte Zulage drauf also gibts dafür nicht mal Zinsen. OhneZulagen wäre es ein Minusgeschäft und auch sonst lohnt es sich nicht. Dann muss man auch noch +ber hundert Jahre alt werden um das eingezahlte Geld jemals wieder raus zu bekommen. Dann wird es auch am Ende noch versteuert, also alles in allem ist es ein Minusgeschäft für den Kunden nur der Anbieter kassiert kräftig. Mindestens 6% geht für Gebühren und Abschlusskosten drauf, bei der normalen gesetzlkichen Renten sind es 2% Verwaltungskosten! Man hätte stattdessen die gesetzliche Rente stärken sollen und nicht für jeden Wahlkampf aus der gesetzlichen Rente Geld für kleine Personengruppen nehmen sollen um Millardengeschenke zu machen. Wie vielen nutzt den die Rente mit 63 Jahren und was kostet sie dafür allen! Wie bezahlten auch Millarden für Frühverrentungsprogramme und jetzt haben wir den FAchkräftemangel!
rstof 15.03.2018
4. Die Altersvorsorge einschließlich der Riesterrente ist tot
nur begriffen haben es bisher die wenigsten. Zum ersten geht den meisten wärend der langen Laufzeit das Geld aus. Zum zweiten lohnt sich durch die Niedrigzinspolitk kein Vertrag mehr, da ist das Geld unterm Kopfkissen besser angelegt. Zum dritten sind die nachgelagert zu zahlenden Steuer- und Krankenkassenbeträge (letztere wurden zum Teil auch noch im nachhinein beschlossen) das K.O. für jede auch sich auch nur annähernd lohnende Altersvorsorge. Riester wird von den horrenden Gebühren der Versicherer geschröpft, das ist bei den Versicherungsnehmer jetzt auch angekommen. Die anderen Versicherungen für die Altersvorsorge ist ausgelegt auf Verzicht für die Zukunft, aus immer kleiner werdendem Spielraum, bis das sie dann eingestellt wird. Da hilft auch das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz nicht. Nur durch einfachere Handhabung und ein wenig mehr Förderung, lohnen sich die Altersvorsorgen wegen der vielen die daran verdienen nicht mehr. Sollte dennoch etwas übrigbleiben holt es sich die Steuer oder die Krankenversicherung.
dasfred 15.03.2018
5. Versagen auf ganzer Linie
Dieses ganze Riester Konstrukt hätte nie eingeführt werden dürfen. Wenige haben sich damit eine goldene Nase verdient. Den Rentnern ginge es besser, wenn die staatlichen Zuschüsse gleich in die gesetzliche Rentenversicherung geflossen wären. Das ganze war von Anfang an nur gedacht, um einer kleinen Gruppe von Versicherungen Zugang zum Milliardentopf der Rentenversicherung zu verschaffen. Risiken wie die nun jahrelange Niedrigzinsphase wurden von den damaligen Amateuren an der Regierung fahrlässig ausgeblendet. Menschen, die ihr Berufsleben vorzeitig beenden mussten, sind heute in der Mehrzahl auf Grundsicherung angewiesen und die Riester Rente wird im Alter noch davon abgezogen.
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