Vorsorge-Flopp Jede fünfte Riesterrente ruht

Sie sollte die Lücken bei der gesetzlichen Rentenversicherung stopfen - doch der Riesterrente laufen die Einzahler in Scharen davon. Millionen Sparer zahlen gar nichts mehr ein.

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Die Riesterrente sollte eigentlich zu erwartende Verluste bei der gesetzlichen Altersvorsorge abfedern, doch viele Deutsche haben kein Vertrauen mehr in diese Form der privaten Rentenversicherung. Jeder fünfte der rund 16,5 Millionen bestehenden Riesterverträge ist ruhend gestellt, die Sparer zahlen also keine weiteren Beträge mehr ein.

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Das Finanzministerium beruft sich dabei auf die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Das Verhältnis der privaten zur gesetzlichen Altersvorsorge könnte in dieser Woche in Berlin eine zentrale Rolle spielen. Erwartet wird, dass die SPD ihr Rentenkonzept für den Wahlkampf vorstellt.

Zur Zahl vollständig stornierter Verträge könnten keine Angaben gemacht werden, so die Regierung. Linken-Politikerin Zimmermann nutzte die Antwort der Bundesregierung, um die Riesterrente als gescheitert zu bezeichnen. Lediglich knapp die Hälfte der Förderberechtigten habe überhaupt einen Riestervertrag abgeschlossen. "Viele, die einen Vertrag haben, können irgendwann die Beiträge nicht mehr aufbringen", so Zimmermann. Grund sei unter anderem, dass gerade Geringverdiener jeden Euro für das tägliche Überleben bräuchten.

Auch ein anderes Instrument zur privaten Altersvorsorge ist unter Druck: die klassische Lebensversicherung sterbe sukzessive aus, so Allianz-Deutschland-Chef Manfred Knof. Der Versicherer biete solche Produkte zwar noch an, "aber der Kunde kauft sie so gut wie nicht mehr", sagte Knof der "Rheinischen Post". In der privaten Altersvorsorge sei der Anteil der klassischen Rentenversicherung auf unter zehn Prozent gesunken, in der betrieblichen Altersvorsorge auf unter 25 Prozent.

Die im Bundestag verabschiedete Reform der Betriebsrente ist aus Sicht von Knof dringend notwendig. "Was die Deutschen derzeit im Schnitt für die Altersvorsorge sparen, reicht nicht aus, um im Alter gut davon leben zu können", sagte der Versicherungschef. Rentner bräuchten "idealerweise 60 bis 80 Prozent" ihres vorigen Nettoeinkommens. Derzeit verfügten die Bundesbürger aber nur über 35 bis 40 Prozent.

Der Bundestag hatte am Donnerstag eine Stärkung der Betriebsrenten beschlossen, die diese Form der Altersvorsorge für Geringverdiener attraktiver machen und vermehrt in kleinen Betrieben ermöglichen soll. Dazu sollen Arbeitgeber von der bisherigen Haftung für Betriebsrenten entbunden werden. Bei Geringverdienern soll es staatliche Zuschüsse für die Beiträge geben.

beb/dpa/afp



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