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Risiken im Finanzsektor: Portugals Notenbank schlägt Alarm

Portugals oberste Geldmanager befeuern die Sorge um die Stabilität des Landes. Die Zentralbank warnt vor enormen Gefahren für den Finanzsektor. Sollte das jüngst verabschiedete Sparprogramm nicht greifen, werde das Risiko für die Banken untragbar.

Portugals Ministerpräsident Sócrates: Sparprogramm birgt Risiken Zur Großansicht
REUTERS

Portugals Ministerpräsident Sócrates: Sparprogramm birgt Risiken

Lissabon - Muss Portugal als nächstes Land unter den Euro-Rettungsschirm? Portugal ist nicht Irland, versichert die Regierung in Lissabon seit Wochen. Doch ausgerechnet die landeseigene Notenbank fällt Ministerpräsident José Sócrates jetzt in den Rücken. Sollte das Land nicht Maßnahmen angehen, die Staatsfinanzen glaubwürdig und nachhaltig zu konsolidieren, werde das Risiko für die Banken untragbar, teilte die Notenbank an diesem Dienstag in ihrem Finanzstabilitätsbericht mit.

Im Kampf gegen das Haushaltsdefizit und um die Finanzmärkte zu beruhigen, hat die sozialistische Minderheitsregierung bereits einen strikten Sparkurs eingeschlagen. Damit soll die Neuverschuldung des Staats von 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr auf 4,6 Prozent im kommenden Jahr zurückgefahren werden. Erlaubt sind im europäischen Stabilitätspakt drei Prozent.

Doch selbst der bereits eingeschlagene Sparkurs birgt den Top-Bankern zufolge große Risiken. Er werde die Wirtschaft im kommenden Jahr stark belasten. Die Banken müssten daher ihre Kapitaldecke stärken und mehr Geld für Kreditausfälle zurücklegen, rät die Notenbank. Außerdem müssten die Banken ihre große Abhängigkeit vom Finanztropf der Europäischen Zentralbank (EZB) verringern.

Tatsächlich gehen einflussreiche Experten davon aus, dass Portugal nach Irland als nächstes Land einen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm stellen muss. Zuletzt hatte sich der einstige US-Regierungsberater Nouriel Roubini sehr pessimistisch geäußert. Er rechnet mit einem baldigen Hilfsgesuch des Staats. "Ob es einem gefällt oder nicht, Portugal erreicht den kritischen Punkt. Es wäre vielleicht eine gute Idee, Hilfen als präventive Maßnahme zu beantragen", hatte der Ökonom der portugiesischen Tageszeitung "Diario Economico" am Montag gesagt.

Ernsthaftes Strukturproblem

Denn trotz der Einigung der EU-Finanzminister am Sonntagabend auf einen permanenten Rettungsmechanismus für verschuldete Euro-Staaten kehrt an den Märkten keine Ruhe ein. So zahlt Portugal für neue Kredite immer höhere Zinsen. Die Rendite für langfristige portugiesische Staatsanleihen liegt in jüngster Zeit oft über sechs Prozent.

Anders als in Irland ist Portugals Problem aber nicht in erster Linie der Bankensektor oder eine Immobilienblase: Das Land hat ein ernstes Strukturproblem. Die Wirtschaft Portugals wuchs in den vergangenen zehn Jahren kaum, die Industrie fällt im internationalen Wettbewerb ab, die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als zehn Prozent.

yes/Reuters

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insgesamt 40 Beiträge
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1. Strukturproblem???
hr_schmeiss 30.11.2010
Das liest sich ja schon komisch: "Anders als in Irland ist Portugals Problem aber nicht der Bankensektor oder eine Immobilienblase: Das Land hat ein ernstes Strukturproblem. Die Wirtschaft Portugals wuchs in den vergangenen zehn Jahren kaum..." Das Strukturproblem ist eine nicht-wachsende, also eine stabile Wirtschaft. Würde die wachsen, dann wäre alles gut. Wie man just nicht-Wachstum als Strukturproblem ansehen kann ist mir unverständlich. Der Redakteur möge nochmals nachlesen: exponentielles Wachstum in finiten Räumen. Wenn hier irgendwo ein Strukturproblem ist, dann ist es genau das goldene Kalb von Wachstum! Oder das hier ansehen: http://www.youtube.com/watch?v=F-QA2rkpBSY
2. Ich denke, das ist alles wohlkalkuliert!
Sapientia 30.11.2010
Zitat von sysopPortugals oberste*Geldmanager befeuern die Sorge um die Stabilität des Landes: Die Zentralbank warnt vor enormen*Gefahren für den Finanzsektor. Sollte das jüngst verabschiedete Sparprogramm nicht greifen, werde das Risiko für die Banken untragbar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731895,00.html
Schwache Mitgliedstaaten wittern den Braten und lassen es einfach nach Art des Landes laufen - wohlwissend, dass des das Auffangbecken der EU gibt; Teflon gibt gerne - natürlich nicht vom eigenen Konto, sondern dafür arbeiten Sie gerade - und so wird die Hemmschwelle langsam - step by step - sinken, unüberprüfbar abzustauben in die eigenen Taschen, Defizite mit erfolglosen Bankgeschäften zu erklären, und sich dann zu verabschieden - nach dem Motto: ...und tschüß, bis zur nächsten korrupten Riege. Stand in den Römischen Verträgen irgend etwas darüber, dass die EU als korrupter Selbstbedienungsladen gedacht ist, wenn ja zu welchem Zweck?
3. ... and then they were three!
reflexxion 30.11.2010
Wie lang soll der Euro-Unfug denn noch weitergehen? Am Ende sind dann alle Pleite und China lacht sich ein Loch ins Knie, genau wie Indien. Wie Olaf Henkel letzte Woche im ZDF schon sagte, es war einfach mal ein Fehler den Euro einzuführen, insbesondere ist es falsch gewesen weil die wichtigste Voraussetzung für eine Einheitswährung, nämlich ein einheitliches Wirtschafts- und nicht zuletzt Steuersystem bis heute fehlt. Wir brauchen allerdings auch keinen Nord- und Südeuro. Das wäre ja noch schlimmer, wir brauchen einfach wieder das was es vorher schon gab, die Währungsschlange mit relativ festen Kursen zu einem fiktiven Euro oder wie auch immer das Ding dann heisst. Für solche Kurse könnten dann bei Ab- oder Aufwertungen durchgeführt werden, natürlich nicht auf täglicher basis sondern eher so wie früher die Bundesbank einmal im Monat die Zinssätze angepasst hat, wenn es nötig war. Den Euro in seiner jetzigen Form verdanken wir geltungssüchtigen Politikern aller Parteien. Wenn nicht sofort sinnvoll gehandelt wird, wird er am Ende sich selbst zerschlagen und die elende EU gleich mit dazu.
4. Portugal
Lumpenhund 30.11.2010
Zitat von sysopPortugals oberste*Geldmanager befeuern die Sorge um die Stabilität des Landes: Die Zentralbank warnt vor enormen*Gefahren für den Finanzsektor. Sollte das jüngst verabschiedete Sparprogramm nicht greifen, werde das Risiko für die Banken untragbar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731895,00.html
Es wird immer deutlicher, daß die europäischen Staaten nach und nach in die Bilanzrezession getrieben werden sollen, eine Falle, der Japan nun schon seit über zwanzig Jahren zu entkommen versucht. Im Gegensatz zum japanischen Staat, der den richtigen Weg gewählt hat und bis zur hoffnungslosen Überschuldung investiert hat, tappen unsere handelnden europäischen Politiker blind in diese Falle hinein und treiben zusammen mit dem IWF ihre Mitgliederstaaten in eine unfassbare Armut. Bevor im Jahr 2013 der Kontrollmechanismus greifen kann, wird sich Europa in einem Zerfallsprozess befinden, begleitet von Flüchtlingswellen innerhalb der Europäischen Union und eventuell auch Bürgerkriegen. Es gibt Anzeichen, daß sich auch Deutschland seit etwa 7-8 Jahren in einer Bilanzrezession befindet, erkennbar an den Maßnahmen der Regierung wie: niedriges Zinsniveau (durchgedrückt auf Wunsch Deutschlands), Schuldenbremse, stagnierende Löhne und Gehälter, Übernahme der Lohnkosten durch den deutschen Staat (Stichworte: 1-Euro-Job, 400-Euro-Job, "Praktikanten"-Stellen). Die Schuldenbremse ist eher kontraproduktiv, zeigt allerdings das Wesen einer Bilanzrezession, nämlich, dass über den Versuch, die Bilanzen in Ordnung zu bringen, der Markt einbricht.
5. Passt ja
OlafW 30.11.2010
Zitat von LumpenhundEs wird immer deutlicher, daß die europäischen Staaten nach und nach in die Bilanzrezession getrieben werden sollen, eine Falle, der Japan nun schon seit über zwanzig Jahren zu entkommen versucht. Im Gegensatz zum japanischen Staat, der den richtigen Weg gewählt hat und bis zur hoffnungslosen Überschuldung investiert hat, tappen unsere handelnden europäischen Politiker blind in diese Falle hinein und treiben zusammen mit dem IWF ihre Mitgliederstaaten in eine unfassbare Armut. Bevor im Jahr 2013 der Kontrollmechanismus greifen kann, wird sich Europa in einem Zerfallsprozess befinden, begleitet von Flüchtlingswellen innerhalb der Europäischen Union und eventuell auch Bürgerkriegen. Es gibt Anzeichen, daß sich auch Deutschland seit etwa 7-8 Jahren in einer Bilanzrezession befindet, erkennbar an den Maßnahmen der Regierung wie: niedriges Zinsniveau (durchgedrückt auf Wunsch Deutschlands), Schuldenbremse, stagnierende Löhne und Gehälter, Übernahme der Lohnkosten durch den deutschen Staat (Stichworte: 1-Euro-Job, 400-Euro-Job, "Praktikanten"-Stellen). Die Schuldenbremse ist eher kontraproduktiv, zeigt allerdings das Wesen einer Bilanzrezession, nämlich, dass über den Versuch, die Bilanzen in Ordnung zu bringen, der Markt einbricht.
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Special:Search&search=Bilanzrezession
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Mini-Serie
AFP

Erst Griechenland und Irland, nun wetten die Märkte schon gegen Portugal, Spanien und Italien. In Europa wächst die Sorge, dass weitere Schuldenländer Milliardenhilfen brauchen. Aber wie groß ist das Risiko wirklich? Und wer könnte der nächste Pleitekandidat sein? Ein Überblick:


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Fotostrecke: Wo die Gefahren für den Euro liegen

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Die EU hat sich auf ein beispielloses Rettungspaket geeinigt: Ein bis zu 750 Milliarden Euro schwerer Fonds für Euro-Wackelkandidaten soll Spekulanten abschrecken und die Währung schützen - die Konditionen im Überblick.
Milliarden-Auffangnetz

Für die klammen Euroländer stellt die Gemeinschaft bei Bedarf bis zu 750 Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung.

Die ersten 60 Milliarden Euro kommen direkt von der EU-Kommission.

Sollte dieses Geld nicht ausreichen, kommen dazu die 440 Milliarden Euro schweren Hilfen einer Finanz-Zweckgesellschaft (siehe unten).

Zusätzlich steuert der Internationale Währungsfonds (IWF)mindestens 250 Milliarden Euro bei.

Finanz-Zweckgesellschaft
Die Finanz-Zweckgesellschaft ist ein für die Euroländer völlig neues Instrument, das im Namen aller 16 Euroländer Geld leihen und an finanzschwache Staaten weiterleiten kann.
Die Euroländer selbst müssen das Geld dabei nicht auf den Tisch legen, sie treten vielmehr als Garanten für das zu leihende Geld auf.
Zinssatz
Wie im Fall von Griechenland wird es auch für das 750-Milliarden-Paket einen einheitlichen Zinssatz für alle bedürftigen Länder geben. Griechenland muss für seine Kredite fünf Prozent Zinsen (für drei Jahre) zahlen.
Konsolidierung
Schuldenländer verpflichten sich, künftig noch strenger auf die Sanierung der Staatshaushalte zu achten.
Finanzmarktregulierung

Die Euroländer wollen die Finanzmärkte stärker regulieren. Dazu zählen Derivate und Rating-Agenturen, die die Kreditwürdigkeit von Schuldnern - und damit auch Staaten - bewerten.

Darüber hinaus versprechen sich die Staaten auch von der Einführung eines "Stabilitätsbeitrags" der Banken und einer weltweiten Abgabe auf Finanztransaktionen eine stärkere Beteiligung des Finanzsektors an den Kosten der Finanz- und Schuldenkrise.


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