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Risiko Umschuldung: Griechen-Krise bedroht deutsche Staatsbanken

Von , Frankfurt am Main

Die Idee klingt so einfach wie verlockend: Weil Banken mit griechischen Anleihen gezockt haben, sollen sie sich an der Rettung des Pleitelands beteiligen, verlangen viele Politiker. Eine Milchmädchenrechnung - denn betroffen wären vor allem Institute, die ganz oder teilweise dem Staat gehören.

HRE-Zentrale: Die Krisenbank gehört zu den großen Gläubigern Griechenlands Zur Großansicht
dapd

HRE-Zentrale: Die Krisenbank gehört zu den großen Gläubigern Griechenlands

Es ist mittlerweile ein natürlicher Reflex: Wenn es um die finanziellen Folgen der Finanzkrise geht, rufen Politiker nach der Beteiligung der Finanzbranche. So auch in Sachen Griechenland: Da ist mittlerweile manch ein Volksvertreter der Meinung, der Krisenstaat könne nur noch via Umschuldung gerettet werden. Das würde bedeuten: Griechenland einigt sich mit seinen Gläubigern darauf, nur einen Teil der Kredite zurückzuzahlen.

Eine Umschuldung fordert auch der CSU-Finanzexperte Hans Michelbach, der großspurig eine internationale Gläubigerkonferenz einberufen möchte. Und in diesem Zusammenhang natürlich auch erwähnt, dass die Finanzbranche bei der Rettung des hellenischen Schuldenstaats ihren Beitrag leisten müsse. Auch der nordrhein-westfälische CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers findet, es müsse genau geschaut werden, "wer die Zeche bezahlt". Er will die Banken ebenfalls für Griechenland zur Kasse bitten. Ein Wunsch, den trotz der anstehenden Landtagswahl selbst SPD-Chef Frank-Walter Steinmeier unterstützt.

Die Botschaft der Politiker ist klar: Diejenigen, die sich mit griechischen Staatsanleihen verzockt haben, sollen nun auch die Kosten tragen.

Doch dem wohlklingenden Appell liegt zumindest teilweise eine Milchmädchenrechnung zugrunde. Denn in Deutschland haben nach jetzigem Kenntnisstand ausgerechnet die Banken viele Griechenland-Papiere in ihren Büchern, die dem Staat ganz oder teilweise gehören: Die Hypo Real Estate (HRE) und die Commerzbank.

Die HRE - die mittlerweile Deutsche Pfandbriefbank heißt und mit rund 100 Milliarden Euro gestützt wird - kam zum 31.12.2009 auf ein Volumen von 7,9 Milliarden Euro an griechischen Staatsbonds. Bei der Commerzbank sind es etwa drei Milliarden. Auch einige Landesbanken sind betroffen. Bei der BayernLB etwa sprechen Finanzkreise von einem Engagement in Höhe von 300 Millionen Euro.

"Euphemistische Beschreibung eines Bankrotts"

Bankenprofessor Hans-Peter Burghof warnt deshalb: Wenn etwa die HRE oder die Commerzbank große Summen abschreiben müssen, geraten sie in neue Finanzprobleme. "Dann kommt man um eine Kapitalerhöhung nicht herum. Und da die Banken dem Staat gehören, muss der das bezahlen." Sprich: Die Verluste aus den Griechenland-Geschäften würden sozialisiert, so oder so. Bei der HRE würden, je nach Wertberichtigungsbedarf, womöglich sogar neue Hilfen in Milliardenhöhe fällig, warnt Konrad Becker, Analyst von Merck Finck. Es könnte für die Regierung "billiger sein, Griechenland direkt zu helfen."

Auch sonst ist das Risiko einer Umschuldung - die Bankenprofessor Burghof als "euphemistische Beschreibung eines Staatsbankrotts" charakterisiert - schwer zu kalkulieren. Viele deutsche Geldinstitute geben sich reichlich verschlossen, was ihr genaues Engagement in Griechenland betrifft. Bei der Landesbank Baden-Württemberg will man sich zu einzelnen Posten des Portfolios generell nicht äußern, bei der Hessischen Landesbank spricht man von einem "äußerst geringen" Betrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Und die Zahlen, die man bekommt, stimmen nicht unbedingt optimistisch. Insgesamt, so heißt es bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, schuldet Griechenland deutschen Geldinstituten rund 43 Milliarden Euro. Die Allianz erklärt, die gesamte Gruppe habe mit Stichtag 31. Dezember etwa 3,5 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen in den Büchern. Bei der Münchner Rück waren es Ende 2009 rund 2,2 Milliarden Euro.

Märkte rechnen mit Umschuldung

Wie viel von diesen Summen nun unter Umständen tatsächlich bedroht ist, weiß niemand. Die EU-Kommission ist sogar noch immer davon überzeugt, dass eine Umschuldung erst gar nicht nötig sein wird. Das Spar- und Reformprogramm, das die EU Anfang Mai vorlegen will, werde die grassierende Unsicherheit beenden, sagte der Generaldirektor für Wirtschaft und Finanzen, Marco Buti. Und er versucht zu beruhigen: "Um es sehr klar zu sagen - es wird keine Schulden-Restrukturierung als Teil des Programms geben."

Die Veröffentlichung des "sehr, sehr ernsthaften" und glaubwürdigen Programms werde an den Finanzmärkten Vertrauen schaffen und die Zinsaufschläge bei griechischen Staatsanleihen reduzieren, ist Buti überzeugt. Das Programm werde über einen Zeitraum von drei Jahren Einsparungen und tiefgreifende Strukturreformen vorsehen.

Bankenprofessor Burghof allerdings findet, eine Umschuldung wäre trotz aller Risiken "ehrlicher". Dort wo das Risiko eingegangen wurde, würde es auch abgeschrieben: in den Büchern der Banken.

Auch an den Märkten gehen die Anleger inzwischen davon aus, dass Griechenland seine Kredite nicht ganz wird zurückzahlen können. Finanzwerte sackten am Dienstag weltweit in den Keller. Zur Verunsicherung trugen noch die Aussagen deutscher Regierungspolitiker bei, die Zweifel am vereinbarten Hilfspaket aufkommen ließen. "Das ist ein sehr gefährliches Spiel, das hier gespielt wird. Eigentlich preist der Markt inzwischen schon einen Ausfall Griechenlands ein - zumindest teilweise", sagte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch. "Da spielt auch die Bundesregierung mit ihrer Taktiererei mit dem Feuer. Die Märkte warten ja nur auf das grüne Licht aus Berlin."

Deutsche Bank: Wir haben mit Griechenland nichts zu tun

Zu den stärksten Verlierern im Dax gehörte absurderweise die Deutsche Bank. Die Aktien von Deutschlands größtem Geldhaus verloren zeitweise um fast fünf Prozent an Wert - dabei hatte der Konzern am Dienstag glänzende Quartalszahlen vorgelegt. Doch die Börsianer störten sich nicht nur an einem ausgesprochen zurückhaltenden Ausblick von Finanzchef Stefan Krause - auch die Belastung durch die Übernahme von Sal. Oppenheim sorgt die Finanzexperten.

Denn durch die erstmalige Einbeziehung der Kölner Privatbank schmolz die Kernkapitalquote von Dezember bis Ende März von 12,6 auf 11,2 Prozent. Damit liege die Deutsche Bank am unteren Ende im Vergleich zu ihren Wettbewerbern, kritisierte Unicredit-Analyst Stefan Stalmann. Börsianer machen sich daher Sorgen, ob die Bank nicht doch mehr Kapital braucht.

Immerhin: In der Debatte um eine mögliche Griechenland-Pleite kann sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der sonst oft als Vorzeige-Buhmann der Bankenbranche herhalten muss, entspannt zurücklehnen. Sein Haus hat nach eigenen Aussagen mit der ganzen Sache wenig zu tun.

Natürlich sagen auch die Deutsch-Banker nicht genau, was in ihren Büchern an griechischen Anleihen steht. Aber auf Nachfrage in einem Analysten-Call konnte Finanzchef Stefan Krause zwei beruhigende Nachrichten in die Welt setzen. "Very limited", sehr begrenzt, sei das Engagement des Hauses in Griechenland. "Wir sind nicht beunruhigt."

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Forum - Europa - können Deutschlands Steuerzahler die Griechen retten?
insgesamt 8513 Beiträge
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1. Ach was!
donnerbalken 24.04.2010
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Ach was! Papalapap! Die Renten werden für einige Jahre eingefroren und Europa ist gerettet...
2. Na aber selbstverständlich
ingrid wild 24.04.2010
auf die paar Griechen kommt es auch nicht mehr an, wir retten ja schließlich schon einen erklecklichen Teil der Welt. Kommt es da vielleicht noch auf den mickrigen Rest an?
3. Nein...
Roueca 24.04.2010
...und wir wollen es auch nicht. Solange, wie gestern in den Nachrichten gezeigt wird, daß die griechische Presse unser Land so sieht: Brandenburger Tor mit Hakenkreuz drauf, solange sollen die anderen EU-Länder den Karren aus dem Dreck ziehen. Eine öffentliche Rüge für dieses Land wäre die richtige Antwort, aber nicht unsere Steuergelder
4.
Volker Gretz, 24.04.2010
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Ich glaube nicht, dass uns Deutschen die Wirtschaft noch so viel Wohlstand gelassen hat, um in Griechenland die Sozialsyteme und Kaufkraft zu erhalten. Im Gegenteil - wir bezahlen die Finanzwirtschft und die Rüstingsindustrie mit dem weiteren Abbau unserer Sozialsysteme, mit dem weiteren verscherbeln unseres Tafelsilbers, mit maroden Staraßen, sinkenden Bildungsausgaben, geschlossenen Schwimmbädern und Bücherien, ... dafür, die Griechen auf unser Niveau herabzuwürgen. Die Griechen retten, hieße dort den Wohlstand, Sicherheit und Daseisnsvorsorge mindesten beizubehalten. Und das will ja niemand mehr. Unserere Regierenden haben die Marschrichtung seit mindesten 12 Jahren in die andere Richtung vorgegeben. Nicht der Wohlstand der Menschen ist das Ziel, sondern die Gewinne der Wirtschaft.
5. Retten
echter_demokrat 24.04.2010
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Was heißt Griechenland? Wir werden die gesamte EU retten. Das war nur der erste Stein, der ins Rollen gekommen ist.
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EU-Rettungsplan für Griechenland
Die Hilfe
Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.
Das Geld
Wirtschaftsminister Brüderle beziffert den Finanzbedarf Griechenlands auf 135 Milliarden Euro für drei Jahre. Für das laufende Jahr braucht Athen 45 Milliarden Euro. Davon entfielen auf den IWF 15 Milliarden Euro, auf die Euro-Staaten 30 Milliarden Euro. Die bilateralen Kredite sollen erst nach einem einstimmigen Beschluss der 16 Euro-Länder fließen.
Die Kosten
Deutschland müsste den größten Teil der Euro-Hilfen übernehmen. Dem Vernehmen nach entfielen auf die Bundesrepublik entsprechend ihrem Kapitalanteil an der Europäischen Zentralbank (EZB) 27 Prozent der Gesamtsumme. Das wären für 2010 8,4 Milliarden Euro. Für die folgenden Jahre steht noch keine Summe, Wirtschaftsminister Brüderle stellte aber eine Gesamtsumme von 25 Milliarden Euro in den Raum. Derzeit werde geprüft, ob griechische Anleihen gekauft oder über die Staatsbank KfW mit Bundesbürgschaften abgesicherte Kredite vergeben werden. Es zeichne sich die KfW-Lösung ab.
Die Sanktionen
Um das Anhäufen von Rekordschulden künftig zu verhindern, sollen die Sanktionen verschärft werden. Eine Expertengruppe soll bis Ende des Jahres "alle Optionen ausloten, um den Rechtsrahmen zu stärken". Merkel hatte als äußerstes Mittel einen Ausschluss von Ländern aus der Euro-Zone ins Gespräch gebracht. In dem Text werden aber noch keine konkreten Sanktionen genannt.

So viele Schulden hat Griechenland bei Banken im Ausland Zur Großansicht
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So viele Schulden hat Griechenland bei Banken im Ausland

Die Konditionen im Detail
Volumen
Im Rahmen eines Dreijahresprogrammes werden alle Euro-Länder im ersten Jahr bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde zusätzliche Mittel bereitstellen und von dem gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, also weitere 15 Milliarden Euro.
Zinshöhe
Die Zinsen für Kredite der Euro-Länder liegen etwas über jenen der IWF-Darlehen, die Berechnungsweise folgt den Regeln des Fonds jedoch weitgehend. Für einen dreijährigen Kredit müsste Griechenland rund fünf Prozent Zinsen zahlen. Anleihen mit variablen Zinsen hätten als Basissatz den Dreimonats-Euribor. Für festverzinsliche längerlaufende Anleihen würde der Euribor auf die entsprechende Laufzeit hochgerechnet. Zusätzlich wird ein Aufschlag von 300 Basispunkten erhoben sowie weitere 50 Basispunkte zur Deckung von Verwaltungskosten. Kredite mit Laufzeiten über drei Jahre würden zusätzliche 100 Basispunkte kosten. Auf diese Weise soll der Zins kein Subventionselement enthalten, und die Euro-Länder würden nicht gegen das Verbot der gegenseitigen Schuldenübernahme im EU-Vertrag verstoßen.
Hilfsanfrage
Die griechische Regierung hat Ende April Hilfe von den EU-Partnern angefordert. Der Grund: Griechenland kann sich nicht mehr ausreichend am Kapitalmarkt finanzieren. Die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank haben sich für das Sicherheitsnetz ausgesprochen. Die letzte Entscheidung liegt nun bei den Finanzministern der Euro-Zone, die einstimmig die Auszahlung der Hilfe beschließen müssten.
Auflagen
Griechenland müsste bei Zuweisung der Hilfen noch strengere Auflagen erfüllen als jetzt schon mit seinem drastischen Spar- und Reformprogramm. Welche Bedingungen das wären, ist offen.


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