Schuldenkrise: Anleger zweifeln an Spanien und Italien

Beide Länder stecken tief in der Krise. Beide Länder reformieren eifrig. Und beide Länder müssen um das Vertrauen der Anleger ringen. Spanien und Italien geraten nun erneut in den Fokus der Finanzmärkte. Die Angst vor einer Eskalation der Schuldenkrise belastet auch die europäischen Börsen.

Frankfurt - Spanien und Italien kämpfen mit dem schwindenden Vertrauen der Investoren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen der beiden Länder legten am Dienstag deutlich zu. Die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen kommt mit 5,922 Prozent der bedrohlichen Marke von sechs Prozent wieder näher. Für italienische Papiere stieg die Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen auf 5,606 Prozent. Zum Vergleich: Für zehnjährige deutsche Staatsanleihen bekommen Anleger lediglich eine Rendite von 1,680 Prozent.

Seit Januar waren die Renditen in beiden Ländern gesunken und zeitweise unter die Marke von fünf Prozent gefallen. Die großzügige Liquiditätsversorgung der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Reformpolitik in beiden Ländern hatte dafür gesorgt, dass sich die Lage für die beiden Länder entspannte.

Nun hat die Verunsicherung an den Finanzmärkten wieder zugenommen: Seit Spanien das Defizitziel 2011 verfehlte und gezwungen ist, weitere Einsparungen von mehr als zehn Milliarden Euro voranzutreiben, herrscht Unruhe. "Der volle Spareffekt dürfte kaum bereits in diesem Jahr erzielt werden", schreibt die Commerzbank in einer Analyse. Ob das neue Defizitziel von 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für 2012 realistisch ist, bleibt abzuwarten.

In Italien entwickelt sich der Anleihenmarkt ähnlich negativ: Die Investoren lehnen Mario Montis aufgeweichte Arbeitsmarktreform ab. Der Regierungschef hatte die Reform des Kündigungsschutzes abgeschwächt, um sich die Zustimmung des Parlaments zu sichern. Noch sind seine Reformpläne nicht abgesegnet. Schafft er es nicht, die Pläne durchzudrücken, wird es Italien noch schwerer fallen, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen und das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

Die Angst vor einer Eskalation der Schuldenkrise belastete auch die europäischen Aktienmärkte. Der Dax Chart zeigen sackte um 2,5 Prozent auf 6606 Punkte ab und kam damit etwas glimpflicher davon als andere Indizes: So brach in Mailand der Standardwerte-Index um fünf Prozent ein, in Madrid fiel der spanische Pendant Ibex um drei Prozent ein. Der EuroStoxx 50 Chart zeigen verlor drei Prozent.

cla/dpa

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1. .
c_c 10.04.2012
die 'Anleger' sind entweder nicht sehr wissend, wenn sie Italien und Spanien in einen Topf werfen, oder sie sind opportunistisch. Wahrscheinlich beides.
2. Das Spardiktat verunsichert die Investoren
lostineu 10.04.2012
Zitat von sysopBeide Länder stecken tief in der Krise. Beide Länder reformieren eifrig. Und beide Länder müssen um das Vertrauen der Anleger ringen. Nun geraten Spanien und Italien wieder in den Sog der Schuldenkrise: Die Risikoaufschläge für Anleihen der beiden Euro-Staaten legen deutlich zu. Schuldenkrise: Anleger zweifeln an Spanien und Italien - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,826657,00.html)
Die Märkte sind es, nicht die Regierungen, die die Krise anheizen. Sie fordern wieder höhere Risikoaufschläge von Madrid, obwohl die konservative spanische Regierung dem konservativen deutschen Finanzminister aufs Wort folgt und immer neue, radikalere Sparprogramme auflegt. 10 Mrd. Euro sollen jetzt zusätzlich ausgerechnet im Bildungs- und Gesundheitswesen eingespart werden. Und wie es sich im deutschen Europa gehört, wurde dies in der FAZ angekündigt und erst danach in Spanien selbst publik gemacht. Es sind diese irrwitzigen Sparprogramme, die das Wachstum abwürgen, das Vertrauen der Investoren zerstören und die Krise anheizen. Euro-Rettung beendet, Spanien wankt - Lost in EUrope (http://lostineurope.posterous.com/euro-rettung-beendet-spanien-wankt)
3. Und täglich grüßt das Murmeltier.
FreieWelt 10.04.2012
Zitat von lostineuDie Märkte sind es, nicht die Regierungen, die die Krise anheizen. Sie fordern wieder höhere Risikoaufschläge von Madrid, obwohl die konservative spanische Regierung dem konservativen deutschen Finanzminister aufs Wort folgt und immer neue, radikalere Sparprogramme auflegt. 10 Mrd. Euro sollen jetzt zusätzlich ausgerechnet im Bildungs- und Gesundheitswesen eingespart werden. Und wie es sich im deutschen Europa gehört, wurde dies in der FAZ angekündigt und erst danach in Spanien selbst publik gemacht. Es sind diese irrwitzigen Sparprogramme, die das Wachstum abwürgen, das Vertrauen der Investoren zerstören und die Krise anheizen. Euro-Rettung beendet, Spanien wankt - Lost in EUrope (http://lostineurope.posterous.com/euro-rettung-beendet-spanien-wankt)
Was Menschen wie sie nicht verstehen ist die Tatsache, dass es so einfach nicht weitergeht. Bisherige Strategie war immer: Wir machen schön Schulden, damit die Wirtschaft schön wächst. Für dieses Ponzi-Schema kommt jetzt die Quittung. Es gibt kein Geld mehr, um Wahlgeschenke zu verteilen oder künstliches Wachstum zu erzeugen. Der Staat soll sich endlich aus dem Leben der Bürger heraushalten und um seine Kernaufgaben kümmern. Schulden machen gehört garantiert nicht dazu! Irgendwann kommt halt das Aufwachen mit Kopfweh, weitertrinken ist keine Lösung!
4.
mr-mojo-risin´ 10.04.2012
Zitat von FreieWeltWas Menschen wie sie nicht verstehen ist die Tatsache, dass es so einfach nicht weitergeht. Bisherige Strategie war immer: Wir machen schön Schulden, damit die Wirtschaft schön wächst. Für dieses Ponzi-Schema kommt jetzt die Quittung. Es gibt kein Geld mehr, um Wahlgeschenke zu verteilen oder künstliches Wachstum zu erzeugen. Der Staat soll sich endlich aus dem Leben der Bürger heraushalten und um seine Kernaufgaben kümmern. Schulden machen gehört garantiert nicht dazu! Irgendwann kommt halt das Aufwachen mit Kopfweh, weitertrinken ist keine Lösung!
Und was Menschen wie Sie nicht verstehen, ist die Tatsache, dass in diesem unserem Wirtschaftsystem jedem Guthaben eine Schuld gegenüberstehen muss. Irgendwann landet ein Großteil der Schulden beim Staat. Wenn er nicht dort wäre, wäre er bei Ihnen und bei mir und bei vielen anderen. Das Problem ist, dass ein System, welches zum Wachsen verdammt ist, nun mal nicht auf ewig funktioniert. Die Exponentialfunktion lässt grüßen. Die Umdenke muss viel tiefgreifender sein, als ihr banaler (und hinkender) Vergleich mit dem Alkoholsünder.
5.
londonium 10.04.2012
Zitat von mr-mojo-risin´Und was Menschen wie Sie nicht verstehen, ist die Tatsache, dass in diesem unserem Wirtschaftsystem jedem Guthaben eine Schuld gegenüberstehen muss. Irgendwann landet ein Großteil der Schulden beim Staat. Wenn er nicht dort wäre, wäre er bei Ihnen und bei mir und bei vielen anderen. Das Problem ist, dass ein System, welches zum Wachsen verdammt ist, nun mal nicht auf ewig funktioniert. Die Exponentialfunktion lässt grüßen. Die Umdenke muss viel tiefgreifender sein, als ihr banaler (und hinkender) Vergleich mit dem Alkoholsünder.
Was schlagen Sie denn vor, noch mehr Schulden? Das ging einige Jahrzehnte gut, aber wenn die Maerkte fuer festverzinsliche Anleihen hoehere Risikoaufschlaege verlangen ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Der Staat kann nicht wie ein Drogensuechtiger nach immer mehr Steuergeldern hecheln, auf die Dauer ruiniert uns das alle. Wir muessen uns an den Gedanken gewoehnen, dass wir bedauerlicherweise noch einige Jahre mit negativem Wachstum leben muessen. Beamtengehaelter / diverse Verguenstigungen muessen gesenkt werden. Singapur hat neulich Spitzenbeamten die Gehaelter bis 50% gekuerzt, so wird ein Schuh daraus. Natuerlich ist es mancherorts direkt lebensgefaehrlich wirklich durchgreifende Arbeitsmarktreformen durchzufuehren, sprich um wahres Talent an die Front zu lassen. Alles muss durkaemmt werden, die groessten Posten (Sozialhilfe etc.) sind die wichtigsten. Statlich Arbeitslosenunterstuetzung muss sehr deutlich unter den Mindestlohn fallen, warum sollte sich ansonsten ein Arbeitsloser aus dem Bett bewegen? Hilfe zur Selbsthilfe, statt Abhaengigkeit von Allmosen. Besser fuer alle Beteiligten.
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