Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Nobelpreisträger Shiller: "Das Potential für eine Blase ist da"

Ein Interview von , Davos

Die Währungen vieler Schwellenländer stürzen ab. Das könnte das Platzen einer neuen Blase bedeuten, sagt Robert Shiller. Im Interview spricht der Wirtschaftsnobelpreisträger auch über gemeinnützige Egoisten - und persönliche Computerprobleme.

Wechselkursanzeige in Buenos Aires: Geschichte für eine Krise? Zur Großansicht
REUTERS

Wechselkursanzeige in Buenos Aires: Geschichte für eine Krise?

Zur Person
  • World Economic Forum/swiss-image.ch
    Robert Shiller ist Träger des Wirtschaftsnobelpreises 2013 und Entwickler eines einflussreichen Immobilienpreis-Indexes. Der US-Ökonom zweifelt an der puren Rationalität von Anlegern und setzt sich für eine Reform des Finanzsystems ein.
SPIEGEL ONLINE: In den letzten Tagen mussten viele Schwellenländer einen massiven Verfall ihrer Währungen verzeichnen. Erleben wir das Platzen einer neuen Blase?

Robert Shiller: Das Potential dafür ist da. Booms und Crashs werden von Geschichten befeuert. Die Schuldenkrise war eine einleuchtende Geschichte, weil sie Werte wie Vertrauen und Vorsicht betraf. Ich warte noch ab, ob die Schwellenländer eine ähnliche Geschichte werden könnten. Bis jetzt sehe ich dort aber nur Anzeichen für einen kurzzeitigen Ausschlag.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielt der erwartete Ausstieg der USA aus ihrer lockeren Geldpolitik?

Shiller: Der wurde ja schon vor längerer Zeit angekündigt. Aber es könnte sich auch um eine verspätete Reaktion handeln.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Sie die Situation in Europa? Ist die Wirtschaft hier über den Berg?

Shiller: Nein, sie wird noch über einige Jahre langsamer wachsen.

SPIEGEL ONLINE: Muss Deutschland mehr tun, um die Wirtschaft in anderen EU-Ländern zu unterstützen?

Shiller: Ich fand es beachtlich, dass Deutschland der europäischen Idee genug verpflichtet ist, um andere Euro-Länder mit Hilfsgeldern zu unterstützen. Die Deutschen scheinen harte Arbeit und Sparsamkeit zu schätzen - da wirken Hilfsgelder für Südeuropäer etwas widersprüchlich. Angela Merkel wird in den USA sehr geachtet, weil sie mitfühlend erscheint.

SPIEGEL ONLINE: Wirklich? Die Stimmung in Südeuropa ist anders. Dort leiden die Menschen nach wie vor unter hoher Arbeitslosigkeit und harten Kürzungen. Wie überzeugend sind da die die jüngsten Erfolgsmeldungen aus Ländern wie Griechenland?

Shiller: Das ist eine wichtige Frage. Aber Sie wissen, dass niemand die Antwort kennt.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben immerhin gerade den Wirtschaftsnobelpreis bekommen.

Shiller: Ja, deshalb muss ich jetzt besonders aufpassen, was ich sage.

SPIEGEL ONLINE: Deutlich plädieren sie aber für eine Reform der Finanzmärkte. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon hat die Strafen gegen Banken hier in Davos gerade als unfair bezeichnet. Ändert sich in der Finanzbranche gar nichts?

Shiller: Doch. Spannender als diese Strafen finde ich beispielsweise, dass es in den USA seit kurzem sogenannte Benefit Corporations gibt. Das sind Unternehmen, die gewinnorientiert sind und Anteilseigner haben, sich aber zugleich zu gemeinnützigen Zielen bekennen. Das ist eine gute Gelegenheit für Finanzinvestoren, die ethisch investieren wollen.

SPIEGEL ONLINE: Aber glauben Sie wirklich, solche Modelle haben gegen die immer noch sehr mächtigen Großbanken eine Chance?

Shiller: Ich glaube schon. Die Idee dieser Unternehmen ist noch jung und ziemlich unbekannt, aber fast 20 Bundesstaaten haben sie schon übernommen. Mit diesem Modell können junge Unternehmer zugleich egoistisch handeln und sich für soziale Zwecke begeistern. Und später werden sie dann reiche Philanthropen. Was sollte daran falsch sein?

SPIEGEL ONLINE: Sie wollen also mehr reiche Wohltäter wie den Microsoft-Gründer Bill Gates?

Shiller: Ja. Auch wenn ich mich jedes Mal über Microsoft ärgere, wenn mein Computer spinnt.

SPIEGEL ONLINE: Die USA kommen schneller aus der Krise als Europa. Liegt das auch daran, dass die Ehrgeizigen dort mehr gefördert werden?

Shiller: So ungern ich es sage: Ja, das könnte stimmen. Schließlich wandern viele ambitionierte Europäer in die USA aus.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Ehrgeiz wurde im Oktober belohnt, als man Ihnen den Wirtschaftsnobelpreis zuerkannte. Wie hat das Ihr Leben verändert?

Shiller: Es ist anstrengender geworden. Aber ich bin glücklich. Mein Ratschlag deshalb: Man sollte diesen Preis nicht ablehnen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Selten
pacificwanderer 25.01.2014
ein nichtssagenderes Interview gelesen. Und das von einem Nobelpreistraeger. Was ist der NP noch wert (ausser der Dotierung) habe ich mich schon bei Mr. Shillers Nominierung gefragt.
2. Könnte bedeuten, was ist denn das für eine Aussage?
opar 25.01.2014
Zitat von sysopREUTERSDie Währungen vieler Schwellenländer stürzen ab. Das könnte das Platzen einer neuen Blase bedeuten, sagt Robert Shiller. Im Interview spricht der Wirtschaftsnobelpreisträger auch über gemeinnützige Egoisten - und persönliche Computerprobleme. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/robert-shiller-ueber-schwellenlaender-und-ethisches-investieren-a-945546.html
Hat der Herr Nobelpreisträger das untersucht? Hat er belastbare Daten? Wenn nicht, warum soll ich seiner Kristallkugel mehr Glauben schenken als der irgend eines anderen "Experten"?
3. Blasen, die nicht platzen wollen...
leidenfeuer 25.01.2014
Zitat von sysopREUTERSDie Währungen vieler Schwellenländer stürzen ab. Das könnte das Platzen einer neuen Blase bedeuten, sagt Robert Shiller. Im Interview spricht der Wirtschaftsnobelpreisträger auch über gemeinnützige Egoisten - und persönliche Computerprobleme. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/robert-shiller-ueber-schwellenlaender-und-ethisches-investieren-a-945546.html
Als real bestehende Blasen können wir schon einmal feststellen, dass Staatshaushalte und Währungen diverser Länder von hochdotierten Hütern und Helfern derselben über jedes verantwortungsfähige und gewissenhafte Maß hinaus aufgeblasen worden sind.
4. Beginn
Ratzbär 25.01.2014
Zitat von pacificwandererein nichtssagenderes Interview gelesen. Und das von einem Nobelpreistraeger. Was ist der NP noch wert (ausser der Dotierung) habe ich mich schon bei Mr. Shillers Nominierung gefragt.
Es fängt schon damit an, dass es einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gar nicht gibt. Die schwed. Reichsbank hat diesen Preis in Erinnerung an Alfred Nobel ausgelobt und vergibt ihn nahezu zeitgleich.
5.
THINK 25.01.2014
Zitat von oparHat der Herr Nobelpreisträger das untersucht? Hat er belastbare Daten? Wenn nicht, warum soll ich seiner Kristallkugel mehr Glauben schenken als der irgend eines anderen "Experten"?
Man sucht sich halt den "Experten", dessen Äusserungen, oder besser, dessen obskure Zahlenspiele, einem am ehesten zusagen. Es gibt ja Experten, die warnen vor dem totalen Zusammenbruch, andere sehen gleichzeitig ein stabiles Wachstum. Einige warnen vor Inflation, andere vor Deflation. usw. Heutzutage sucht man sich seinen "Wirtschaftsexperten". Zu Wallensteins Zeiten nannte man sie "Astrologen". Wobei nicht entscheiden ist, wer zuverlässigere Prognosen stellte. Der Herr ist kein "Nobelpreisträger", da es keinen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gibt. Er hat einen Preis der Schwedischen Reichsbank erhalten, deren Preis absolut nichts mit Alfred Nobel zu tun hat. Wie alles bei den "Wirtschaftsexperten" ist es auch hier nur täuschendes Blendwerk.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: