Krise beim Baukonzern Bilfinger-Chef Roland Koch wird abgelöst

Der Baukonzern Bilfinger steckt in der Krise - jetzt kommt der überraschende Wechsel an der Firmenspitze: Hessens früherer Ministerpräsident Roland Koch verlässt das Unternehmen.

Roland Koch: Schon am 8. August nicht mehr Bilfinger-Chef
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Roland Koch: Schon am 8. August nicht mehr Bilfinger-Chef


Mannheim - Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch tritt überraschend als Chef des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger zurück. Koch wolle damit nach zwei Gewinnwarnungen innerhalb kurzer Zeit "die Möglichkeit zu neuer Vertrauensbildung" erleichtern und einen Dissens über die kurzfristige Unternehmensentwicklung vermeiden, teilte das Unternehmen am Montag nach Börsenschluss mit. Der frühere Vorstandsvorsitzende Herbert Bodner soll vorübergehend vom Aufsichtsrat zurück an die Vorstandsspitze wechseln.

Hintergrund des Rücktritts ist eine nochmals reduzierte Ergebnisprognose in der Kraftwerkssparte, wegen der das Unternehmen seine Gewinnvorhersagen für dieses Jahr abermals senken musste. Ende Juni hatte Bilfinger seine Ziele schon einmal revidiert. Nun geht das Mannheimer Unternehmen von einem um 25 Millionen Euro reduzierten Konzernergebnis zwischen 205 und 220 Millionen Euro aus.

Koch erklärte, dass daher das Vertrauen in der Konzernspitze erschüttert sei und er dafür einstehe. Er hoffe, mit seinem Rückstrittsangebot eine schnelle Normalisierung herbeiführen zu können, und sei von der erfolgreichen Zukunft des Unternehmens überzeugt. "Für ein unverändert erfolgreiches Unternehmen wie Bilfinger ist Berechenbarkeit am Kapitalmarkt ein wichtiges Gut", erklärte Koch der Mitteilung zufolge.

Bilfinger hat derzeit vor allem Probleme mit seiner Kraftwerkssparte, die von den Folgen der Energiewende besonders stark betroffen ist - denn die ist ein Grund dafür, dass die Energieversorger zuletzt weniger investierten. Für die jüngste Gewinnwarnung war nach Konzernangaben zudem auch ein verlorener Auftrag in Südafrika verantwortlich.

Koch hat den Baukonzern zum Dienstleister geformt

Vertreter der Anteilseigner hatten daher zuletzt einem Vorschlag des Aufsichtsrates zugestimmt, ein vorzeitiges Ausscheiden Kochs zu empfehlen. Am Donnerstag soll das Kontrollgremium diesen Schritt dann offiziell beschließen. Kochs Nachfolger Herbert Bodner soll dann bis zum 31. Mai 2015 Interims-Vorstandschef sein. Sobald ein Nachfolger gefunden sei, wolle er in den Aufsichtsrat zurückkehren, hieß es.

Koch, der als Seiteneinsteiger vor rund drei Jahren in die Management-Position gekommen war, hatte den Bilfinger-Konzern mehrfach umgebaut und Sparprogramme durchgesetzt. Im Herbst 2013 hatte das Unternehmen angekündigt, 1250 von weltweit insgesamt 9000 Stellen zu streichen. Rund 800 davon waren in Deutschland angesiedelt. Nachdem der Konzern wegen seiner Verwicklungen in eine Bestechungsaffäre in Nigeria mehr als 23 Millionen Euro Strafe gezahlt hatte, war im Mai zuletzt bekannt geworden, dass Bilfinger wesentliche Teile seines Baugeschäfts abstoßen will.

Kochs Job als Konzernchef hatte im Sommer 2011 durchaus vielversprechend begonnen: Schon nach wenigen Monaten kürzte der Ex-Politiker den Namen Bilfinger-Berger um den zweiten Teil, um die Bekanntheit der Marke zu steigern. Zugleich kündigte er an, zwei Milliarden Euro in Großbritannien und Italien zu investieren - und langfristig wollte Koch auch in Indien Fuß fassen. So sollte der Konzern seine Bauleistung von knapp neun auf bis zu zwölf Milliarden Euro im Jahr 2016 steigern.

mxw/dpa/Reuters/AFP



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