Stromversorgung in Bocholt: Unsere Stadt, unser Geld, unser Netz

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Stadtwerke Bocholt: Busse, Bäder, Netzbetreiber Fotos
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Die Bürger in Berlin und Hamburg stehen bald vor der Wahl: Sollen die Städte ihre Stromnetze zurückkaufen? Oder den Betrieb weiter den Konzernen überlassen? In Bocholt freut man sich bisher über den Rückkauf vor zwei Jahrzehnten. Neue Probleme könnten die Euphorie bremsen.

"Und hier kommt unsere nächste Sauna hin", sagt Jürgen Elmer und deutet in die Kronen zweier hochgewachsener Pappeln. "Eine Baumhaus-Sauna. Eröffnung im November." Dabei hat die Saunalandschaft des Erlebnisbads Bahia in Bocholt schon neun Schwitzhäuser. Hinzu kommt der ausladende Rutschenbereich und die Tropenlandschaft. "Wir erweitern ständig. So bleiben wir immer vorn dabei", sagt Elmer.

Die beinahe kindliche Freude des 44-Jährigen über die Attraktionen des örtlichen Bades ist nicht selbstverständlich. Es schreibt jedes Jahr Verluste - und Elmers Unternehmen muss dafür geradestehen.

Elmer ist Geschäftsführer der Bocholter Energie- und Wasserversorgung (BEW). Die BEW bildet mit der Bädergesellschaft und der Stadtbus-Gesellschaft einen Querverbund unter dem Dach der Stadtwerke. Das spart Steuern, denn die Verluste der Bäder und des öffentlichen Nahverkehrs können auf die Gewinne der BEW angerechnet werden. Die Gewinne erwirtschaftet sie mit dem Verkauf von Gas, Wasser, Strom - und seit 1996 auch mit dem kompletten Betrieb der dazugehörigen Netze.

Die Glaubensfrage

Damals übernahm Bocholt das Stromnetz vom Energieriesen RWE. Damit eignet sich die 70.000-Einwohner-Stadt am äußersten westlichen Zipfel der Republik als Anschauungsmodell in einer derzeit geführten Debatte: Wer ist der bessere Netzbetreiber - die Stadtwerke und damit die Kommunen selbst, oder die Netzbetreibergesellschaften der großen Energiekonzerne wie Vattenfall Chart zeigen, EnBW Chart zeigen oder RWE Chart zeigen?

Es geht um viel. Wer die Netze kontrolliert, kann mit stetigen Einnahmen rechnen. Bei Privatkunden machen die Netzentgelte etwa ein Viertel der Stromrechnung aus. Bis 2016 laufen in mehr als tausend Kommunen die Konzessionsverträge aus. Geschlossen wurden sie auf dem Höhepunkt der Privatisierungseuphorie in den neunziger Jahren. Doch zurzeit heißt der Trend Rekommunalisierung: die Rückführung von Infrastruktur und Betrieb in öffentliche Hand. Seit 2007 sind zwar nur knapp 200 Konzessionen rekommunalisiert worden, eine Quote von rund fünf Prozent. Aber in Hamburg und Berlin mit ihren gemeinsam mehr als fünf Millionen Einwohnern dürfen die Bürger noch in diesem Jahr per Volksentscheid entscheiden, ob ihre Stadt die komplette Übernahme der Netze anstreben soll.

Für die Befürworter steht fest: Der Rückkauf bietet nur Vorteile. Schließlich sei der Betrieb der Stromnetze eine Art Monopol mit eingebauter Gewinngarantie, die besser der Stadt und damit der Allgemeinheit zugutekomme statt Konzernen, die ihren Aktionären verpflichtet sind. Der kommunale Netzbetrieb würde auch Arbeitsplätze in der Region sichern. Zudem habe eine Kommune schlicht größeres Interesse daran, ihr eigenes Stromnetz gut in Schuss zu halten und fit für die Energiewende zu machen, als ein Konzern, der im Zweifel die kurzfristige Rendite über alles stelle.

Die Gegner der Rekommunalisierung halten vor allem mit drei Argumenten dagegen:

  • Erstens erfordere die Energiewende riesige Investitionen, die Gewinne seien dadurch eben nicht garantiert. Außerdem könne ein Konzern, der viele Netze betreibt, Synergien nutzen und so kosteneffizienter sein.
  • Zweitens hätten viele Kommunen nicht das Geld für den Rückkauf der teuren Netze - wenn sie dafür Kredite aufnähmen, zehrten die Zinsen die ohnehin mickrigen Renditen wieder auf.
  • Und drittens fehle vielen der neuerdings eigens gegründeten Stadtwerke schlichtweg das technische Know-how, mit Folgen bis hin zu Stromausfällen.

Doch wie läuft es in Bocholt? Profitiert die Kommune auch langfristig? Drei Perspektiven aus der Stadt, die ihr Netz selbst kontrolliert.

Der Kaufmann

BEW-Geschäftsführer Elmer: "Sonst wird das Stromnetz zum Zuschussgeschäft" Zur Großansicht
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BEW-Geschäftsführer Elmer: "Sonst wird das Stromnetz zum Zuschussgeschäft"

BEW-Geschäftsführer Elmer sitzt an diesem sonnigen Freitag beim Mittagessen in einem Straßencafé in der Fußgängerzone von Bocholt und referiert Zahlen. Der Netzbetrieb trage zwar nur 20 Prozent zum Umsatz bei, erwirtschafte aber rund 45 Prozent des Gewinns. "Im Jahr 2011 etwa haben wir über sechs Millionen Euro Gewinn gemacht", sagt Elmer, der bis vor zwei Jahren selbst noch als Stadtkämmerer amtierte. "Fast zwei Millionen davon gingen direkt an die Bäder und Busse, der Rest floss zum Großteil an unseren Gesellschafter, die Stadt."

Ist das Stromnetz also eine Art Gelddruckmaschine? Elmer kneift die Augen jetzt noch fester zusammen, als es das Sonnenlicht erfordert. Für die Vergangenheit sei das durchaus zutreffend, aber: "Es wird immer schwieriger, ordentliche Renditen mit dem Netz zu erwirtschaften."

Schuld sei auch der Boom der erneuerbaren Energien, und das gleich zweifach. Er verlange immense Investitionen, jedes Windrad und jede Solaranlage müsse ans Netz angeschlossen werden. Gleichzeitig könne die BEW die Kosten auf immer weniger Kunden umlegen - denn wer etwa eine Solaranlage auf dem Dach hat, muss für den selbst genutzten Strom keine Netzentgelte zahlen. Die wiederum kann Elmer nicht einfach erhöhen, denn sie werden von der Bundesnetzagentur festgesetzt. Bei ihr dringt Elmer deshalb vehement auf höhere Renditen. "Sonst wird das Stromnetz irgendwann ein Zuschussgeschäft", sagt er. Gleichzeitig nagt auch der harte Wettbewerb beim Verkauf von Strom und Gas an den Gewinnen der BEW.

Noch sind die Netze aber offenbar so lukrativ, dass die Stromkonzerne mit harten Bandagen darum kämpfen. Eine Studie des Wuppertal Instituts im Auftrag der Grünen aus diesem Frühjahr skizziert die Strategien von RWE, EnBW oder Vattenfall. Am wirksamsten sei es, für die Netze einen völlig überhöhten Kaufpreis zu fordern, resümieren die Forscher. Dabei komme den Konzernen zugute, dass sie im Vorfeld kaum Daten zu Zustand und Wirtschaftlichkeit herausgeben müssten - und dass der Gesetzgeber bis jetzt keine eindeutige Regelung getroffen habe, wie der Wert eines Netzes zu berechnen ist. Die Kommunen kauften quasi die Katze im Sack.

So lief es anscheinend auch in Bocholt. Knapp 40 Millionen Mark zahlten die Stadtwerke im Jahr 1996 an RWE. Als sie das Netz dann hatten und dessen Zustand sahen, errechneten sie einen Wert von nur knapp 23 Millionen Mark. Um die Differenz - umgerechnet 8,5 Millionen Euro - streitet sich die BEW mit RWE seitdem fast ununterbrochen vor Gericht. Mittlerweile gehe es wegen der angelaufenen Zinsen um rund den doppelten Betrag, sagt Elmer. RWE verweist auf Anfrage auf einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer, demzufolge der Preis angemessen war.

Der Streit schwelt bis heute weiter - und könnte sich noch über Jahre hinziehen. "Dass der Kaufpreis als Abschreckung eingesetzt wird, können wir aus unserer Erfahrung nur bestätigen", resümiert Elmer.

Der Techniker

BEW-Geschäftsführer Petersen: "Wir hatten ja Erfahrung im Netzbetrieb" Zur Großansicht
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BEW-Geschäftsführer Petersen: "Wir hatten ja Erfahrung im Netzbetrieb"

In der Netzleitzentrale gleich neben der BEW-Hauptverwaltung ist an diesem Nachmittag nicht viel los, nur ein Mitarbeiter überwacht das digitale Schaltbild und die Störungshotline. Bedächtig erklärt Ihno Petersen die Symbole auf den riesigen Bildschirmen. Petersen ist Co-Geschäftsführer der BEW, er verantwortet die Technik. Seit 1993 ist der 60-Jährige im Unternehmen.

Die Netzübernahme 1996 war eigentlich eine Erweiterung: Innerhalb der Kernstadt gehörte das Netz schon immer den Stadtwerken, nun wollte man es auch im Rest des Gemeindegebiets betreiben. Dort liegt auch der riesige Industriepark mit vielen großen Stromkunden.

"Auf technischer Ebene funktionierte die Zusammenarbeit gut. Man kannte sich ja schon", sagt Petersen über das damalige Verhältnis zu RWE. Das Netz aber sei in keinem guten Zustand gewesen. Die BEW habe seitdem viel investiert, etwa in das neue Umspannwerk mit einer eigenen 110-Kilovolt-Zuleitung. So etwas zu bauen und zu betreiben sei nicht ohne, erklärt Petersen stolz. Bei RWE hätten manche das der BEW nicht zugetraut.

Auf die Frage nach der technischen Kompetenz von Stadtwerken wiegt Petersen den Kopf. "Wir hatten ja Erfahrung im Netzbetrieb", sagt er. "Aber das alles neu auf der grünen Wiese aufzubauen, wäre schwierig." Sein Blick macht deutlich, dass er es für eine Art Himmelfahrtskommando hält, vor allem bei kleinen Stadtwerken.

In den Metropolen Hamburg und Berlin hingegen droht diese Gefahr eher nicht - hier würden die Kommunen wahrscheinlich die bestehenden Netzgesellschaften mitsamt Belegschaft übernehmen, falls sich die Wähler entsprechend entscheiden.

Die Stadt

Rentnerin Mentzen: "Ohne Bus könnte ich gar nicht mehr einkaufen" Zur Großansicht
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Rentnerin Mentzen: "Ohne Bus könnte ich gar nicht mehr einkaufen"

Für Bocholt sind die Stadtwerke ein wichtiger Faktor. Allein von 2008 bis 2011 hat die BEW zusätzlich zu den 15,4 Millionen Euro an Konzessionsabgaben noch einmal 14 Millionen Euro Gewinne an die Stadt überwiesen - und zudem rund 7,5 Millionen Verluste der Bäder und des öffentlichen Nahverkehrs ausgeglichen. Im Schnitt machte das etwa sechs Prozent des Bocholter 150-Millionen-Etats aus.

Davon profitiert auch Marlies Mentzen. Die 89-Jährige steht am Rande der Fußgängerzone an der Bushaltestelle, ihr Rollator ist mit Einkäufen beladen. "Ohne Bus könnte ich gar nicht mehr allein einkaufen gehen", sagt sie. Warten müsse sie ja nie länger als eine halbe Stunde. "Früher kam der Bus viel seltener, nur einer pro Stunde", sagt sie, dann biegt der Bus um die Ecke, senkt sich auf die Seite, Mentzen winkt und verschwindet darin.

Wahrscheinlich könnte sich Bocholt sein Stadtbus-System auch ohne Quersubventionen leisten. Der Haushalt ist ausgeglichen, die drückende Schuldenlast konnte die Stadt in den vergangenen Jahren zumindest ein wenig abtragen. Die Wirtschaftsstruktur ist solide, 43 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Industrie, die Gewerbesteuern sprudeln derzeit geradezu. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,2 Prozent, und ihr Geld geben die Bocholter meist in der Innenstadt aus, in der eigentümergeführte Läden dominieren. Selbst das angrenzende Einkaufszentrum mit seinen Handyshops und Modeketten scheint hier eher Ergänzung als Konkurrenz.

Und vielleicht muss die Stadt tatsächlich bald in die Bresche springen. Die langen Jahre ebenso sicherer wie satter Gewinne für die BEW scheinen jedenfalls vorüber. Beim Stromverkauf lässt der Wettbewerb die Margen wohl weiter schrumpfen - und auch die Profite aus dem Netzbetrieb sind nicht mehr sicher.

Die Lehre aus dem Beispiel Bocholts ist daher zwiespältig: In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die Stadt und ihre Bürger zweifellos von ihrem Stromnetz profitiert. Doch in den kommenden Jahren wird die Energiewende das Geschäft der Netzbetreiber erschweren - wie stark, wird sich zeigen.

Dennoch setzt Bocholt weiter auf das eigene Netz. Erst im vergangenen Jahr sicherte sich die BEW erneut die Konzession für weitere 20 Jahre. Die Stimmungslage unter den Entscheidern sei eindeutig gewesen, sagt Elmer: "Das Netz wollen wir in jedem Fall behalten."

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insgesamt 75 Beiträge
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1. Angesichts der Fakten
einwerfer 07.08.2013
hat man den Eindruck, dass der Schreiber unbedingt ein Haar in der Suppe finden will.
2. ...
jd87 07.08.2013
Zitat von sysopDie Bürger in Berlin und Hamburg stehen bald vor der Wahl: Sollen die Städte ihre Stromnetze zurückkaufen? Oder den Betrieb weiter den Konzernen überlassen? In Bocholt freut man sich bisher über den Rückkauf vor zwei Jahrzehnten. Neue Probleme könnten die Euphorie bremsen. Rückkauf der Stromnetze: Wie Bocholt profitiert - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rueckkauf-der-stromnetze-wie-bocholt-profitiert-a-911171.html)
Ich arbeite in einem Bocholter Unternehmen und komme aus der Nachbarstadt. Der Autor hat versucht die BEW schlechtzureden und das Thema Komunale Netze zu verunglimpfen. Bocholt tut das eigene Netz gut und es würde auch vielen anderen Kommunen gut tun!
3.
Hesekiel 07.08.2013
Infrastruktur und lebensnotwendige Grundversorgung gehören nicht in die Hand der Privatwirtschaft, die maxime der Grundversorgung und des Kapitalismus sind schlicht nicht vereinbar. Mir fällt auch kein Beispiel für eine derartige Privatisierung ein, von der die Gesellschaft langfristig profitieren hätte.
4. Grundversorgung wie Wasser und Strom gehört in
analyse 07.08.2013
kommunale und übergeordnet in staatliche Hände !Nur müssen die auch überprüft werden,und notfalls gezwungen werden vernünfig zu wirtschaften !
5.
gazettenberg 07.08.2013
Zitat von jd87Bocholt tut das eigene Netz gut und es würde auch vielen anderen Kommunen gut tun!
Natürlich tut der Stadt das eigene Netz gut. Durch die Komunalisierung des Netzes kann sie völlig legal Steuern hinterziehen. Und wenn es in zwanzig Jahren heißt, dass das öffentliche Netz nun teuer saniert werden muss, weil die Öffentliche Hand das bisher vor sich her geschoben hat, dann ist der zuständige Bürgermeister längst in Rente. Wetten? Jeder, der mal eine öffentliche Schule oder Hochschule von innen gesehen oder nach dem letzten Winter über deutsche Straßen gefahren ist weiß, dass öffentliche Träger Infrastruktur immer erst völlig herunterwirtschaften um sie dann viel teurer neu zu bauen, weil kein Geld für Erhaltung zurückgestellt wird.
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Grafiken: Wo kommt 2030 unsere Energie her?

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.