Bahn-Chef Grube "Ich hätte Stuttgart 21 nicht gemacht"

Stuttgart 21 - war da was? Niemand will die Verantwortung für das umstrittene Milliardenprojekt übernehmen. Nun distanziert sich nach SPIEGEL-Informationen Bahn-Chef Grube so deutlich wie nie von dem Vorhaben.

Rüdiger Grube bei der Grundsteinlegung für Stuttgart 21
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Rüdiger Grube bei der Grundsteinlegung für Stuttgart 21


Mit Prestigeprojekten ist das so eine Sache. Politiker und Manager lassen sich gern für die Pläne feiern und vor den vollendeten Prachtbauten fotografieren. Nur in den Jahren dazwischen, wenn es schlechte Nachrichten gibt, gehen sie gern in Deckung.

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Heft 48/2016
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Beim derzeit umstrittensten Milliardenprojekt der Deutschen Bahn (DB) ist es nicht viel anders. So richtig verantwortlich will dafür niemand sein. Nun hat sich sogar Konzernchef Rüdiger Grube, der lange in Stuttgart gelebt hat, deutlicher denn je von dem Vorhaben distanziert. "Ich habe Stuttgart 21 nicht erfunden und hätte es auch nicht gemacht", sagte er nach SPIEGEL-Informationen auf einer Veranstaltung des Bundesverbands Führungskräfte Deutscher Bahnen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Zumindest, so Grube weiter, "nicht unter diesen Bedingungen". So habe der Haushaltsausschuss des Bundestags die DB kürzlich für ihre hohe Verschuldung kritisiert, als er eine milliardenschwere Unterstützung für das Unternehmen bewilligte. Man könne aber nicht die steigende Verschuldung beklagen, wenn dieser sich gleichzeitig aller Voraussicht nach mit 1,8 Milliarden Euro mehr Eigenmitteln an Stuttgart 21 beteiligen müsse als ursprünglich geplant.

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Mega-Bauprojekt: Grundsteinlegung bei Stuttgart 21

Hätte Grube das Projekt noch stoppen können?

Zudem verwies Grube auf weitere finanzielle Lasten, die eine Folge politischer Entscheidungen seien. Dazu gehöre etwa die Ausrüstung der Güterwaggons mit sogenannten Flüsterbremsen.

Das Fachpublikum reagierte irritiert auf seine Ansprache. Grube sei seit 2009 im Amt, hieß es. Baubeginn für Stuttgart 21 sei aber erst 2010 gewesen. Außerdem habe Grube in den vergangenen Jahren angesichts immer neuer Kostensteigerungen die Möglichkeit gehabt, das Projekt zu stoppen.

Nach Berechnungen der Bahn kostet Stuttgart 21 bis zu 6,5 Milliarden Euro, fast dreimal so viel wie ursprünglich geschätzt. Die DB hat in dieser Woche angekündigt, dass sie die Projektpartner noch in diesem Jahr verklagen will, weil diese eine Beteiligung an den Mehrkosten ablehnen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 149 Beiträge
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Seite 1
micromiller 25.11.2016
1. Frau Merkel wird da sicherlich
einschreiten und ihm den Weihnachtsbonus streichen, der sagt einfach was er denkt?
dbeck90 25.11.2016
2.
Man sollte eher mal die Bauherren verklagen, die sich daran eine goldene Nase verdienen :-/
oschn 25.11.2016
3. Stuttgart 21 notwendig!
Mag ja sein, dass nicht alles sauber gelaufen ist. Aber Stuttgart 21 ist ein sinnvoller Ausbau des Bahnnetzwerkes. Es ist gut, den Bahnverkehr zu fördern, und der neue Bahnhof wird das Bahnfahren attraktiver machen. Leider hat man die DB mit im Boot, die unfähig ist, ein wirklich attraktives Angebot für die Reisenden zu schaffen.
dieter-ploetze 25.11.2016
4. man glaubt es nicht
grube hat fuer stuttgart 21 gekaempft,auch mit unlauteren mitteln.er redete die kosten klein und verunglimpfte stuttgart 21 gegner.da muessen sich nun alle veralbert vorkommen. aber ein schoenes beispiel wie sich da die sogenannen eliten rausreden wollen,wenn es mal nicht so laeuft wie vorgesehen.
genugistgenug 25.11.2016
5. Wie bitte?!
Wer erinnert sich noch an die Vermittlungsgespräche, wo Grube, Mappus, usw. süffisant, arrogant grinsend ihre Zeit absaßen und die S21 Gegner sich selbst lächerlich machten. Nicht zu vergessen, dass die Bahn die freiwerdenden Grundstücke schon teuer verkauft und die Kohle als 'Gewinn' ausgewiesen hat. Achso, bei dem kaufenden Unternehmen mischte auch die FRAU Mappus mit. Nebenjob einer Hausfrau oder zusätzliches Familieneinkommen?
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