Schlechter Jahresstart Russische Wirtschaft schrumpft um zwei Prozent

Die Regierung in Russland macht vor allem die Sanktionen des Westens verantwortlich: Die Wirtschaft des Landes ist von Januar bis März um zwei Prozent geschrumpft. Ministerpräsident Medwedew sieht keine schnelle Erholung.

Passanten vor Moskauer Wechselstube: Russland in der Krise
AP

Passanten vor Moskauer Wechselstube: Russland in der Krise


Die Folgen der westlichen Sanktionen und der niedrige Ölpreis haben der russischen Wirtschaft einen schlechten Jahresstart beschert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist offiziellen Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in den ersten drei Monaten um zwei Prozent zurückgegangen.

Ministerpräsident Dmitrij Medwedew machte insbesondere die Sanktionen des Westens im Ukraine-Konflikt für die schlechte Entwicklung verantwortlich. Demnach drohen Russland wegen der Sanktionen im laufenden Jahr Verluste von etwa 75 Milliarden Euro.

Erstmals seit 2009 sei das BIP in einem ersten Quartal wieder geschrumpft. "Die negativen Tendenzen setzen sich dieses Jahr fort", sagte Medwedew vor Abgeordneten in Moskau. Allerdings sei die derzeitige Entwicklung nicht so schlimm wie Anfang 2009.

Für das Gesamtjahr erwartet die russische Regierung einen Rückgang des BIP um drei Prozent. Die Weltbank sagt Russland dieses Jahr sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,8 Prozent voraus.

Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew hatte Ende Januar eine Inflationsrate von zwölf Prozent prophezeit; die Kapitalflucht wird laut Regierungsprognose bei 115 Milliarden Dollar liegen.

Die Wirtschaft in Russland leidet besonders unter dem starken Einbruch des Ölpreises seit vergangenem Sommer. Das Land bezieht einen großen Teil seiner staatlichen Einnahmen aus dem Öl-Export.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt in einem TV-Interview versucht, Optimismus zu verbreiten. Die russische Wirtschaft erhole sich, sagte er. "Experten glauben, dass wir den Höhepunkt der Krise überwunden haben." Putin verwies dabei auch auf die Stabilisierung des Rubels. Die Währung hatte sich Mitte Dezember im freien Fall befunden. Inzwischen verleiht der steigende Ölpreis dem Rubel wieder Auftrieb.

mmq/Reuters/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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fischersfritzchen 21.04.2015
1. Aber alles wird bald gut...
... sagt sogar der Präsident. In ein, zwei Jahren etwa, vielleicht eher. Dann ist die russische Wirtschaft dank des Sanktionen-Schub modernisiert und diversifiziert. Öl und Gas werden wieder teurer und spülen Dollarfluten ins Land. Alle Straßen sind repariert, jeder hat gut bezahlte Arbeit oder eine auskömmliche Rente und an der Grenze wacht der neue Superpanzer. Also noch ein bisschen durchhalten, dann wird Russland glänzend aufsteigen. Das haben bisher auch alle russischen Staatsoberhäupter gesagt. Jedes Jahr. Also wird es wohl stimmen.
ghlghl001 21.04.2015
2. Rubel fällt wieder
Seit letzter Woche ist laut OANDA.COM der Rubel um 5 % gefallen. Offensichtlich lässt sich die Börse von der russischen Zweckoptimismuspropaganda nicht beeindrucken.
spon-facebook-10000012354 21.04.2015
3. Zwei Prozent?
Zwei Prozent Rückgang sind für russische Verhältnisse fast kein Rückgang. Nach der Auflösung der Sowjetunion und dem Zusammenbruch der Planwirtschaft Ende der 80er Jahre ging die gesamtwirtschaftliche Produktion in Russland von 1990 bis 1996 Jahr für Jahr zurück. Insgesamt verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt um etwa 40 Prozent. http://de.wikipedia.org/wiki/Gesamtwirtschaftliche_Entwicklung_Russlands
syracusa 21.04.2015
4.
Zitat von fischersfritzchen... sagt sogar der Präsident. In ein, zwei Jahren etwa, vielleicht eher. Dann ist die russische Wirtschaft dank des Sanktionen-Schub modernisiert und diversifiziert. Öl und Gas werden wieder teurer und spülen Dollarfluten ins Land. Alle Straßen sind repariert, jeder hat gut bezahlte Arbeit oder eine auskömmliche Rente und an der Grenze wacht der neue Superpanzer. Also noch ein bisschen durchhalten, dann wird Russland glänzend aufsteigen. Das haben bisher auch alle russischen Staatsoberhäupter gesagt. Jedes Jahr. Also wird es wohl stimmen.
Stimmt völlig Daran kann man ja auch nicht ernsthaft zweifeln. Und ich zweifle schon erst recht nicht daran, denn ich will doch nicht ermordet werden.
nestor01 21.04.2015
5. Putins Wirtschaftsprognose beim G20-Gipfel
Putin prognostizierte in einem Interview mit dem Spiegel das Wirtschaftswachstum in 2014 auf 1%. In 2015 sollte dann die Wirtschaft um 1,75% und in 2016 um eine noch höhere Rate steigen. Sind Putins Prognosen nichts wert?
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