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Bilanz für 2015: Russland fördert so viel Erdöl wie zuletzt in der Sowjetunion

Rosneft-Ölfeld nördlich von Krasnojarsk (März 2015): Ölproduktion auf Rekordhöhe Zur Großansicht
REUTERS

Rosneft-Ölfeld nördlich von Krasnojarsk (März 2015): Ölproduktion auf Rekordhöhe

Die Preise an den Weltmärkten verfallen, und Russland hat seine Erdöl-Produktion 2015 auf einen neuen Rekord gesteigert. Nur zu Sowjetzeiten war die Förderung des Landes noch höher.

Russland hat 2015 so viel Öl gefördert wie noch nie seit dem Ende der Sowjetunion. In dem Land stieg die Ölförderung vergangenes Jahr auf mehr als 534 Millionen Tonnen. Trotz des Preisverfalls habe die Rohstoffmacht täglich durchschnittlich 10,73 Millionen Fässer (je 159 Liter) produziert, teilte das Energieministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. Im Jahr zuvor waren es demnach im Schnitt noch 10,58 Millionen Fässer am Tag gewesen - rund 1,4 Prozent weniger als 2015.

Seit 1998 ist Russlands Ölproduktion damit stetig gestiegen - bis auf einen leichten Rückgang im Krisenjahr 2008. Als inoffizielles Rekordjahr gilt Moskauer Medien zufolge 1988: Seinerzeit habe die damalige Sowjetrepublik Russland 552 Millionen Tonnen Öl gefördert.

Im vergangenen Jahr förderte dem Ministerium zufolge der Staatskonzern Rosneft mit rund 189 Millionen Tonnen mehr als ein Drittel der Jahresproduktion. Der Zweitplatzierte Lukoil kam auf etwa 86 Millionen Tonnen. Russland gehört mit den USA und Saudi-Arabien zu den weltgrößten Ölproduzenten. Dabei gehören dem Staat mehr als 50 Prozent der russischen Ölindustrie, Rohstoffexporte sind für ihn eine entscheidende Einnahmequelle. Im vergangenen Jahr stieg der Export von Erdöl den russischen Behörden zufolge um 10,6 Prozent.

Allerdings reißt der niedrige Ölpreis an den Weltmärkten tiefe Löcher in den Staatshaushalt und verschärft die Wirtschaftskrise in Russland. Der Ölpreis ist wegen eines Überangebots und mauer Aussichten für die Weltwirtschaft kürzlich auf den tiefsten Stand seit elf Jahren gefallen, in den vergangenen anderthalb Jahren brach er um 70 Prozent ein.

Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass Russland die Produktion 2016 noch mal steigern wird. So lag die Förderung im November und Dezember 2015 noch einmal deutlich über dem Durchschnitt des gesamten Jahres. Dies dürfte den Druck auf den Preis noch erhöhen.

Das Energieministerium teilte mit, vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen der Branche hätten mehr Öl gefördert. Sie hätten gesunkene Kosten im Zuge des schwachen Rubels dazu genutzt. Bei den großen Konzernen Rosneft und Lukoil sei die Produktion dagegen leicht gefallen.

Russlands Gasproduktion sank im vergangenen Jahr hingegen leicht um ein Prozent auf 635,349 Milliarden Kubikmeter. Den größten Teil förderte dabei mit 469,129 Milliarden Kubikmetern den Behörden zufolge der Staatskonzern Gazprom.

fdi/dpa/Reuters

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1.
Zaunsfeld 03.01.2016
Russland hat nicht trotz sondern WEGEN der stark gesunkenen Preise mehr Öl gefördert. Putin braucht gewisse Mindesteinnahmen aus der Erdölförderung, um seinen Staatshaushalt zu finanzieren, womit er insbesondere Renten und andere Sozialleistungen und sein Militär finanziert. Wenn das geförderte Öl nun weniger wert ist, muss er mehr davon fördern und verkaufen, um seine Einnahmen aus den Ölverkäufen nicht noch weiter sinken zu lassen, als sie es durch die gesunkenen Öl- und Gaspreise sowieso schon tun. Russland hat bei den niedrigen Erdölpreisen gar keine andere Wahl außer noch mehr Öl zu produzieren und zu verkaufen, wenn es seine Staatseinnahmen weiter damit finanzieren will.
2.
C. Goldbeck 03.01.2016
Man darf die Leidensfähigkeit der russischen Bevölkerung nicht unterschätzen. Ich behaupte einfach mal, die überdeutliche Mehrheit der Russen kann sich den Gürtel verdammt eng schnallen, während man in Deutschland auf sehr hohem Niveau jammert und bei den Saudis z.B. würde vermutlich schon der Verzicht auf Luxus zu Instabilität führen.
3.
h.hass 03.01.2016
Zitat von ZaunsfeldRussland hat nicht trotz sondern WEGEN der stark gesunkenen Preise mehr Öl gefördert. Putin braucht gewisse Mindesteinnahmen aus der Erdölförderung, um seinen Staatshaushalt zu finanzieren, womit er insbesondere Renten und andere Sozialleistungen und sein Militär finanziert. Wenn das geförderte Öl nun weniger wert ist, muss er mehr davon fördern und verkaufen, um seine Einnahmen aus den Ölverkäufen nicht noch weiter sinken zu lassen, als sie es durch die gesunkenen Öl- und Gaspreise sowieso schon tun. Russland hat bei den niedrigen Erdölpreisen gar keine andere Wahl außer noch mehr Öl zu produzieren und zu verkaufen, wenn es seine Staatseinnahmen weiter damit finanzieren will.
... was nach menschlichem Ermessen nicht lange funktionieren kann, da durch das erhöhte Angebot bei gleichbleibender Nachfrage die Preise sinken.
4. Noch enger?
crunchy_frog 03.01.2016
Zitat von C. GoldbeckMan darf die Leidensfähigkeit der russischen Bevölkerung nicht unterschätzen. Ich behaupte einfach mal, die überdeutliche Mehrheit der Russen kann sich den Gürtel verdammt eng schnallen, während man in Deutschland auf sehr hohem Niveau jammert und bei den Saudis z.B. würde vermutlich schon der Verzicht auf Luxus zu Instabilität führen.
Sie übersehen, dass der durchschnittliche Russe auf niedrigstem Niveau lebt, mit einem Einkommen von rund 300 Euro, von dem er sich gerade so das allernotwendigse zum Leben leisten kann. Da ist kein weiteres Loch im Gürtel mehr. Der grosse Fehler war, nur auf Rohstoffverkauf zu setzen und die Gewinne nicht etwa in eine funktionierende Industrie zu investieren, sondern sie von einer kleinen Elite von Oligarchen verprassen zu lassen.
5. Leerverkauf der Naturschätze
dunnhaupt 03.01.2016
Wegen der fallenden Ölpreise hat Russland keine Wahl als noch mehr zu pumpoen, um die notwendigen Dollars zu erlangen. Putin kann sich das leisten, denn er bezahlt die Arbeiter ja mit wertlosen Rubel.
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