Preiserhöhungen in Russland Mann demonstriert in Sarg

Sparen bis ins Grab: Weil ein Mann in Russland auf offener Straße in einem Sarg demonstriert hat, muss er nun eine Geldstrafe zahlen. Die Protestaktion galt dem Sparkurs des Kreml.


Stawropol - Ein Mann hat sich in der russischen Stadt Stawropol mitten auf dem zentralen Lenin-Platz in einen Sarg gelegt, um gegen die Preiserhöhungen in Russland zu demonstrieren. Nun wurde er deswegen zu einer Geldstrafe von rund 20.000 Rubel verurteilt, umgerechnet etwa 320 Euro.

Ein Begleiter stand neben dem Sarg und hielt einen Kranz sowie einen Zettel mit der Aufschrift "Hilfe für die Alten - bis ins Grab". Eine Anspielung auf die Rubelschwäche, die seit Monaten zu Preissteigerungen in Russland führt. Ein Gericht in der rund 1500 Kilometer südlich von Moskau gelegenen Stadt folgte der Anklage, wonach der Mann unerlaubt demonstriert habe, und verurteilte ihn.

Der Verfall des Ölpreises und westliche Sanktionen in der Ukraine-Krise haben Russlands Wirtschaft schwer geschädigt. Der Rubel verlor enorm an Wert, mehrere Unternehmen zogen sich daraufhin aus dem Land zurück. Die russische Regierung veranschlagte den Fehlbetrag im Haushalt dieses Jahr auf 3,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Um das Minus wieder auszugleichen, will der Kreml nun massiv Sparen.

kry/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Wolfgang Porcher 30.03.2015
1. bei uns leider nicht
bei uns geht keiner in Berlin vor dem Bundestag und demonstriert gegen schleichende Enteignung statt in essen des Staates und Sparkontenzinsverlust, auch nicht gegen Verteuerung durch den Mindestlohn! Die Russen merken das wohl als Bürger unsere sind anscheinend zu blöd dazu!
demokroete 30.03.2015
2. Mal sehen, wann hier die ersten
Demonstranten im Sarg liegen. Der Euro ist in den letzten Monaten gegenüber dem RenMinBi regelecht abgestürzt. Das treibt die Preise für die Konsumgüter nach oben. Draghi druckt jetzt monatlich 60 Milliarden EUR durch nichts gedecktes Papiergeld, was den EUR-Kurs weiter nach unten treibt. Gut für den Export, aber davon hat der Verbraucher nichts. Keine Zinsen, steigende Verbraucherpreise, der kleine Mann zahlt die Zeche ! Da ist es tröstlich zu lesen, dass es in Russland Dank der EU Sanktionen auch schlecht steht.
n.nixdorff 31.03.2015
3. Die
westlichen Sanktionen haben ganz sicher herzlich wenig damit zu tun, dass es russischen Rentnern oder der russischen Bevölkerung allgemein schlecht geht. Das ist vielmehr auf die einseitige Ausrichtung der russischen Wirtschaft auf Bodenschätze und Militär zurückzuführen. Und dies geht klar auf Putins Konto, ebenso wie seine trotzigen Gegensanktionen (Obst, Gemüse, Fleische etc.), die überwiegend die ärmeren Bevölkerungsschichten treffen.
Peter Bernhard 31.03.2015
4. Gleich im Anschluss
...an obigen Beitrag. Ca. 1998, also "lange" nach dem Mauerfall, war ich auf Reise in Moskau und Petersburg - und war sehr überrascht, wie wenig Waren angeobten - praktisch keine. Aber - es gab McDonals (irgendwie trotzig, da hier von Links als kapitalistisch besetzt, das ist aber meine vorschnelle Auslegung gewesen, denn:). Nun glaube ich, dass wie oben beschrieben, die Grundbedrüfnisse an erster Stelle stehen, "klar". Z.B. "Fleisch", "Strom", "Sicherheit". Was soll daran nicht richtig sein? Hier Hungernde - da Pelztragende? Schlecht. Wie kommt man da aber weg und raus davon? Bezahlbare Mode, oder Autos. Hilary Clinton ist mir hängen gebieben mit dem Spruch "Russia and China is paying any Price" (nicht; Anklang wohl an "Rice")für die globale Sicherheit - paradoxerweise also: Gerade weil "nationale" eben noch Sicherheit als Basic angesehen, eigentlich definiert ist, eben mit "Ansehen", nämlich für die Erbringende, wird für sie economically kein Preis bezahlt, sondern was gebührt. "A w-holy good design" finde ich auch sehr weise, von Mick "Jagger" gesagt, auch so um 1993 herum. Das mit der Protestaktion habe ich noch nicht verstanden, mit sagt aber mein erstes Gefühl, dass eine Almosengabe eine Interaktion darstellt, somit interessanterweise emotional ein Preis ist, nicht aber einem zur Entgegenung Unfähigen.
wombie 31.03.2015
5.
Zitat von Wolfgang Porcherbei uns geht keiner in Berlin vor dem Bundestag und demonstriert gegen schleichende Enteignung statt in essen des Staates und Sparkontenzinsverlust, auch nicht gegen Verteuerung durch den Mindestlohn! Die Russen merken das wohl als Bürger unsere sind anscheinend zu blöd dazu!
Angefangen bei den Occupy Camps in Frankfurt und letztens zur Eröffnung des EZB Baus, gab' es schon einige Demonstrationen gegen diese Politik. Letztere mit mit mehr als 10000 Teilnehmern. Leider ist der eigentliche Anlass unter den Gewalttätigkeiten eines zahlenmäßig unterlegenen Anteils verschütt gegangen. Ok, diese Demonstranten waren "Linke" und die wollen deswegen den Kommunismus, Sozialismus und den Trabant wieder einführen. Da kann man sich dann nicht anschließen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.