Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ukraine-Konflikt: Putin räumt ein, dass Sanktionen schmerzen

Russlands Wirtschaft spürt die Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts. Das hat Präsident Putin beim Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg eingeräumt. Zugleich warnt er vor Folgen für den Westen - und zeigt sich zum Dialog bereit.

REUTERS

Sankt Petersburg - Wladimir Putin hat auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg unterschiedliche Botschaften an EU und USA gesendet: Einerseits wirbt der russische Präsident beim Westen um Zusammenarbeit und Dialog, andererseits warnt er vor einem Bumerangeffekt der Sanktionen. Und er räumt ein, dass diese wegen der Krim-Annexion verhängten Sanktionen der russischen Wirtschaft schaden.

Viele heimische Unternehmen hätten aufgrund der Handelsbeschränkungen nur noch beschränkten Zugang zu Krediten, sagte Putin. Als Gegenmittel kündigte er unter anderem an, russische Firmen sollten Zugang zu langfristigen Darlehen für einen Zinssatz unter einem Prozentsatz erhalten. Außerdem soll ein staatlicher Fonds helfen, Importe zu ersetzen.

Putin unterstellte den USA, die Schwächung der russischen Wirtschaft zu beabsichtigen. "Vielleicht wollen unsere amerikanischen Freunde - sie sind raffinierte Leute - einen Wettbewerbsvorteil erhalten." Die Sanktionen könnten für den Westen jedoch einen Bumerang-Effekt haben, warnte Putin und zeigte sich zum Dialog bereit. Russland habe nicht vor, sich zu isolieren, und wolle auch mit den USA an vielen Projekten arbeiten. Auch sei er hoffnungsvoll, dass die Ukraine-Krise gelöst werden könne.

"Eine Tragödie abgewendet"

Angesichts der blutigen Kämpfe in der Ostukraine verteidigte Putin erneut den Anschluss der Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland. Wenn Russland auf der Krim nicht rechtzeitig eingeschritten wäre, hätte es dort ähnliches Chaos gegeben wie im Raum Donezk und Luhansk, sagte Putin. "Wir haben eine solche Tragödie abgewendet", meinte er. Der Westen wirft Russland auf der Krim einen Bruch des Völkerrechts vor. Putin warnte hingegen davor, die zerbrechlichen staatlichen Systeme im postsowjetischen Raum durch ein Anzetteln von Revolutionen zu destabilisieren.

Im Gasstreit mit der Ukraine forderte Putin die Führung in Kiew erneut mit Nachdruck zur Zahlung ihrer Schulden auf. Selbst nach einem russischen Kredit von drei Milliarden US-Dollar Ende 2013 und einem Rabatt habe das Nachbarland nicht mit der Tilgung begonnen. "Nicht nur das - die Schulden sind auf 3,5 Milliarden US-Dollar gewachsen", sagte Putin. "Wo ist unser Geld geblieben?"

Mit Blick auf die Präsidentenwahl in der Ukraine am Sonntag sagte Putin, Russland werde das Ergebnis "respektieren". Er sprach aber nicht von einer Anerkennung - sondern verwies darauf, dass der im Februar gestürzte Präsident Wiktor Janukowytsch nach ukrainischer Verfassung der rechtmäßige Staatschef sei.

dab/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 97 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Etwas wichtiges vergessen, halbe Warheiten sind auch Lügen
S0PN 23.05.2014
Auch in der BRD ist wegen der/des Ukraine Krise bzw. Bürgerkrieg, die Wirtschaft eingebrochen. Vergessen?
2. Langsam ...
unifersahlscheni 23.05.2014
... aber sicher knickt der Kleine ein. :) Wohl weniger von sich aus, eher von seinen "reichen Freunden" die nicht mehr in den Westen einreisen dürfen, sondern in der "östlichen Tristesse" darben müssten...! War ja klar, genialer Schachzug von Frau Dr. Merkel, kein Wunder dass sie an der Spitze steht.
3. Sanktionen sind immer zweischneidig
Knackeule 23.05.2014
Putin hat ehrlicherweise eingeräumt, dass die westlichen sanktionen, die auf Befehl der USA verhängt wurden, Russland schaden. Allerdings werden uns in Deutschland möglicherweise im nächsten Winter mögliche russische Sanktionen (z.B. Einschränkung der Gaslieferungen) ebenfalls schmerzen. Wenn es so kommt, dann hocken wir halt frierend in unseren Wohnungen und denken hoffentlich an unsere dummen Politiker, die uns das eingebrockt haben.
4. Halleluja!
Ratzbär 23.05.2014
Zitat von sysopAFPRusslands Wirtschaft spürt die Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts. Das hat Präsident Putin auf dem Wirtschaftsforum in Petersburg eingeräumt. Zugleich warnt er vor Folgen für den Westen - und zeigt sich zum Dialog bereit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/russland-putin-raeumt-nachteile-durch-sanktionen-ein-a-971358.html
Meine Güte! - Die EU hat es aber wirklich verbockt! In welchem Zeitalter leben wir denn? Muss denn sowas sein? Die öffentliche Demütigung einer Nation? Die EU war es doch, die quasi im Hinterhof Russlands geräubert hat. - Und ich dachte immer, ich wäre "undiplomatisch" ...
5. Gestern
Ratzbär 23.05.2014
Zitat von unifersahlscheni... aber sicher knickt der Kleine ein. :) Wohl weniger von sich aus, eher von seinen "reichen Freunden" die nicht mehr in den Westen einreisen dürfen, sondern in der "östlichen Tristesse" darben müssten...! War ja klar, genialer Schachzug von Frau Dr. Merkel, kein Wunder dass sie an der Spitze steht.
Das ist m. E. nach gestriges Denken.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Russland-Reiseseite



SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: