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Russischer Milliardär in Hausarrest: Rätselraten um Freilassung Jewtuschenkows

Wladimir Jewtuschenkow: Verwirrung um Ölmagnaten Fotos
DPA

Konfusion um Wladimir Jewtuschenkow: Der russische Ölmagnat war wegen Geldwäsche-Vorwürfen unter Hausarrest gestellt worden, am Freitag meldete seine Firma die Entlassung des Unternehmers. Die Polizei dementierte wenig später.

Moskau - Widersprüchliche Meldungen haben am Freitag zu Konfusion um das Schicksal des russischen Oligarchen und mehrfachen Milliardärs Wladimir Jewtuschenkow geführt. Eine Sprecherin seines Mischkonzerns AFK Sistema hatte am Nachmittag mitgeteilt, Jewtuschenkow sei aus dem Hausarrest entlassen worden, der am Dienstag über ihn verhängt worden war.

Wenig später dementierten die obersten russischen Polizeiermittler dies jedoch. Der 65-Jährige befinde sich nach wie vor unter Hausarrest, teilte die Behörde in Moskau mit.

Nach der Verhängung des Hausarrests hatte der einflussreiche russische Industriellen- und Unternehmerverband in einem Brief an Kreml-Chef Wladimir Putin gegen die Festsetzung des Oligarchen protestiert.

Nicht nur die Wirtschaftselite Russlands hatte sich für Jewtuschenkow ausgesprochen. Auch Regierungsmitglieder und Oligarchen hatten vor schweren Imageschäden für die ohnehin gebeutelte russische Wirtschaft gewarnt. Die Ermittlungsbehörden hatten Vorwürfe zurückgewiesen, dass das Strafverfahren politisch gesteuert sein könnte.

Spekulationen über Begehrlichkeiten Rosnefts

Offizieller Hintergrund der Affäre war die Übernahme des Ölkonzerns Bashneft durch Sistema vor fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass dabei illegale Machenschaften eine Rolle spielten und Jewtuschenkow daran beteiligt war.

Zuletzt war spekuliert worden, dass Russlands staatlich kontrollierter Ölriese Rosneft Chart zeigen, dessen Chef Igor Setschin als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin gilt, Interesse an Bashneft hat. Sistema wies die Anschuldigungen gegen Jewtuschenkow als substanzlos zurück.

Der Unternehmerverband hatte den Hausarrest in dem offenen Brief als politisch motiviert bezeichnet und mit dem Fall Michail Chodorkowski verglichen. Der Regierungskritiker und frühere Chef des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos saß jahrelang in Haft, bevor er Ende vergangenen Jahres freigelassen wurde und sich in der Schweiz niederließ.

Jewtuschenkow galt allerdings im Gegensatz zu Chodorkowski als weitgehend loyal gegenüber dem Kreml. Zum engsten Machtzirkel um Putin gehörte er aber nicht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatte auch SPIEGEL ONLINE die Entlassung Jewtuschenkows aufgrund der Mitteilung seiner Firmensprecherin als Tatsache gemeldet. Wenig später erfolgte das Dementi der russischen Polizeibehörde.

fdi/Reuters/dpa/AP

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Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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