Panik nach Rubel-Absturz Russische Notenbank erhöht Leitzins auf 17 Prozent

Der Rubel ist dramatisch abgestürzt, die russische Notenbank reagiert radikal: Sie hebt den Leitzins um satte 6,5 Prozentpunkte an.

Wechselkurs-Anzeige in Moskau: Ein Euro kostet 72 Rubel
AP

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Moskau - Die russische Zentralbank geht mit einer massiven Zinserhöhung gegen die Entwertung des Rubel vor. Sie hob ihren Leitzins um 6,5 Prozentpunkte auf 17 Prozent an, um die russische Währung zu stützen. Auch die Versorgung der Banken mit Dollar werde ausgeweitet, teilte das Geldinstitut auf seiner Webseite mit.

Der drastische Schritt ist eine Reaktion auf die Krise des Rubel, der wegen des niedrigen Ölpreises und der westlichen Sanktionen in der Ukraine-Krise zuletzt dramatisch an Wert verloren hatte. Bekamen Anleger am Devisenmarkt am Montagmorgen für einen Euro noch 72 Rubel, waren es am Montagabend schon mehr als 80 Rubel - ein Absturz um mehr als elf Prozent innerhalb eines Tages. Ähnlich stark fiel die russische Währung auch gegenüber dem Dollar.

Die Inflationsrate wird wohl zweistellig

Die Zentralbank in Moskau versucht offenbar schon seit Tagen gegenzusteuern, indem sie Rubel am Markt aufkauft. Am vergangenen Donnerstag hatte sie den Leitzins bereits angehoben, um Rubel-Investments für Anleger attraktiver zu machen. Durch den Währungsverfall sind die Preise für russische Verbraucher erheblich gestiegen, sodass die Zentralbank für das Jahresende eine Inflationsrate von rund zehn Prozent annimmt.

Sollten die Ölpreise weiter so niedrig bleiben, werde die russische Wirtschaft im nächsten Jahr um knapp 4,5 Prozent schrumpfen, warnte die Zentralbank in ihrem am Montag veröffentlichten Quartalsbericht zur Währungspolitik. Zu Jahresbeginn 2015 sei dann gar eine Inflationsrate von 11,5 Prozent möglich.

Regierungschef Dmitrij Medwedew hatte die Bevölkerung vergangene Woche zur Geduld aufgerufen. Der Kurs des Rubel werde auch wieder steigen - wie in den Krisen der Vergangenheit. Die Zeitung "Nesawissimaja gaseta" schrieb hingegen am Montag, vor dem Hintergrund der westlichen Sanktionen sei es "schwer, Geduld zu üben" und darauf zu hoffen, dass sich der Aufschwung wie nach der Finanzkrise 2008 wiederholen werde. Die Lage habe sich "radikal geändert".

mxw/AP/Reuters/dpa



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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
thom.angelo 16.12.2014
1. Wie möchtet der ZBank der Rubel mit 17% Refinanzierungszinsen
schutzen? Für die Unternehmer ist sowas tödlich. die Hoffnung, dass Ölpreise sich nach oben schnell ziehen kann vergessen werden. Die Produktion ist die letzte drei Jahre nur nach oben gegangen, letzes Jahr ist die Nachfrage leicht zurück gegangen. Wie soll das funktionieren. Die Russen verkaufen Öl, Gas und Waffen. Aussagen von Medwedev, dass alles wird sich schnell positiv ändern, ist einfach dilettantisch. Russland ist ein großes Land, aber ein Wirtschaftszwerg. Die letzten Monaten ist viel Kapital aus dem Land geflossen. Und bei 17% Refinanzierungszinsen + Kreditzins (von ca. min. 5% + eigene Kapitalrendite von min. 5%) - also ein Unternehmen sollte ca. 25 bis 30% Rendite erzielen. Wie soll das gehen. Das alles setzt eine Wachstum des Landes von ca. 20% statt dessen die Prognosen sind (-4,5%). Wer soll das alles ein Regierungschef glauben?? Oder die Russen sind dummer als ich denke??
sponposter 16.12.2014
2. Putins Schuld
Die wirtschaftliche Lage ist ein Ergebnis schlechter Politik Putins. Ein verantwortungsvoller Politiker hätte im Auge gehabt, dass der Ölpreis nicht dauernd hoch bleiben wird - und rechtzeitig versucht, die Wirtschaft des Landes auch auf andere Beine zu stellen, als das Geld noch sprudelte. Und ein kluger Politiker hätte sein Land auch nicht in so außenpolitische Kraftmeiereien wie die Krim-Annexion verwickelt - ist doch klar, dass ein Militäreinsatz in einem souveränen Nachbarland negative Auswirkungen auf das Ansehen und die Wirtschaft des Landes hat. Aber klar, jetzt hat wieder das Ausland Schuld an der Misere. Das Ausland, in das die reichen Russen massiv ihr Geld hin verlagern, weil sie dem Kurs ihrer Führung selbst nicht trauen und damit die Krise massiv anheizen. Was wirklich tragisch ist: Keiner in Europa und auch in den USA hat doch wirklich Interesse an einem abstürzenden Russland. Es gibt anderswo Konfliktherde genug. Europa würde wohl auch gerne Hilfe leisten, um die russische Wirtschaft zu unterstützen. Aber ein militaristisches, nationalistisches Land unterstützen, das Nachbarländer angreift und Teile davon völkerrechtswidrig annektiert?
lieber_incognito 16.12.2014
3.
Vor ein paar Monaten vernahm man noch aus den führenden politischen Kreisen Russlands demonstrativ zur Schau getragenen Gelassenheit - bis hin zur Häme - über die angebliche Wirkungslosigkeit der Sanktionen. Nun. Nach gerade mal gut einem halben Jahr zeigt sich die Wirkung massiver, als selbst in westlichen Kreisen zunächst angenommen. Der russischen Wirtschaft - und auch dem russischen Verbraucher - schnürt der im Sturzflug befindliche Rubel, die Verknappung von Konsumgütern und Lebensmitteln durch russische Einfuhrverbote, sowie die massiv einbrechenden Staatseinnahmen, buchstäblich die Luft ab. Führende russische Ökonomen haben bereits den Kollaps des russischen Staatshaushaltes für das Ende des kommenden Jahres vorausgesagt. Putin wird noch seinen eigenen, den russischen Maidan erleben. Und das schneller, als er denkt.
newsoholic 16.12.2014
4. Wir können stolz sein!
Auch unsere Sanktionen haben mit dazu beigetragen, die russische Währung zum Absturz zu bringen und damit Millionen Menschen in die Armut zu treiben. Reife Leistung! Menschen erfrieren und verhungern, wir destabilisieren eine Nuklearmacht im Osten Europas und gefährden damit den Weltfrieden und uns selbst bricht ein großer Exportmarkt weg. Und das alles nur, weil wir nicht wollen, dass die Menschen auf der Krim selbst bestimmen dürfen, wo sie leben wollen?
spon-facebook-10000123257 16.12.2014
5. uih =)
17 % ! Das gibt was her. wenn der Rubel dann noch gegen den Euro um 50% aufwertet ist Weihnachten 2015 gerettet. Die Russen machen auf Panik und demnächst platzt irgendwo auf der Welt ein $-CDS. Ich sehe es kommen.
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