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Altenheime: Studie kritisiert eklatanten Fachkräftemangel in der Pflege

Im deutschen Pflegesystem herrscht immenser Mangel: an Pflegeplätzen, Geld - und Personal. Bis 2030 könnten der Republik bis zu 200.000 Fachkräfte fehlen, um die dann 3,3 Millionen Pflegebedürftigen zu versorgen, heißt es in einer neuen Studie.

Altersheim: In der Pflege fehlen Personal, Heimplätze und Kapital Zur Großansicht
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Altersheim: In der Pflege fehlen Personal, Heimplätze und Kapital

Hamburg - In Deutschland leben immer mehr ältere Menschen, doch das Pflegesystem ist darauf nicht eingestellt. Das zeigt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI und der Unternehmensberatung Accenture, aus der das "Handelsblatt" am Dienstag zitiert. Der Analyse zufolge fehlt es dem deutschen Pflegesystem an Personal, an Pflegeplätzen, an Kapital. Die Politik manövriere sich "sehenden Auges in den Notstand", schreibt die Zeitung.

Bis 2020 werden in Deutschland 84.000 Fach- und Hilfskräfte fehlen, um die immer größer werdende Zahl pflegebedürftiger Menschen zu betreuen, heißt es weiter. Bis 2030 sollen es sogar 200.000 Beschäftigte sein. Besonders groß sei die Lücke bei der stationären und ambulanten Versorgung.

Mindestens 166.000 neue stationäre Pflegeplätze und Investitionen in Höhe von rund 54 Milliarden Euro seien bis 2030 nötig, um die dann mehr als 3,3 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland versorgen zu können, berichtet das "Handelsblatt" unter Bezug auf die Studie.

Die Autoren der Studie monieren zudem die Verschwendung von Ressourcen. So drohe manchen Pflegeeinrichtungen in Norddeutschland und in Teilen Bayerns gar die Insolvenz. Erstens, weil es hier mehr Heime als Bedürftige gibt. Zweitens, weil viele Heime falsch konzeptioniert seien: Dort würden noch immer Mehrbettzimmer angeboten, die kaum jemand belegen möchte.

ssu

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1. Die Formulierung...
cosmopolit1759 02.07.2013
...könnte auch heißen: "Wir haben einen eklatanten Kindermangel" oder "Wir haben eine eklatante Unterbezahlung im Pflegebereich". Es wir jetzt nur das Realität, was alle die 1+1 zusammenrechnen können vorausgesehen haben. Warum das Gejammere? Was ist unsere Gesellschaft bereit in puncto Kinder und Bezahlung zu ändern?
2. Wen wundert es wirklich?
vielflieger_1970 02.07.2013
Pflegefachkräfte wurden seit je her schlecht bezahlt, das Image war und ist unterirdisch. Genau wie im Bereich der Kinderbetreuung wurde alles immer sehr stiefmütterlich behandelt, und jetzt, wo es zB in Bayern einen gesetzlichen Anspruch auf Kinderbetreuungsplätze gibt, stechen sich die Kommunen gegenseitig mit Abwerbeangeboten für die zuwenigen Fachkräfte aus. Bezahlt endlich angemessen, dann interessieren sich auch wieder mehr junge Bewerber für diese Berufe!
3.
inko.gnito 02.07.2013
Miese Arbeitsbedingungen, miese Bezahlung. Da muß man sich nicht wundern, daß den Job keiner machen will.
4. Pflegenotstand
Progressor 02.07.2013
Ich möchte die typischen Einsatzbedingungen für Altenpfleger/innen darstellen: Laut Tarifvertrag müssen 12 Tage Dienst geleistet werden. Danach sind 2 Tage frei, dann wieder 12 Tage Dienst, usw. Das ist die Theorie. Bei Krankheit von Kollegen wird um Zusatzarbeit gebeten und das ist sehr oft. Die Altenpfleger sind froh, wenn sie auf 2 freie Tage im Monat kommen. Wer an seinen freien Tagen nicht telefonisch erreichbar ist, bekommt schon mal einen Rüffel bei der Stationsbesprechung. Die geleisteten Überstunden können schon mal 400 werden, wie diese abzufeiern wären, ist unklar. Die tägliche Arbeitszeit beträgt gemäß Tarifvertrag 6,78 Stunden, die in Früh-, Spät-, Nacht- und geteilten Schichten abzuleisten sind. Geteilte Schicht bedeutet vormittags ein paar Stunden, dann ein paar Stunden Pause, dann nachmittags der Rest. Wo die Mitarbeiter in ihren mehrstündigen Pausen bleiben ist wurscht, wird ja nicht bezahlt. Ein Altenpfleger mit 10jähriger Berufserfahrung kommt mit 1400 - 1500 Euro netto nach Hause. Dafür besteht sein Alltag aus Kot, Urin und Blut. Jungen Auszubildenden wird von der Pflegedienstleistung gesagt, dass sie in 20 Jahren diesen Beruf aus psychischen und/oder physischen Gründen nicht mehr ausführen werden können, man solle sich darauf schon mal einstellen. Tatsächlich treten Defekte schon weit früher ein. Einmal im Quartal für einen Monat krank, oder gleich mal für ein 3/4 Jahr weg, ist keine Seltenheit. Für Ersatz ist dabei nicht gesorgt, entsprechend überbelastet sind die Leute. Bei Diabetiker ein paar mal vergessen die Zuckerwerte zu kontrollieren? Kein Problem, es gibt Schlimmeres. Drohung mit personellen Konsequenzen bei krassen Fehler? Das Personal grinst sich eins. Der Ausfall könnte nicht so schnell ersetzt werden.
5.
women_1900 02.07.2013
bei den Löhnen die hier bezahlt werden wundert es mich n icht, wenn Fachkräfte fehlen. Dabei ist ein Pflegeplatz sauteuer. Wo das viele Geld hinverschwindet habe ich noch nicht gelesen. Das laute Gejammer aber zielt nur darauf ab, Leute aus anderen Ländern hierher zu holen, da bleibt dann auch der Druck auf die Löhne schön hoch. Es ist schon beschämend, wie mickrig die Bezahlung der Menschen ist, die sich um unsere Kinder in KiTas kümmern und unsere Alten pflegen.
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