Sal. Oppenheim-Prozess Zum Schaden aller

Bewährungs-, Geld- und eine Haftstrafe: Die Urteile gegen die ehemaligen Chefs der Privatbank Sal. Oppenheim fielen deutlich aus. Nur der Immobilienunternehmer Josef Esch kam scheinbar glimpflich davon.

Friedrich-Carl Janssen: Zwei Jahre und zehn Monate ohne Bewährung
REUTERS

Friedrich-Carl Janssen: Zwei Jahre und zehn Monate ohne Bewährung

Von , Köln


Es gab diesen kurzen Moment zu Beginn der Urteilsverkündigung, der klarmachte, worum es Gericht und Öffentlichkeit ging. Richterin Sabine Grobecker betrat den Saal und hielt sich nicht lang mit Formalien auf: Schnell verlas sie die Urteile gegen die fünf Angeklagten. Zwei Jahre und zehn Monate ohne Bewährung für Friedrich Carl Janssen (71), zwei Jahre auf Bewährung für Matthias Graf von Krockow (66) und Dieter Pfundt (62). Ein Jahr und elf Monate schließlich für Christopher von Oppenheim (49), zur Bewährung ausgesetzt. Keine Regung, Stille.

Als Grobecker dann aber eine Geldstrafe von "90 Tagessätzen zu 5500 Euro" gegen Josef Antonius Esch (59) verkündete, raunte der ganze Saal. So mancher lachte, und irgendjemand sagte laut: "Das darf doch nicht wahr sein!"

Christopher Freiherr von Oppenheim: Ein Jahr und elf Monate (zur Bewährung)
DPA

Christopher Freiherr von Oppenheim: Ein Jahr und elf Monate (zur Bewährung)

In Köln gab es kaum Größere als die Banker-Clique von Sal. Oppenheim. Ihr Sturz hat viel zur Abwertung des Berufsbildes "Banker" beigetragen: Einst waren das Respektspersonen, heute stehen sie schon fast unter Generalverdacht halbseidener Zockerei zum Schaden der Kundschaft.

Und Esch? Ist ein Name, der überall auftaucht, wo Fäden gezogen und Millionen geschoben werden. Dem Troisdorfer sagt man nach, mit Teflon beschichtet zu sein: Im Kölner Prozess um Sal. Oppenheim wurde er nicht wie die anderen wegen Untreue verurteilt, sondern "nur" wegen unerlaubter Bankgeschäfte.

Wie die aussahen, machte die folgende Urteilsbegründung klar: Stets trat Esch da nur als Vermittler von Krediten und Makler von Kontakten auf - nicht mehr als ein Helfer, der den Bankern dabei zur Seite stand, ihre ach so renommierte Firma um eine dreistellige Millionensumme zu schädigen.

Josef Esch: 90 Tagessätze zu 5500 Euro (495.000 Euro)
DPA

Josef Esch: 90 Tagessätze zu 5500 Euro (495.000 Euro)

Die abenteuerlichen Finanzkonstrukte, die Krockow, Oppenheim, Pfundt und Janssen mit Eschs Hilfe entwarfen, stehen in engem Zusammenhang mit dem Kollaps des Karstadt-Quelle-Konzerns, später Arcandor, der Tausende Menschen den Job kostete. Esch ist auch darum - und nicht nur wegen seiner umstrittenen Immobiliengeschäfte im Kölner Raum - ein prominenter, aber kein populärer Mann.

Als das Lachen über seine Strafe verklang, wurde Richterin Grobecker hart und deutlich. In diesem Prozess zu einem Urteil zu kommen, sei ein "Kraftakt" gewesen, alles sei bis ins Kleinste überlegt und begründet. Man solle die Verlesung der Begründung erst einmal abwarten, bevor man sich über das Urteil eine Meinung bilde. Und dann ging es los.

Grobecker liest und liest, schildert bis ins kleinste Detail Vorgeschichte, Verlauf und Hintergründe der Taten, die das Gericht nun als strafbar befand. Zwei Stunden vergehen, bis ihre Stimme das erste Mal bricht, und da ist die Begründung noch immer ganz am Anfang.

Matthias Graf von Krockow: Zwei Jahre (zur Bewährung)
DPA

Matthias Graf von Krockow: Zwei Jahre (zur Bewährung)

An einem Tisch direkt vor ihr sitzt von Krockow, den sie stets auch mit "Graf" anspricht: Formal ist das nur ein Namensbestandteil, seit sich Deutschland 1919 vom Adelsprivileg trennte. Gestürzter kölscher Adel sitzt da vor ihr, aufrecht und aufmerksam der Graf. Neben ihm der Freiherr von Oppenheim. Rechts vor der Richterbank haben Janssen und Pfundt Platz genommen, hinter Oppenheim sitzt Esch.

Sie alle vermeiden Blickkontakt miteinander, und meist auch jede Regung, die auf ihre Gemütslage schließen ließe. Janssen, der nicht zuletzt deshalb als Einziger in Haft gehen wird, weil er im Gegensatz zu den anderen nicht kooperativ war, sitzt reglos wie eine Sphinx. Oft sind seine Augen geschlossen, der Kopf leicht nach hinten gelegt. Nur, wenn es um ihn selbst geht, zeigt er verhalten Interesse.

Ganz anders Pfundt, der der Richterin von allen Angeklagten am aufmerksamsten folgt. Er macht Notizen, er nickt mitunter, wenn Vorgänge, an denen er beteiligt war, geschildert werden oder wiegt den Kopf seitlich, als wolle er sagen "ja, so ganz aber nicht...". Sein Blick irrlichtert zwischen Richter- und Pressebank, seine Hände trommeln nervös, und oft beobachtet er auch Esch.

Der sitzt völlig entspannt in dritter Reihe. Ab und zu tauscht er sich mit seinen Anwälten aus, die rechts und links von ihm sitzen, schiebt ihnen Zettel zu. Er notiert wieder Dinge, wirkt tätig. Als sich die Dinge von ihm ab und Krockow und Oppenheim zuwenden, beschäftigt er sich nur noch mit seiner kalorienarmen Cola, die er aus seinem voluminösen Aktenkoffer fischt. Auf 495.000 Euro Strafe kommt er. Wie ein Verlierer wirkt er nicht.

Dieter Pfundt: Zwei Jahre (zur Bewährung)
REUTERS

Dieter Pfundt: Zwei Jahre (zur Bewährung)

Auf dem Höhepunkt der Arcandor-Krise vermittelte Esch Kredite von Sal. Oppenheim, für die die angeklagten Banker selbst mitbürgten. Esch reichte die Kredite nur durch - über eine Firma, die er für einen Euro an eine andere Firma in der Schweiz verkaufte. Die wiederum war von den Oppenheim-Bankern zu diesem Zweck gegründet worden. Die Banker liehen sich faktisch selbst Geld - und machten Sal. Oppenheim zum Selbstbedienungsladen Sal. Oppenheim.

Am Ende standen sie mit über 700 Millionen in der Kreide, die Bank verlor geschätzt 100 Millionen Euro. Dass die Trümmer des Arcandor-Konzerns auch Sal. Oppenheim begruben, macht die ehemaligen Gesellschafter nun zu Verurteilten.

Rein formal hatte Esch mit all dem nichts zu tun. Und die Oppenheim-Clique? Hat sich auch selbst geschädigt, die Reste der Privatbank gingen an die Deutsche Bank. Sie alle sind nun nicht arm, aber weniger reich als zuvor - und vorbestraft.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Anton Waldheimer 09.07.2015
1. Arm sind sie wohl auch geworden dadurch
Mit der Vorbestrafung sind sie wahrscheinlich auch arm, weil sie als Straftäter zum Schadenersatz herangezogen werden (können), und den werden sie nur sehr teilweise leisten können, und so, dass für sie selbst nur noch allenfalls gebunkert Verstecktes überbleibt
erstdenken.... 09.07.2015
2. Alles wie immer
Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen.
janix_ 09.07.2015
3. Esch war nach Berichten derjenige...
... der die Stadt Köln über seine Fonds geplündert habe. So wurde der Oberstadtdirektor eingekauft, der wusste, wo die Filetstück-Immobilien waren und wie man an sie kommt. Bei dem Messe/RTL-Gelände oder der Lanxess-Arena - Esch garantierte seinen Investoren eine zweistellige(!) Rendite, so Werner Rügemer in Colonia Corrupta. Und der schafft es, sich durchzuwieseln! Herr Esch, wenn Sie Stolz im Leibe haben, zahlen Sie Köln alles das bitte auf Heller und Pfennig zurück, dann kann man weiterreden.
DankeAnke 09.07.2015
4. Gerecht
Man sollte das Urteil kennen, bevor man unreflektiert darüber palavert. Die detaillierten Ausführungen der vorsitzenden Richterin waren sehr substantiell. Auch die differenzierten Urteile waren angemessen. Aber, wie gesagt, man muss zuhören.
rainer_daeschler 09.07.2015
5.
Wenn man Strafen aus der Beute begleichen kann, wird das Verbrechen zum Geschäftsmodell.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.