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Sturmschäden: "Sandy" könnte 50 Milliarden Dollar kosten

Hurrikan "Sandy" hat an der US-Ostküste gewaltige Schäden hinterlassen, erste Schätzungen gehen von bis zu 50 Milliarden Dollar aus. Nur langsam kehrt Normalität ein. Zwei Flughäfen in New York haben den Betrieb wieder aufgenommen.

AP/ The Virginian-Pilot

New York - Zerstörte Gebäude, Stillstand im Verkehr - die Wirtschaftsregion an der US-Ostküste wurden von Hurrikan "Sandy" schwer getroffen. Nun gibt es neue Schätzungen zur Höhe der Schäden. Laut dem Informationsdienst IHS Global Insight könnte "Sandy" einen Gesamtschaden von bis zu 50 Milliarden Dollar verursacht haben.

Die direkten Schäden dürften sich laut IHS auf rund 20 Milliarden Dollar belaufen, hinzu kommen Gewinneinbußen der Unternehmen, die mit bis zu 30 Milliarden Dollar beziffert werden. Laut AIR Worldwide, einer Firma für Katastrophenberechnungen, könnten sich allein die versicherten Schäden auf sieben bis 15 Milliarden Dollar belaufen. Der Prognosedienst Equecat geht von Versicherungsschäden zwischen fünf und zehn Milliarden Euro aus, der Gesamtschaden werde bis zu 20 Milliarden Dollar betragen.

Damit dürfte "Sandy" einer der teuersten Wirbelstürme in der US-Geschichte werden. Im vergangenen Jahr hatte Hurrikan "Irene Schäden in Höhe von knapp 16 Milliarden verursacht. Hurrikan "Katrina", der 2005 in New Orleans und anderen Teilen der Südstaaten rund 1800 Menschen tötete, hatte für Gesamtschäden von 108 Milliarden Dollar gesorgt.

Nach Schätzungen von Paul Ashworth, Chefökonom bei Capital Economics, könnte "Sandy" im letzten Quartal zwischen 0,1 und 0,2 Prozentpunkte jährlichen Wachstums kosten. IHS geht von 0,6 Prozentpunkten aus. Der Sturm trifft besonders den amerikanischen Einzelhandel, der in den letzten beiden Monaten des Jahres bis zu 40 Prozent seines Gewinns macht.

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Hurrikan "Sandy": Verheerende Sturmschäden
Langfristig erwarten Ökonomen aber nicht, dass "Sandy" größere Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum hat. Denn die kurzfristigen Schäden dürften mittelfristig durch verstärkte Investitionen in den Wiederaufbau ausgeglichen werden. Dieser Effekt führte im vergangenen Jahr auch dazu, dass die japanische Wirtschaft zumindest auf dem Papier von der Tsunami-Katastrophe profitierte, die Zehntausende von Menschen das Leben kostete.

Obama besucht New Jersey

Inmitten der Verwüstungen durch den "Hurrikan haben Millionen Menschen an der US-Ostküste am Mittwoch versucht, ihr normales Leben wieder aufzunehmen. Das aber kann wohl noch Tage oder sogar Wochen dauern. Rettungsmannschaften durchsuchten immer noch besonders betroffene Gebiete wie den New Yorker Stadtteil Queens, wo ein Großbrand bis zu hundert Häuser zerstörte. Mindestens 55 Menschen kamen an der US-Atlantikküste durch den Wirbelsturm ums Leben, mehr als 8,2 Millionen waren ohne Strom.

In der hart getroffenen Millionenmetropole New York fuhren am Mittwochmorgen wieder erste Busse auf den wegen des Stromausfalls immer noch dunklen und weitgehend leeren Straßen. Auch die Börse an der Wall Street wollte wieder ihren Betrieb aufnehmen. Präsident Barack Obama, der für New York und Long Island den Notstand ausgerufen hatte, wurde am Mittwoch im benachbarten New Jersey erwartet, wo "Sandy" am Montag in der Nähe von Atlantic City auf Land getroffen war. Das Sturmtief zog inzwischen in Richtung Kanada weiter.

Obama sagte für den dritten Tag in Folge alle Wahlkampftermine ab, um sich um die Koordinierung der Aufräumarbeiten nach dem Sturm zu kümmern. Sein republikanischer Rivale Mitt Romney wollte seinen Wahlkampf am Mittwoch in Florida in vollem Umfang wieder aufnehmen.

Verwüstung in Manhattan

In New Jersey versuchten Einsatzkräfte Hunderte Menschen zu retten, nachdem dort eine Sturmflut zwei Städte unter Wasser gesetzt hatte. "Das Ausmaß der Zerstörung an der Küste von New Jersey gehört zum Schlimmsten, was wir jemals gesehen haben", sagte der Gouverneur Chris Christie. In New York bot sich den Menschen neben dem Stadtteil Queens auch im Süden von Manhattan ein Bild der Verwüstung. Bis zu vier Meter hohe Wellen waren hier an die Küste geschlagen, tiefer liegende Straßen und U-Bahn-Tunnel wurden unter Wasser gesetzt. Es könne bis zu drei Tage dauern, bis die Stromversorgung wieder hergestellt sei, hieß es. Bürgermeister Michael Bloomberg setzte die Zahl der Todesfälle in seiner Stadt auf 18 herauf. "Dieses war ein verheerender Sturm, vielleicht der schlimmste, den wir je erlebt haben", sagte Bloomberg. "Die Natur ist verdammt viel mächtiger als wir es sind."

Entwarnung kam vom größten New Yorker Flughafen. Der Flugbetrieb am John F. Kennedy Airport sollte am Mittwoch mit Einschränkungen wieder aufgenommen werden. Auch am Newark International Airport in New Jersey sollten wieder Maschinen starten. Der zweite New Yorker Flughafen LaGuardia soll den Angaben zufolge weiterhin geschlossen bleiben. Fluggesellschaften mussten wegen "Sandy" über 18.000 Flüge streichen.

dab/dapd/AP

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1.
tobma 31.10.2012
und wer zahlt?
2.
TheBlind 31.10.2012
Zitat von sysopAPHurrikan "Sandy" hat an der US-Ostküste gewaltige Schäden hinterlassen, erste Schätzungen gehen von bis zu 50 Milliarden Dollar aus. Nur langsam kehrt Normalität ein. Zumindest zwei Flughäfen in New York haben den Betrieb wieder aufgenommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/sandy-koennte-50-milliarden-dollar-kosten-a-864478.html
Also weitaus preiswerter als das was die Bankster verursacht haben... 50 Milliarden bezahlt man doch locker aus der Portokasse der Allgemeinheit für Sofortbonis der Bankster... Cu.
3.
dig 31.10.2012
Zitat von sysopAPHurrikan "Sandy" hat an der US-Ostküste gewaltige Schäden hinterlassen, erste Schätzungen gehen von bis zu 50 Milliarden Dollar aus. Nur langsam kehrt Normalität ein. Zumindest zwei Flughäfen in New York haben den Betrieb wieder aufgenommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/sandy-koennte-50-milliarden-dollar-kosten-a-864478.html
könnte!
4. Die Relation wahren
DCWorld 31.10.2012
Was sind schon 50 Milliarden im Gegensatz zu dem, was die amerikanische Notenbank FED die ganze Zeit an frischem Geld druckt und noch drucken wird.
5. Mal ehrlich
gifmemore 31.10.2012
Diese Berichterstattung in epischen Dimensionen ist doch absurd. Es wird ja nun so getan, als sei das da sonst was passiert. Dabei sieht man solche Nachrichten aus anderen Teilen der Welt mit wesentlich schlimmeren Auswirkungen doch fast täglich in den Nachrichten. Die New Yorker hat es erwischt - das wußte man schon seit Sonntag. Gestern der sog "Brennpunkt" in der ARD war dann wohl auch der Gipfel. Denn wirklich neues hat der auch nicht gezeigt. Da könnte man auch jeden Tag einen Bennpunkt aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak senden ... aber das interessiert ja niemanden mehr.
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Das Rezept des Supersturms

Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.

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