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Sanktionen gegen EU: Deutsche Bauern kommen auch ohne Russland klar

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt: Auswirkungen von russischen Sanktionen halten sich in Grenzen Zur Großansicht
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Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt: Auswirkungen von russischen Sanktionen halten sich in Grenzen

Gelassenheit bei deutschen Landwirten: Das von Russland verhängte Einfuhrverbot für EU-Produkte macht den hiesigen Bauern kaum zu schaffen. Jedoch wenden sich russische Investoren wegen der Ukraine-Krise von Deutschland ab.

Berlin - Die Folgen des russischen Lebensmittel-Importstopps sind für Deutschland nach Einschätzung von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt überschaubar. Betroffen seien vor allem Milch und Fleisch sowie Äpfel und Kohl, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Jedoch seien bisher insgesamt weniger als 0,5 Prozent der Produktion nach Russland gegangen. Vielmehr träfen die Sanktionen die Russen selbst: "Die Preise steigen, die Selbstversorgung in Russland ist auf unter 60 Prozent anzusetzen, das heißt er (Wladimir Putin) muss von außen Nahrungsmittel importieren."

Auch die deutschen Obst- und Gemüseerzeuger nannten die direkten Auswirkungen aufgrund weggefallener Russland-Exporte überschaubar. Der Bauernverband (DBV) und der Raiffeisenverband (DRV) verwiesen aber auf indirekte Markteffekte: "Waren aus dem innereuropäischen Ausland, die bisher in die Russische Föderation geliefert wurden, werden umgeleitet." Es sei davon auszugehen, dass mehr Produkte aus der EU nach Deutschland gelangen - dem bedeutendsten Importmarkt.

Die EU hat bereits angekündigt, betroffenen Landwirten mit EU-Hilfen in Höhe von bis zu 125 Millionen unter die Arme zu greifen. Das Geld soll noch bis Ende November zur Verfügung gestellt werden.

Russland hatte als Reaktion auf EU- und US-Sanktionen in der Ukraine-Krise eigene Strafmaßnahmen gegen den Westen verhängt. Im Zuge dessen wurde die Einfuhr von Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Obst und Gemüse aus den USA, der EU, Kanada, Australien und Norwegen vorerst verboten. Der Kreml hatte versucht, auch Weißrussland und Kasachstan dazu zu bewegen, diese Beschränkungen zu erlassen, bislang ohne Erfolg. So ist das Embargo durchlässig, denn die drei Länder bilden eine Zollunion. Nach Angaben der russischen Regierung können Westprodukte nach wie vor über Weißrussland und Kasachstan nach Russland gelangen.

Derweil machen russische Investoren wegen der politischen Turbulenzen einen großen Bogen um Deutschland. Im ersten Halbjahr registrierten weder die Wirtschaftsfördergesellschaften der 16 Bundesländer noch die für das Standortmarketing der Bundesrepublik zuständige Germany Trade & Invest (GTAI) eine Neuansiedlung russischer Unternehmen. "Das hat sicherlich mit der Ukraine-Krise zu tun", sagte GTAI-Experte Robert Hermann am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Im Gesamtjahr 2013 hatten russische Investoren noch elf neue Projekte angeschoben. 2012 waren es sogar 13 Initiativen. Der Bestand russischer Direktinvestitionen in Deutschland wird auf über drei Milliarden Euro beziffert und ist damit mehr als doppelt so groß wie der chinesischer Investitionen in der Bundesrepublik.

jbe/dpa/Reuters

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Wie in der UdSSR
massson 27.08.2014
Ich lese wohl nicht richtig? Durchhalteparolen wie im Osten. Dabei weiß jeder, dass Deutschland erhebliche Einbussen hat, bereits jetzt.
2.
freespeech1 27.08.2014
Sicherlich ist der Schaden der deutschen Landwirtschaft überschaubar, trifft nur einzelne Betriebe, vor allem nicht den Landwirtschaftsminister selbst. Natürlich ist der Schaden für die russischen Verbraucher groß, denn Sanktionen sind immer ein Schuss ins eigene Knie. Aber innerhalb der EU sieht es nicht überall so aus wie in der dt. Landwirtschaft, von Polen über die baltischen Staaten bis Finnland und Griechenland gibt es deutliche Schäden, und für die deutsche Industrie auch, auch für Mittelständler vor allem in Ostdeutschland. Solche Durchhalteparolen wie hier in diesem Artikel täuschen darüber hinweg, dass der Ukrainekonflikt mit seiner Sanktionspolitik einen hohen Anteil an dem Rutsch der deutschen Wirtschaft in die Rezession bedeutet, man muss mal die internationale Presse und die Fachpresse lesen. Da ist die Rede von 50.000 Arbeitsplätzen, Wenn die Exporte in die anderen EU-Staaten schlechter laufen, hat das auch damit zu tun, dass dort die Sanktionspolitik beider Seiten große Schäden anrichtet. Politisch haben die Sanktionen nichts bewirkt, diese Politik ist gescheitert zum Schaden dem Menschen in der EU wie in Russland und der Ukraine
3. Deutsche Bauern freuen sich...
juergw. 27.08.2014
haben sie nicht so viel Arbeit mit der Ernte.Und unser Landwirtschaftsminister XYZ ,den eh keiner kennt,durfte auch seine Senf dazu geben.Pflügen wir den Überschuss unter.Schweine kann man auch mit Obst füttern.
4. Was für ein Versager!
new_eagle 27.08.2014
Putin kann sein Volk nicht ernähren. Bei einer Fläche von 17.075.400 km2 schafft es Russland nur 60% des Nahrungsmittelbedarfs (143,6 Mio. Einwohner) im eigenen Land zu erzeugen. Zum Vergleich die EU hat nur 4.381.324 km2 aber 505,7 Mio. Einwohner und muss noch fast die halbe russische Bevölkerung mit ernähren. Einfach unglaublich dieser Versager aus dem Osten.
5. Keine Sanktionen sind auch keine Lösung
Thorsten_Barcelona 27.08.2014
Es ist offensichtlich, dass Putin nach der Annektion der Krim, die Zerschlagung der Rest-Ukraine anstrebt. Reden um des Redens willens, wird ihn davon nicht abhalten. Sanktionen, die teilweise auch die eigene Wirtschaft treffen, machen zumindest deutlich, dass der Westen nicht alle Annektionsbestrebungen von Seiten Russlands widerspruchslos hinnehmen wird und das ist gut so, wenn man bedenkt, dass es auch in NATO-Partnerländer Regionen mit hohem Russenanteil gibt. Und jedem muss klar sein, dass so oder so, es wirtschaftliche Einbussen geben wird. Überschaubar durch Sanktionen oder unüberschaubar durch einen russisch-ukrainischen Krieg, der vermutlich das Ende der Gaslieferungen durch die Pipelines der Ukraine wäre. Sie haben diese Möglichkeit schon angekündigt und man kann den Ukrainern nur empfehlen, die Pipelines weitläufig zu zerstören, falls Russland einmarschiert. Das würde Russlands Wirtschaft schon hart treffen.
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