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Sanktionen in der Krim-Krise: Dreht den Russen den Gashahn zu

Ein Kommentar von

Deutschland will außenpolitisch mehr Verantwortung übernehmen, in der Krim-Krise hat es die Gelegenheit dazu. Die Bundesregierung sollte harte Sanktionen gegen Russland verhängen - auch wenn das der heimischen Wirtschaft schadet.

Pipeline für russische Gasexporte nach Europa: Beiderseitige Abhängigkeit Zur Großansicht
AP

Pipeline für russische Gasexporte nach Europa: Beiderseitige Abhängigkeit

"Freedom isn't free", Freiheit gibt es nicht umsonst - diese Weisheit tragen US-Patrioten gerne auf der Stoßstange. Da ist was dran. Der Kampf für politische Überzeugungen hat immer einen Preis. Doch das wollen deutsche Manager und Unternehmer im Krim-Konflikt nicht akzeptieren.

E.on-Chef Johannes Teyssen hat gerade im SPIEGEL davor gewarnt, mit Sanktionen gegen Russland die "sehr verantwortungsvolle Ostpolitik" der Vergangenheit zu gefährden. Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft befürchtet, dass "Sanktionen sicher Gegensanktionen auslösen würden" - als ob es wirksame Sanktionen jemals zum Nulltarif gäbe.

So verständlich die Sorgen der Wirtschaft sind: Die Bundesregierung sollte darauf keine Rücksicht nehmen. Neben den schon von der EU beschlossenen eher symbolischen Einreiseverboten und Kontosperrungen sollte sie harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängen. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Ansonsten können Deutschland und Europa gleich erklären: "Ach Herr Putin, so wichtig ist uns die Krim eigentlich auch nicht."

Angeführt von Bundespräsident Joachim Gauck haben deutsche Politiker gerade erst gefordert, die Bundesrepublik müsse außenpolitisch mehr Verantwortung übernehmen. Militärisches Eingreifen sei in der Krim-Krise keine Option, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel früh klargemacht. Das ist vernünftig. Was also bleibt den Europäern?

Es bleibt der wirtschaftliche Hebel. Russland ist auf Exporte aus der EU, insbesondere aus Deutschland angewiesen. Noch schmerzhafter als Ausfuhrrestriktionen aber wäre es, wenn die EU die Gas- und Ölimporte aus Russland stoppen oder zumindest glaubwürdig mit diesem Schritt drohen würde. Denn an den Einnahmen aus diesen Lieferungen hängt der russische Staat, hängt auch Putins Militärmaschine.

Das fehlende russische Gas und Öl ließe sich durch Lieferungen aus anderen Quellen kompensieren. Sicher, durch solche Schritte würden die Energiepreise in Deutschland und der EU steigen. Das ohnehin schwache Wachstum würde leiden. Doch wenn es uns Deutschen ernst ist mit der zusätzlichen Verantwortung in der Außenpolitik, müssen wir auch bereit sein, diesen Preis zu zahlen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
thomas_gr 18.03.2014
Nachdem man die Ökostromwende gekillt hat, ist so eine Forderung lächerlich! Wer soll denn die Kosten tragen? Das ist nicht die heimische Wirtschaft! Das sind die normalen Bürger/Steuerzahler und den wurde schon genug abgerungen. Wer aus Deutschland ein Pulverfass machen will, bitte! Ansonsten wäre es angebracht realpolitisch zu agieren und nicht den Falken noch mehr Raum zu geben!!
2. Zynisch
kippelman 18.03.2014
Zum Einen sollte man sich mal klar machen, dass weder die Politiker noch die Konzernbosse die Kosten dieser weltanschaulichen geopolitischen Sanktionsspielchen bezahlt sondern wie immer der deutsche Michel von der Straße. Und zweitens sollte man den Ukrainern mal klar machen, dass die Abschaffung russischer Sprachrechte etwa dasselbe ist als wenn man in Brüssel einseitig beschließt, dass ganz Belgien zukünftig nur noch einsprachig sein soll. Wird der Westen eigentlich nie schlau aus all den destabilisierten Ländern dieser Welt? Glauben wir immer noch, dass unser moralischer Weg der allein glückselig machende ist?
3. Kompletter Blödsinn
warumeigentlich 18.03.2014
Es geschieht so viel leid auf der Welt und im Vergleich geht es den Ukrainern nicht schlecht. Krim spaltet sich ab (ja mit Hilfe Russlands und nicht ganz sauber). Was in dem Artikel verwechselt wird ist persönliche Freiheit und Freiheit des Marktes. Ausschließlich um letzteres geht es in der Ukraine. Und um es deutlich zu sagen. Ich habe keinen Bock dafür zu zahlen. Hätte man nur halb so viel Energie in Friedensprozesse in Zentralafrika gesteckt, wäre vielen Menschenleben geholfen. Für die westliche Politik der letzten Jahre, welche unterm Strich für unzähliges Leid verantwortlich ist (Irak, Libyen, Afghanistan..) habe ich nur Verachtung übrig.
4. eine Provokation,
RudiLeuchtenbrink 18.03.2014
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/sanktionen-in-krim-krise-haertere-strafen-gegen-russland-a-959249.html[/QUOTE] ist die Meinung des Verfassers. Wer will hier deutschen Interessen schaden ? Mit dem "Anhängsel" Ukraine wird die EU noch schnell genug wirtschaftlich in die Knie gehen. Jetzt auch noch die Verbindung nach Russland kappen zu wollen ist ein Schlag anglo/amerikanischer Eliten gegen Europa.
5. klar
townsville 18.03.2014
35% unseres Energiebedarfes bekommen wir spontan woanders gedeckt, insbesondere, da GAZPROM auch die größten Speicherung D besitzt. Und die Russen werden natürlich brav auf Öl und Gas sitzen und es nicht etwa ans energiehungrige China verkaufen. Brillanter Plan, vermutlich in Washington entwickelt, fue müssen sich totlachen über Europa.
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