Ausgabe von Bonds Saudi-Arabien will sich Geld leihen

In Zeiten niedriger Ölpreise und eines teuren Kampfes gegen die Terrormiliz IS geraten selbst reiche Förderländer ans finanzielle Limit. Um an Geld zu kommen, bricht Saudi-Arabien jetzt ein Tabu.

Finanzbezirk der saudischen Hauptstadt Riad
REUTERS

Finanzbezirk der saudischen Hauptstadt Riad


Öl ist nicht mehr ganz so billig, wie in den vergangenen Monaten. Doch auch nach den jüngsten Preisanstiegen genügen die Einnahmen noch lange nicht, um den Lebensstil der verwöhnten Förderländer zu decken. Die Finanzexperten in der Golfregion suchen deshalb schon seit Längerem nach Alternativen, um an Geld zu kommen. Dabei scheinen sie zu der Erkenntnis gekommen zu sein, dass Staatsanleihen - auch Bonds genannt - viel mehr Vorteile bringen als Kredite. Und sie machen davon zunehmend Gebrauch.

Katar hat zuletzt mehr als neun Milliarden Dollar über Bonds eingesammelt, Abu Dhabi fünf Milliarden. Jetzt springen auch die Saudis auf den Zug auf. Wie die "Financial Times" berichtet, will der Wüstenstaat mit seiner ersten Bondplatzierung überhaupt Anleihepapiere im Wert von bis zu 15 Milliarden Dollar herausgeben - die Laufzeiten sollen fünf, zehn und 30 Jahre betragen.

Im Hintergrund liefen bereits Gespräche mit Banken, die den Verkauf der Papiere übernehmen wollen, schreibt das Finanzblatt. Ursprünglich wollte Riad die Anleihen erst im September 2017 platzieren, jetzt scheine laut Bankern aber schon eine Emission ab Anfang Juli - nach dem islamischen Fastenmonat Ramadan - möglich. Das Geld soll zunächst dazu dienen, einen Kredit in Höhe von 10 Milliarden Dollar zurückzuzahlen, die restlichen Milliarden sollen die Liquidität sichern. Vor allem die Kriege gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" und im Jemen kosten Riad eine Menge Geld.

Für die Ausgabebanken dürfte die Anleihe ein Geschäft ohne Risiko sein. Denn angesichts der niedrigen Zinsen greifen Anleger nach jedem Strohhalm. "Von den bislang begebenen Anleihen der Golfstaaten ging der Großteil an globale Fonds, die mit Schwellenländeranleihen ihre Rendite aufbessern", sagt Régis Chatellier, Analyst bei der Société Générale dem "Handelsblatt".

Die große Nachfrage nach den Bonds der Golfstaaten hat aber noch einen anderen Grund: Abgesehen von einigen Einschränkungen genießen die Golfstaaten immer noch eine gute Reputation als Schuldner. So bekommen Katar und Abu Dhabi sehr gute Noten, was ihre Kreditwürdigkeit betrifft.

Die Bonität Saudi-Arabiens bewerten die Agenturen Standard & Poor's und Moody's mit Einfach-A. Was bedeutet, dass Riad den Anlegern die Anleihen wohl mit etwas höheren Zinsen schmackhaft machen muss als Katar und Abu Dhabi.

mik



insgesamt 50 Beiträge
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Lea S. 18.10.2016
1. Geld leihen?
Wie wäre es, die Saudis und ihre Gespielen zu verpflichten, sofort den Krieg gegen Yemen zu beenden. Wäre eine gute Voraussetzung um Gespräche über Geld zu beginnen.
Beetulli 18.10.2016
2. Hoffentlich wird rechtzeitig bekannt gegeben,
welche Banken sich in diese Geschäfte zur Kriegsfinanzierung einlassen, das Thema Sanktionen gegen Kriegstreiber ist ja augenblicklich sehr aktuell!
KaroXXL 18.10.2016
3. Guter Witz
"eines teuren Kampfes gegen die Terrormiliz IS" - also das Teure war wohl eher deren Unterstützung ;)
Ottokar 18.10.2016
4. Der Witz des Tagses
Die Saudis kämpfen gegen den IS und nun geht denen , den Saudis, das Geld aus.
rkinfo 18.10.2016
5. Note A für 30 Jahre Ölstaaten ? Decarbonisierung ...
Auf 30 Jahre betrachtet kann so eine Anleihe doch nur Ramsch sein ? Aktuell plant Saudi-Arabien nur die Umstellung der Eigenversorgung an Strom auf 16 GW PV plus 25 GW Solarthermie. Ein neues Exportgut als Ersatz für Erdöl und damit zur Schuldentilgung ist aber noch nicht absehbar.
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