Von Michael Kröger und Anne Seith
Kein Eigenhandel mehr für Häuser, die auch Kundeneinlagen haben: Mit dieser Forderung will Obama Banken das Spekulieren zur eigenen Gewinnmaximierung verbieten. In den USA wäre eine solche Regelung eine kleine Revolution. Viele Geldinstitute haben dank der sprudelnden Gewinne im Investmentbanking in diesem Jahr schon wieder phantastische Gewinne erwirtschaftet - die Mittel dazu stammten nicht zuletzt von den Notenbanken, die die Märkte in der Krise mit billigem Geld überschwemmten.
Würde man in Deutschland ein ähnliches Gesetz beschließen, wären die Auswirkungen sehr viel geringer als in den USA. Die meisten Geldinstitute hierzulande haben den riskanten Eigenhandel bereits drastisch zusammengestrichen. Die Deutsche Bank, die aus ihrem Investmentbanking-Schwerpunkt keinen Hehl macht, erzielt nach eigenen Angaben noch ein Zehntel der Handelserträge aus dem Bereich.
"Ein bisschen Eigenhandel machen aber alle Banken noch", sagt der Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. "Es wäre deshalb schon sinnvoll, diesen Bereich konsequenter zu regulieren." Ein Komplettverbot für Geldhäuser mit Kundeneinlagen hält er nicht für sinnvoll. "Wenn die Banken für ihre Kunden Investmentbanking betreiben sollen, müssen sie auch ein bisschen für sich selbst handeln dürfen - schon allein, um Fachkompetenz zu behalten. Man kauft ja auch keine Aktien von jemand, der noch nie ein Wertpapier besessen hat." Zudem dürfte es oftmals schwierig sein, den Handel für Kunden von dem auf eigene Rechnung scharf abzugrenzen. Damit die Regulierung Erfolg zeitige, müssten die Geschäftsmodelle von Großbanken vereinfacht werden, sagt LBBW-Analyst Alexander Groschke.
Die internationalen Bankenaufseher wollen zudem ohnehin, dass die Institute ihre Eigenhandels-Positionen mit mehr Eigenkapital unterlegen, was die Aktivitäten weniger lukrativ machen würde. Die britische Bankenvereinigung BBA erklärte, sie prüfe, ob die Vorschläge aus den USA zu den bereits in die Wege geleiteten Maßnahmen passten.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Banken | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH