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Schärfere Regulierung von Banken: Zahltag für die Zocker

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Eine Sondersteuer für Banken, strenge Regeln für Boni und Eigenhandel - die US-Regierung sagt der Finanzindustrie den Kampf an. Ein Vorbild für Deutschland? SPIEGEL ONLINE analysiert, welche Strafmaßnahmen auch hierzulande Sinn machen.

Bankenviertel in Frankfurt: "Eine Steuer würde die Auswüchse mit Sicherheit begrenzen" Zur Großansicht
REUTERS

Bankenviertel in Frankfurt: "Eine Steuer würde die Auswüchse mit Sicherheit begrenzen"

Berlin - Schluss mit den Diskussionen: Im Kampf gegen die Allmacht der Banken verspricht US-Präsident Barack Obama jetzt Taten. Eine Sondersteuer für Großbanken zählt ebenso dazu wie die Trennung von Kunden- und Eigengeschäft. Und - in letzter Konsequenz - die Zerschlagung, sollte ein Institut zu groß werden.

Dass Obama mit seiner Offensive in erster Linie bemüht ist, verlorenes politisches Terrain zurückzuerobern, ist aus Sicht der Anleger unerheblich. Sie haben die Botschaft verstanden. An der Wall Street erlitten Bankenwerte deutliche Verluste, später auch in Japan. "Viele dachten, Obama rettet die Banken und alles ist wieder gut. Aber der Wille, den Banken richtig auf die Füße zu treten, ist da", sagte ein Börsenhändler.

Natürlich blieben auch die deutschen Banken nicht verschont. So büßten die Aktien der Deutschen Bank Chart zeigen am Freitag rund vier Prozent ein, während die der Commerzbank Chart zeigen, deren Fokus auf dem Privatkundengeschäft liegt, moderate 1,5 Prozent verloren. "Die Pläne sind nicht gut für die Stimmung", sagte ein Händler. Auch die Aktien von Credit Suisse Chart zeigen und UBS Chart zeigen gehörten am Freitag mit Abschlägen von mehr als vier Prozent zu den größten Verlierern unter den europäischen Bankaktien.

Die Bundesregierung begrüßte Obamas Initiative. Die Vorschläge seien eine hilfreiche Anregung für die Diskussion auf internationaler Ebene, sagte ein Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin. Im Rahmen dieser internationalen Debatte müssten die Vorschläge bewertet werden. Ziel sei es, dass sich die Finanzkrise nicht wiederhole. Doch einen nationalen Alleingang bei der Regulierung will Schwarz-Gelb nicht.

Die Institute hierzulande sind nach Ansicht von Experten allenfalls indirekt betroffen. "Die großen Banken, vor allem die Deutsche Bank, haben den Eigenhandel bereits deutlich zurückgefahren", schrieb LBBW-Analyst Alexander Groschke am Freitag. Er halte die Folgen eines Verbots des Handels auf eigene Rechnung daher für gering. "Der Vorschlag von Obama ist keine Bedrohung für die Deutsche Bank oder andere deutsche Banken, aber er bereitet den Weg für eine schärfere Regulierung in Europa", erklärte Groschke.

Und so bangen auch die Banker in Deutschland. "Statt auf die schiere Größe von Banken abzustellen, sollten die Regeln und die Beaufsichtigung weltweit darauf ausgerichtet werden, Marktentwicklungen und Vernetzungen besser zu erkennen und gegebenenfalls einzugreifen", sagt etwa der geschäftsführende Vorstand des Privatbankenverbands BdB, Manfred Weber.

Für die Europäische Union gab EU-Währungskommissar Joaquín Almunia zwar bereits Entwarnung: Die EU brauche keine Zügelung der Banken nach US-Vorbild. Obamas Vorstoß sei in den Vereinigten Staaten mehr als angebracht, aber in der EU nicht nötig, sagte Almunia am Freitag. "Hier in Europa gibt es keine Wall Street, die die Maßnahmen der derzeit diskutierten Finanzregulierung bremst."

Viele Experten sehen das allerdings anders. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche von Obamas Ideen auch in Deutschland oder Europa Sinn hätten:

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Forum - Mehr Regulierung für Banken?
insgesamt 1433 Beiträge
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1.
AndyH 23.01.2010
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Ja, braucht. Und ja, Obama wird auch damit scheitern.
2. Nix mit Regulierung
Klaus.G 23.01.2010
solange die Parteien am Tropf der Banken hängen und von deren Spenden abhängig sind wird sich nie was ändern. Alle außer der Linken werden gut dotiert und darum wird sich nix ändern denn dann würde man den Banken in die Quere kommen was ja niemand will.Auch Obama wird scheiten, zu groß die Macht der Banken und deren Verflechtung mit der Politk. Glückauf.
3. Ein bisschen regulieren wird nicht reichen
soziale qualität 23.01.2010
Um aus der Boom - Krise - Falle auszubrechen wird es klare Grenzen brauchen. Ganz wichtig wäre ein Verbot der Kickbacks und Boni. Die Banker haben sich mit diesen 'Tools' eine Schmiergeldlegalisierung herausgenommen die sich zum erfolgreichen Erpressungswerkzeug entwickelt hat. Es wird auch eine Steuer auf internationalen Finanztransaktionen brauchen und einen globalen Plan zur Austrocknung der Steueroasen. Weitere wichtige Grundlagen zum Thema: www.oekonomiefueralle.blogspot.com
4.
Adran, 23.01.2010
ist nur die Rückkehr zum *Glass-Steagall Act* klick (http://de.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act) also nichts neues, sondern ehr sehr altes..bewertes..
5. Die Zerschlagung droht so oder so!
Jordan Sokoł 23.01.2010
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Bezogen auf unsere bundesdeutschen Verhältnisse, muß den Bankmanagern und deren Unterstützern in der Politik klarge- macht werden, daß sie unter Umständen von einem entfessel- ten Volk (z)erschlagen werden, wenn sie sich nicht endlich vernünftigen Beschränkungen und strafbewährten Regeln unterwerfen. Unsere Bundeskanzlerin kann sich bezüglich ihrer unver- zeihlichen Zurückhaltung gegenwärtig nur auf ein einziges Argument berufen: "Ich/wir halten uns zurück, bis die Verursacher der Finanzkrise (USA, GB) regelnd in die Finanzmärkte eingreifen." Frau Merkel, die USA, England und Frankreich sind im Gegen- satz zu Ihnen sichtlich bemühter, um dem ausufernden Ge- schäftsgebaren der Finanzmanager die notwendigen Stop- zeichen vor die Nasen zu setzen. - Nun lassen Sie mal den Koch mit seinen bewußt nicht publizierten bankspezifischen Regionalinteressen rechts liegen und besinnen sich auf das Wohl des Volkes in seiner Gesamtheit! Jordan Sokoł
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Neue Boni-Regeln bei der Commerzbank
In dem neuen Vergütungssystem, das die Commerzbank 2010 einführt, bekommen Mitarbeiter der ersten und der zweiten Führungsebene einen Teil ihrer variablen Bezüge erst nach drei Jahren ausbezahlt. Die Höhe der Auszahlung hängt dann von der mittelfristigen Entwicklung des Aktienkurses ab. Ansprüche können auch komplett verfallen, etwa wenn zu hohe Risiken eingegangen wurden.

In den kapitalmarktnahen Bereichen wie dem Investmentbanking ist der variable Anteil der Gesamtvergütung höher als in den anderen Geschäftsfeldern. Er wird dort deshalb zu zwei Dritteln mit zeitlicher Verzögerung ausbezahlt. Ein Drittel wird dabei vorübergehend in eine sogenannte Bonus-Bank einbezahlt. Die dort gelagerten Beträge gehen nach einem bestimmten Rechenmodell verloren, wenn übermäßige Risiken eingegangen wurden und die Ergebnisse schlecht sind.

Das neue Vergütungsmodell für die Vorstände dürfte sich an ähnlichen Kriterien orientieren.


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