Euro-Krise: Schäuble will erneut Geldwäsche-Kontrolleure nach Zypern schicken
Die Bundesregierung zweifelt daran, dass Zypern entschlossen gegen Geldwäsche vorgeht. Nach dem Willen von Finanzminister Schäuble und europäischen Kollegen soll eine Expertengruppe nach SPIEGEL-Informationen untersuchen, ob das Land die europäischen Gesetze überhaupt anwendet.
Berlin - Zypern will von Brüssel Hilfsmilliarden für seinen maroden Finanzsektor - die Europäer zweifeln aber an den Beteuerungen der zyprischen Regierung, dass das notleidende Land tatsächlich nichts mit Geldwäsche zu tun hat. Um Klarheit zu schaffen, soll sich die Inselrepublik nach dem Willen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und einiger anderer europäischer Finanzminister einer weiteren Prüfung unterwerfen.
Dabei soll nach Informationen des SPIEGEL nicht nur untersucht werden, ob Zypern alle internationalen Vereinbarungen zur Bekämpfung der Geldwäsche in nationales Recht überführt hat - auf diesen Aspekt haben sich frühere Untersuchungen beschränkt. Vielmehr geht es bei der neuen Evaluation darum, ob diese Vorschriften auch tatsächlich angewandt werden.
Einen entsprechenden Vorstoß wollen Schäuble und seine Kollegen aus Österreich, Finnland und den Niederlanden Anfang nächster Woche beim Finanzministertreffen der Euro-Zone unternehmen. Unterstützung bekommen sie von EU-Währungskommissar Olli Rehn: "Wir nehmen das Thema Geldwäsche sehr ernst", sagte der Finne. Die jüngsten Gesetzesänderungen auf Zypern seien nur ein "erster Schritt".
Der Internationale Währungsfonds (IWF) zweifelt zudem die Schuldentragfähigkeit Zyperns an. Die Schuldenlast wird bis zum Jahr 2014 auf 140 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung prognostiziert. Der IWF hält nur einen Schuldenstand von 100 Prozent am Ende des Unterstützungsprogramms für tragbar und fordert unter anderem einen härteren Schuldenschnitt für die Gläubiger zyprischer Banken.
Zypern führt derzeit Gespräche mit der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds über Finanzhilfen. Die Regierung in Nikosia spricht von einem Bedarf von 17 Milliarden Euro über vier Jahre. Auf Druck der Geber-Troika beschloss die Regierung bereits Einsparungen von einer Milliarde Euro.
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