Schattenwirtschaft Aufschwung drückt Schwarzarbeit auf 18-Jahres-Tief

Der Boom der Wirtschaft hat den Arbeitsmarkt beflügelt - und die illegale Beschäftigung stark gedrückt: In Deutschland wird so wenig schwarzgearbeitet wie seit 18 Jahren nicht mehr. Trotzdem wird Schätzungen zufolge jeder siebte Euro am Finanzamt vorbeigeschleust - insgesamt 344 Milliarden Euro im Jahr.

Maler bei der Arbeit: Vergleichsweise leichte Jobsuche
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Maler bei der Arbeit: Vergleichsweise leichte Jobsuche


Tübingen - Noch geht Schwarzarbeit in Deutschland zurück - doch hält der Trend trotz schwächerer Konjunktur an? Ja, sagen die Forscher des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in ihrer am Dienstag veröffentlichten Schattenwirtschaftsprognose. Allerdings nehme das Tempo gegenüber den Vorjahren ab.

Zunächst gibt es jedoch Rekorde zu vermelden: In Deutschland wird derzeit so wenig schwarzgearbeitet wie seit 18 Jahren nicht mehr. Demnach wurden im vergangenen Jahr knapp 344 Milliarden Euro am Fiskus vorbei erwirtschaftet - vier Milliarden Euro weniger als 2010. Die IAW-Forscher führen dies insbesondere auf die niedrige Arbeitslosigkeit zurück. Weil man derzeit vergleichsweise leicht einen regulären Job bekomme, sei Schwarzarbeit für die Menschen nicht mehr so attraktiv wie noch vor einigen Jahren, sagte IAW-Geschäftsführer Bernhard Boockmann.

Trotzdem geht das Institut davon aus, dass in Deutschland jeder siebte Euro am Fiskus vorbeigeschleust wird. Das Volumen der Schattenwirtschaft betrug zuletzt demnach mehr als 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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Die wichtigsten Fakten: So viel wird in Deutschland illegal gearbeitet
Zur Schattenwirtschaft zählen nach Angaben der Autoren:

  • Schwarzarbeit, also Tätigkeiten, die auch legal ausgeübt werden könnten, die jedoch den staatlichen Stellen nicht gemeldet werden, damit keine Steuern und Sozialbeiträge gezahlt werden müssen.
  • Illegale Beschäftigung (insbesondere illegale Arbeitnehmerüberlassung und illegale Ausländerbeschäftigung),
  • kriminelle Aktivitäten wie Hehlerei, Drogenhandel, Betrug, Schmuggel und Menschenhandel.

Für das bereits begonnene Jahr sind die Autoren weiter zuversichtlich. Sie rechnen mit einem Rückgang der Schattenwirtschaft um rund 1,6 Milliarden Euro auf knapp 343 Milliarden Euro, auch weil die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen dürfte. Der zum Jahresbeginn eingeführte Mindestlohn für Zeitarbeiter werde das Volumen zusätzlich um geschätzte 300 Millionen Euro verringern. Auch der seit Anfang Januar geltende geringere Rentenversicherungsbeitrag werde den Trend stützen.

yes/dpa



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
ich schon wieder 24.01.2012
1. Ist doch völlig klar....
... durch staatlich sanktioniertes Lohndumping in Form von Leiharbeit zu lächerlich geringen "Mindeststundensätzen" z.B. sinkt doch der Bedarf an illegalen Schwarzarbeitern. Jetzt gibt es legale, für die der Steuerzahler letztlich über H4-Aufstockung z.B. auch die Zeche zahlt.
ro0nald0 24.01.2012
2. blöde Statistik oder schlechte Darstellung im Artikel
Ich halte das Einrechnen von kriminellen Aktivitäten für äußerst schlecht. Die wird es immer geben, interessant ist doch vielmehr, wie viel dem Fiskus dadurch verloren geht, was umgangssprachlich als Leiharbeit bezeichnet wird: Handwerksdienste unter der Hand oder Ähnliches.
Phillsen 24.01.2012
3. Ach Aufschwung?
Ich würd ja behaupten, das liegt an den ganzen Minijobs, die die Zahlen schönen. Aber, dass tatsächlich mehr Menschen echte Arbeit mit denen Sie locker ihre Familie Ernähren und Ihre Bedürfnisse stillen können, glaub ich nicht.
wakaba 24.01.2012
4. Viel?
Zitat von sysopDer Boom der Wirtschaft hat den*Arbeitsmarkt beflügelt - und die*illegale Beschäftigung*stark gedrückt: In Deutschland wird so wenig schwarz gearbeitet wie seit 18 Jahren nicht mehr.*Trotzdem*wird Schätzungen zufolge jeder siebte Euro am Finanzamt vorbeigeschleust - insgesamt 344 Milliarden Euro im Jahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,811036,00.html
Eine hohe Schatzung. Aus verschiedensten Gründen ist die Schattenwirtschaft sehr sehr wichtig. Der Konsumbereich ist massiv darauf angewiesen. Aldi, Bauhaus, Hermes, Mercedes, Lamborghini etc. leben davon. Bei der herrschenden 3 bis 5 fach Besteuerung für transitorische Vermögenswerte gegen Ware ist das auch gut so denn was der Beamtenstaat abzockt ist der absolute Wahnsinn. Vielleicht ist es an der Zeit die Staatsangestellten einfach auf Hartz4 runterzufahren. Wär billiger und würde dem tatsächlichen Arbeitswert eher entsprechen. Andererseits sind Firmen bei der Steuervermeidung extrem bevorzugt, wird der Bürgergemeinschaft und dem System die Kaufkraft entzogen und ausserhalb des Wirtschaftsraumes geparkt - wenn immer möglich.
udocolonia 24.01.2012
5. Geduldete Form des Betrugs
Schwarzarbeit ist die gesellschaftlich geduldete Form der Steuerhinterziehung und des Betruges an den gemeinschaftlichen Sozialkassen. Der Treiber ist Gier. Alleine die Tatsache, dass er bei seiner Steuerhinterziehung nicht die Beträge eines Herrn Zumwinkel erreicht, lässt den Schwarzarbeiter glauben, er sei ein moralisch besserer Mensch. Und da er die Früchte seines Betrugs nicht für Yachten, sondern für Dinge des täglichen Lebens ausgibt, hält er sein Handeln für irgendwie legitimer. Nun hat Schwarzarbeit wirtschaftlich auch positive Aspekte. Aber das erteilt dem massenhaften Betrug nicht die Absolution.
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