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Schienennetz: Ramsauer fehlt das Geld für Streckenausbau

Die Kasse ist leer, Spielraum für einen weiteren Ausbau des Schienennetzes gibt es nicht. Laut einer Aufstellung des Verkehrsministeriums ist der gesamte Etat bis 2020 verplant. Grünen-Politiker Hermann fordert daher, das umstrittene Projekt "Stuttgart 21" zu stoppen.

Stuttgarter Bahnhof: Im Rahmen von "Stuttgart 21" soll hier ein neuer Stadtteil entstehen Zur Großansicht
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Stuttgarter Bahnhof: Im Rahmen von "Stuttgart 21" soll hier ein neuer Stadtteil entstehen

Berlin - Der Ausbau des Schienennetzes ist offenbar in Gefahr, weil der Bundesregierung das Geld fehlt. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und beruft sich dabei auf eine Aufstellung des Verkehrsministeriums. Demnach sei schon mit den laufenden Projekten das Geld der kommenden Jahre komplett verplant.

"Die Situation ist noch desolater, als wir befürchtet haben", sagte der Grünen-Politiker und Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Winfried Hermann. "Wichtige Strecken, die die Wachstumschancen des Schienenverkehrs bestimmen, haben keine Chance, in Angriff genommen zu werden."

Als Beispiele nennt Hermann in der "SZ" die Strecken von Karlsruhe nach Basel, den Lückenschluss von Frankfurt nach Mannheim, den Rhein-Ruhr-Express in Nordrhein-Westfalen und den Ausbau zum bayerischen Chemiedreieck von München nach Mühldorf. "Bei keinem dieser Projekte wird es in den nächsten zehn Jahren einen Baubeginn oder nennenswerten Baufortschritt geben."

Das Verkehrsministerium warnte dagegen davor, abschließende Aussagen über die Realisierung aller Bahnstreckenprojekte bis 2020 zu treffen. Zunächst müsse abgewartet werden, welche Mittel am Ende tatsächlich in den kommenden Jahren im Bundeshaushalt für Bahnprojekte vorgesehen seien. "Dann lässt sich sehen, welche Maßnahmen realisiert werden", sagte ein Sprecher von CSU-Minister Peter Ramsauer.

Für Hermann gibt es allerdings nur einen Ausweg aus dem Dilemma: Ramsauer müsse "eine klare Priorität für den Schienengüterverkehr setzen und Stuttgart 21 mit der ICE-Neubaustrecke stoppen, um Geld freizumachen für wichtigere Maßnahmen", sagte der Grüne der "SZ".

Vor allem die Rheintalbahn Karlsruhe - Basel sei für die Bewältigung der künftigen Transportmengen im Güterverkehr entscheidend. "Nur mit einem Ausbau dieser Verbindung werden wir in der Lage sein, die Container aus den deutschen Seehäfen und Rotterdam reibungslos abzutransportieren." Andernfalls bliebe nur der Transport mit Gigalinern, den umstrittenen 60-Tonnen-Lkws. Dies nennt Hermann "umwelt- und verkehrspolitisch eine Katastrophe".

cte/ddp/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Teure Prestigeprojekte ohne Verkehrswert
c_a_s 20.08.2010
Stuttgart 21 reiht sich ein in eine lange Liste von Schienenverkehrsprojekten mit dem Attribut "dümmstes Projekt seit dem Turmbau zu Babel", die leider nur zum Teil rechtzeitig beerdigt wurden. Die übrigen (z.B. Y - Trasse, Nürnberg - Erfurt) blockieren mit ihrem gewaltigen Investitionsbedarf die wirklich sinnvollen kleineren Maßnahmen zur Leistungssteigerung des Schienenverkehrsnetzes, ohne selbst in näherer Zukunft eine Chance auf Fertigstellung zu haben. Die neue Qualität bei Stuttgart 21 besteht darin, dass nun mittlerweile gesichert erscheint, dass die Baumaßnahme nicht nur zu keiner Verbesserung, sondern eindeutig zu einer deutlichen Verschlechterung des Betriebsablaufes insgesamt führen wird. Trotz mittlerweile geschlossener Verträge und symbolischer Spatenstiche kann die Lösung hier nur lauten: Aufhören mit dem Unfug und zwar sofort. Vertragsrückttritte zum jetzigen Zeitpunkt dürften günstiger sein, als weiteres Geld in dieses in jeder Hinsicht kontraproduktive Projekt zu versenken. Den politisch verantwortlichen, die sich zur Gesichtswahrung weiterhin an das Projket klammern sei versichert: Die Realisierung von Stuttgart 21 wird so viel Zeit (und Geld) in Anspruch nehmen, dass von Euch niemand mehr im Amt ist, um vor laufenden Kameras auch nur die kleinste Eröffnung feiern zu können.
2. Kompetenzmangel unserer Herren Politiker
rüboot 20.08.2010
..."Nur mit einem Ausbau dieser Verbindung werden wir in der Lage sein, die Container aus den deutschen Seehäfen und Rotterdam reibungslos abzutransportieren." Andernfalls bliebe nur der Transport mit Gigalinern, den umstrittenen 60-Tonnen-Lkws. Dies nennt Hermann "umwelt- und verkehrspolitisch eine Katastrophe".... Wenn ich so einen totalen Quatsch lese wird mir Angst und Bange. Dieser Herr Hermann scheint von Tuten und Blasen keine Ahnung zu haben. Vom leistungsstarken Verkehrsträger Binnenschifffahrt, die hier den größten Wachstumsmarkt (Rheinstrecke Karlsruhe bis Basel) hat und auch abdeckt hat der gute Mann noch nichts gehört. Wieso brauchen wir da einen Bahnstreckenausbau??? bullshit!!! Da wo Binnenschiffahrt nicht geht "kann" die Bahn die Alternative sein. Dennoch muss hier auch die Abwägung zwischen Streckenausbau der Binnenschifffahrtsstrassen oder der Bahntrassen erfolgen. Und dort wo weder Bahn noch Binnenschifffahrt als ökologische Transportträger genutzt werden können muss über einen Ausbau der Straßeninfrastruktur nachgedacht werden. Ihr lieben oberschlauen verkehrspolitischen Sprecher eurer Fraktionen seht endlich zu durch Kompetenz zu überzeugen und nicht durch blödes daherreden. Macht die Augen auf und nutzt die Ressourcen die vor eurer Haustür liegen und ergänzt sie wo ihr könnt durch Verstand.
3. Stuttgart 21 und Container am Rhein
hannesmuc 20.08.2010
Um Container die Rheinschiene entlang nach Basel zu Bringen, braucht es keinen Schienenausbau. Dort gibt es seit Jahrmillionen schon einen leistungsfähigen Verkehrsweg: Den Rhein, der mit modernen Binnen-Containerschiffen das ganze Jahr über befahren werden kann. Und ein Binnenschiff verbraucht pro transportierter Tonne wesentlich weniger Energie als ein Zug, der mit Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken versorgt wird. Doch der umweltfreundlichste Verkehrsträger wird ständig vernachlässigt. Der ICE-Ausbau Stuttgart-Ulm - einer der Bestandteil von Stuttgart 21 - hingegen ist unabdingbar, um die Menschen zwischen Stuttgart und München dort von der Autobahn auf die Schiene zu bringen. Zweieinhalb Stunden Fahrtzeit für 220 Kilometer sind einfach zu lang.
4. Stimmt das?
Gegengleich 20.08.2010
Zitat von hannesmucUm Container die Rheinschiene entlang nach Basel zu Bringen, braucht es keinen Schienenausbau. Dort gibt es seit Jahrmillionen schon einen leistungsfähigen Verkehrsweg: Den Rhein, der mit modernen Binnen-Containerschiffen das ganze Jahr über befahren werden kann. Und ein Binnenschiff verbraucht pro transportierter Tonne wesentlich weniger Energie als ein Zug, der mit Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken versorgt wird. Doch der umweltfreundlichste Verkehrsträger wird ständig vernachlässigt. Der ICE-Ausbau Stuttgart-Ulm - einer der Bestandteil von Stuttgart 21 - hingegen ist unabdingbar, um die Menschen zwischen Stuttgart und München dort von der Autobahn auf die Schiene zu bringen. Zweieinhalb Stunden Fahrtzeit für 220 Kilometer sind einfach zu lang.
Kann mir die Korrektheit ihrer Angaben nicht vorstellen: - Würde man alle Güter ,die die Bahn auf der Rheinschiene transportiert, mit Schiffen bewegen, so käme wahrscheinlich keine Rheinfähre in diesem Bereich von einem Ufer zum anderen. - Eine Bahn die mit Strom fährt, der immer mehr aus erneuerbaren Energien besteht, ist weitaus umweltfreundlicher als Ihre Schiffsdiesel. Oder wird hier schon mit Rapsöl gefahren? - Zweieinhalb Stunden Fahrzeit für 220km? Entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 100km/h. Ist doch ok! - Sie glauben doch nicht allen Ernstes, mit Stuttgart 21 die Mehrheit der Autofahrer auf die Schiene locken zu können? Im übrigen gibt es den Rhein zwar schon lange. Aber daß er auf diese Art schiffbar ist, ist keine 200 Jahre her.
5. Bundesinfrastrukturholding
avollmer 20.08.2010
Es wird Zeit, dass auch eine Deutschland eine Staatsholding bekommt, die Eigentümer und Betreiber der Infrastruktur ist. Eine Gesellschaft, die sich aus Nutzungskonzessionen, Maut und Steuern wie der Kfz-Steuer finanziert und sich auch um Ausbau und Instandhaltung kümmert. Dann hätte es diese aufgeblasene S-Bahn-Station im Zentrum Stuttgarts nie gegeben und man hätte von vornherein den Leuten gesagt, dass ab 2020 die ICEs nur noch am Flughafen halten und es nur einen Zubringer in die Innenstadt gibt und deswegen acht Bahnsteige auch mehr als ausreichend sind. Dann hätte man sich auf die tatsächlich notwendigen vier Bahnsteige beschränken können und die Fernbahnlinien eine Etage tiefer vorbeiführen können oder den U-/S-Bahn-Verkehr tiefer legen können. Dann hätte man auch nach dem Beispiel Singapurs einen modernen City-Bahnhof bauen können, mit Kongresszentrum, Mall und Hotel darüber und nicht so eine provinzielle Laube im Jetsons-Biedermeier kleiner Jungs, die in den 60er zu viel ferngesehen haben. Gerade in Infrastrukturbauten wie Großstadtbahnhöfen kann ein Staat sein Selbstverständnis zeigen, deshalb sollte hier kein duckmäuserischer Bau im Retrofuturismus errichtet werden, sondern ein Statement an die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Ein Bahnhof fürs 22. Jahrhundert, das 21. ist wahrscheinlich schon zu einem Viertel vorbei wenn S21 ans Netz geht.
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Stuttgart 21: Ein Bahnhof wird tiefergelegt

Stuttgart 21 in Zahlen
Außer dem Projekt Deutsche Einheit mit dem Aus- und Neubau der Strecke Nürnberg-Berlin ist Stuttgart 21 samt der Trasse nach Ulm das größte Bauvorhaben der Bahn AG. Die Kennzahlen:
Höchstgeschwindigkeit
250 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke
Schienen
117 Kilometer neue Strecke, davon 60 Kilometer Hochgeschwindigkeitstrasse von Wendlingen (Kreis Esslingen) nach Ulm und 57 Kilometer für einen neuen Ring in Stuttgart, die Talquerung und die Anbindung über die Filderebene an die Strecke nach Ulm
Stuttgart
100 Hektar freie Fläche in der Stuttgarter Innenstadt durch die Verlegung des Bahnhofs unter die Erde
Tunnel
63 Kilometer Tunnel, von denen 33 Kilometer Stuttgart 21 und 30 Kilometer der Neubaustrecke nach Ulm zuzuordnen sind. 26 Tunnel, davon 16 bei "Stuttgart 21" und zehn auf der Neubaustrecke
Brücken
55 Brücken, davon 18 bei Stuttgart 21, 37 auf der Neubaustrecke
Fahrzeiten
- 41 statt 61 Minuten Fahrzeit zwischen Stuttgart und Tübingen
- 28 statt 54 Minuten Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm
Kosten
Mehr als sechs Milliarden Euro Kosten, wovon gut 4,1 Milliarden auf Stuttgart 21 und mehr als zwei Milliarden auf die Neubautrasse entfallen
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Drei neue Bahnhöfe: der unterirdische Hauptbahnhof in Stuttgart, ein ICE-Halt an der Messe und am Flughafen und die S-Bahnstation Mittnachtstraße zur Erschließung des geplanten Rosensteinviertels
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