Schlecker-Skandal DGB rügt deutschlandweites Lohn-Dumping

Flächendeckende Leiharbeit gibt es offenbar nicht nur bei Schlecker. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes werden auch in der Metall- und Elektroindustrie oder im Maschinenbau systematisch Stammbelegschaften ersetzt - eine Reform der Zeitarbeitsregeln sei dringend nötig.

Schlecker-Filiale: "Sozialer Skandal"
DPA

Schlecker-Filiale: "Sozialer Skandal"


Essen - Der nordrhein-westfälische DGB-Vorsitzende hat Konsequenzen aus dem Fall Schlecker gefordert. "Schlecker ist kein Einzelfall", sagte Guntram Schneider den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Auch in Branchen wie der Metall- und Elektroindustrie oder im Maschinenbau gebe es Betriebe, die eigene Leiharbeitsfirmen gegründet hätten, um ihre Stammbelegschaften zu ersetzen.

Vom Einkommen bis zu den Arbeitsbedingungen würden die Leiharbeiter schlechter behandelt. "Wir erleben seit Jahren den schleichenden Prozess, dass Stammbelegschaften durch Leiharbeitnehmer ersetzt werden", kritisierte Schneider. Das sei ein "sozialer Skandal".

Schneider forderte daher eine Reform der Zeitarbeitsregeln, die von der früheren rot-grünen Bundesregierung auf den Weg gebracht wurden. Künftig müsse wieder das Prinzip "gleiches Geld für gleiche Arbeit" gelten.

Auslöser der Diskussion waren massive Vorwürfe gegen den Drogeriediscounter Schlecker. Die Gewerkschaft Ver.di kritisiert das Unternehmen dafür, dass es Hunderte alte Filialen geschlossen habe und in neuen Filialen Leiharbeitnehmerinnen bei deutlich schlechterer Bezahlung beschäftige. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte am Sonntag angekündigt, sie wolle die umstrittenen Vorgänge bei Schlecker untersuchen.

Nach massiver Kritik hatte das Unternehmen am Montag angekündigt, keine neuen Zeitarbeitsverträge mit der umstrittenen Leiharbeitsfirma Meniar mehr abschließen zu wollen. Als Schuldeingeständnis solle dies aber nicht verstanden werden: Die Diskussion um die Beschäftigung von Leiharbeitern der Firma Meniar könne man nicht nachvollziehen, teilte Schlecker mit. Um sie aber zu beenden, habe man beschlossen, "mit sofortiger Wirkung" keine neuen Verträge mehr abzuschließen.

ssu/ddp



insgesamt 27 Beiträge
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Rainer Daeschler, 12.01.2010
1. Erst zugeschaut und erst jetzt gemault
Zitat von sysopFlächendeckende Leiharbeit gibt es nicht nur bei Schlecker. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbunds werden auch in der Metall- und Elektroindustrie oder im Maschinenbau systematisch Stammbelegschaften ersetzt - eine Reform der Zeitarbeitsregeln sei dringend nötig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,671383,00.html
Und Gewerkschaftsvertreter in der Rolle von Aufsichtsräten haben dabei die ganz Zeit zugeschaut.
silenced 12.01.2010
2. <->
Es grenzt ja fast an ein Wunder, daß das überhaupt noch wem "da oben" aufgefallen ist. Möchte gar nicht wissen wieviele führende Gewerkschafter auch bei Zeitarbeitsfirmen im Aufsichtsrat sitzen ...
pseudokater 12.01.2010
3. Merkwürdig
Seit langem ist mir als Branchenfremden dieses Geschäftsgebahren bekannt. Warum wehren sich erst jetzt die Gewerkschaften und warum gibts erst jetzt Empörung aus der Politik?
retmar 12.01.2010
4. ....
Zitat von Rainer DaeschlerUnd Gewerkschaftsvertreter in der Rolle von Aufsichtsräten haben dabei die ganz Zeit zugeschaut.
Von einigen hat man ja erfahren, dass sie noch nicht einmal Zeit zum Zuschauen hatten. Waren sie doch durch intensive Beratungen mit netten Brasilianerinnen beschäftigt. Die Gewerkschaften und ihre Bonzen, was für eine Bande von Heuchlern. Und die SPD muss man in den gleichen Sack stecken. Es ist das alte Spiel: gib einem Kleingeist einen Posten und er wird es schamlos zu seinen Gunsten ausnutzen. Nicht verschweigen sollte man auch, wieviele "Powerfrauen" dieses gesellschaftliche Elend mit zu verantworten haben. Eine nachhaltige Arbeitnehmervertretung zeichnet sich eben nicht durch eine Kampagnepolitik nach Lust und Laune aus, wie sie von den Gewerkschaften praktiziert wird.
frubi 12.01.2010
5. .
Zitat von sysopFlächendeckende Leiharbeit gibt es nicht nur bei Schlecker. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbunds werden auch in der Metall- und Elektroindustrie oder im Maschinenbau systematisch Stammbelegschaften ersetzt - eine Reform der Zeitarbeitsregeln sei dringend nötig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,671383,00.html
Leiharbeit ist im Prinzip eine wirklich gute Möglichkeit auf wechselnde Marktverhältnisse reagieren zu können. Leider wurde dieses Werkzeug oftmals missbraucht und nun haben wir den Salat. Die Politiker hätten sich vorher überlegen können welche Art von Missbrauch es geben wird und dementsprechend hätten Sie die Leiharbeit regeln können. Eine Verbesserung der Regelung ist zwingend Notwendig.
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